Zwei Minuten nach dem Anpfiff spielte die gesamte Berliner Deckung unnötig auf Abseits, doch der Pfiff blieb aus und Christian Müller nahm das Gastgeschenk zur frühen Kölner Führung dankend an. Hertha sah sich nun einem selbstbewußten Kontrahenten gegenüber, der den Gastgebern zwar regelmäßig das Mittelfeld überließ, aber mit schnellen Kombinationen bei den Gegenzügen für wesentlich mehr Gefahr sorgte. Auch ohne die verletzten Wilden, Thielen und Weber beherrschten die Domstädter ihren technisch unterlegenen Rivalen, denn vor allem der 22-jährige Hemmersbach vertrat Nationalstopper Wilden mit einer piekfeinen Leistung. Herausragende Akteure der Gäste waren jedoch der dynamische Hansi Sturm und als Spielmacher der junge Wolfgang Overath, der den an diesem Tag etwas zurückhaltenden Kapitän Schäfer als Schaltstation überstrahlte.
Torchancen ergaben sich auf beiden Seiten, wobei sich die Torhüter mehrfach auszeichneten. Während sich Hertha über den Kampf immer wieder nach vorne arbeitete, aber im Sturmzentrum ausrechenbar blieb, konterten die Kölner in den entscheidenden Szenen des zweiten Durchgangs eiskalt. In der 75. Minute bewies Sturm mit einem unnachahmlichen Durchmarsch aus der eigenen Spielhälfte seine Wertigkeit für die Knöpfle-Truppe. Nach einem Doppelpass freigespielt, versenkte er den Ball unhaltbar zum vorentscheidenden 2:0. Das 3:0 kurz vor Schluss fiel durch eine Unachtsamkeit der mittlerweile depremierten Herthaner, die den völlig freien Müller wohl irgendwie vergessen hatten. Der Sieg fiel um dieses Tor zu hoch aus, war aber auch während der besseren Berliner Drangphasen nie wirklich gefährdet.