Dass sich das 1:1 der Hamburger im Europapokal gegen Lyon wenige Tage später so fatal auf die folgende Bundesligaleistung auswirken würde, hatte wohl niemand im Traum gedacht. Weitere Gründe für das HSV-Debakel: der glatte Schneeboden (mit dem musste 1860 auch klarkommen), die Verletzung Piechowiaks (auch Heiß wurde früh angeschlagen) und das Versagen Torhüter Schnoors (Radenkovic war schwächster Löwe), dürften allerdings ebenso wenig als Erklärung herhalten. An diesem Tag war schlichtweg jeder Münchener seinem HSV-Pendant überlegen. Zudem bewegten sich die Gastgeber auf dem glitschigen Parkett leichtfüßig, ja wie beschwingt. Zwei Heiß-Treffer (4. und 7., wobei sich der Rechtsaußen verletzte) brachten die Gäste umgehend aus dem Konzept, auch wenn Charly Dörfel alsbald den Anschlusstreffer markierte (9.). Dann bediente Küppers in der 16. Minute traumhaft Oldie Auernhammer, dessen Flanke Brunnenmeier einköpfte (16., Piechowiak verletzte sich). Trotz großer Chancen für Brunnenmeier, Luttrop, Seeler und Kreuz blieb es bis zur Pause beim 3:1 für die kombinationsfreudigen Löwen.
Bereits die drei weiteren Treffer (48., Kohlars; 56., Brunnenmeier; 58. Küppers) in den ersten 13 Minuten nach der Pause machten aus dem HSV ein gerupftes Huhn. Schnoor war total überfordert, ließ fast jeden Schuss passieren; Giesemann verlor endgültig die Orientierung und die überragende Achse Luttrop (kraftvoll antreibend), Brunnenmeier (ständig rochierend), Küppers (grandiose Dribblings) und Auernhammer (mit Super-Zuspielen) war von der aufgelösten Hanseaten-Defensive nun nicht mehr zu packen. Ein missglückter Steiner-Abschlag, bei Dehn landend, der schnell auf Uwe Seeler weitergab, der wiederum Radenkovic überlupfte, brachte nur kurzzeitige Linderung (71.). Bereits drei Minuten später ließ sich Schnoor fatalerweise von einem 20-Meter-Roller überraschen, den Küppers in Richtung HSV-Tor geschickt hatte: 7:2. Auernhammer legte zum vierten Mal für einen 1860-Treffer in der 78. Minute auf, den Brunnenmeier verwertete, der das Abschlusstor von Kohlars (89.) dann selbst vorbereitete. Während also bei den Löwen alles klappte, ging beim HSV kaum etwas. So auch die beiden verzweifelten 20-Meter-Schuss-Versuche von Kreuz und Kurbjuhn in der Schlussphase. Radenkovic nutzte den beruhigenden Spielstand übrigens nach einer guten Stunde zu einem Sololauf bis in die gegnerische Hälfte, ehe ihn Dörfel mit einem Foul stoppte. Die Löwen lieferten also (außer für die HSV-Fan-Gemeinde) eine Fußball-Show der besonders unterhaltsamen Art.