Im Duell der Aufsteiger bestätigte sich auf beiden Seiten die Tendenz der letzten Wochen. Köln trat nach den Turbulenzen der vergangenen Woche mit einer desolaten Defensive in Frankfurt auf und bekam von den selbstbewusst auftretenden Adlerträgern folgerichtig die Hütte voll.
Die Eintracht legte in der erstmals geschlossenen Commerzbank-Arena los wie die Feuerwehr. Bei der ersten Chance von Meier brachte Alpay noch sein Bein dazwischen. Doch bereits in der zweiten Spielminute musste Wessels zum ersten Mal hinter sich greifen. Copado hatte mit einem Pass in die Tiefe Amanatidis bedient, der mit einem Schuss in die lange Ecke das frühe Führungstor besorgte. Die Freude über das erste Saisontor beim Griechen hielt jedoch nicht lange an. Nach einem langen Ball auf den rechten Flügel ließ Köhler den schnellen Streit enteilen, der aus ähnlicher Position wie zuvor Amanatidis die Kugel elegant zum Ausgleich in den Winkel der langen Ecke schlenzte. Praktisch im Gegenzug war aber auch das Remis wieder Makulatur. Amanatidis wurde am Kölner Fünfmeterraum am Torschuss gehindert, den abprallenden Ball durfte jedoch Rehmer ungehindert zum 2:1 einschieben (8.). Die Geißböcke waren nicht nur in der turbulenten Anfangsphase ohne Abwehr an den Main gereist. Dazu war im zaghaften Bemühen um weitere eigene Treffer zumeist schon weit vor dem gegnerischen Sechzehner Endstation.
Stattdessen setzte sich das Chaos in der Defensive fort, das die Frankfurter mit schnellen und gekonnten Angriffszügen immer wieder offen legten. Nach Ochs-Flanke verpasste Chris das Leder per Kopf nur um Zentimeter, so dass Sinkiewicz in höchster Not zur Ecke klärte (15.). Das letzte Aufflackern rheinischer Spielkunst gab es nach 23 Minuten zu bestaunen. Grammozis bediente erneut den in die Gasse gestarteten Streit, der diesmal mit seinem Versuch am gut reagierenden Nikolov scheiterte. Danach übernahmen die Frankfurter wieder das Kommando, deren Sturmduo Amanatidis und Copado die Defensivreihe der Westdeutschen immer wieder gekonnt vernaschte. Allerdings leisteten die Gäste auch kaum Gegenwehr. Meier verpasste mit seinem Flachschuss von der Strafraumkante den dritten Frankfurter Treffer um Zentimeter (25.). Kurze Zeit später tauchten schließlich drei Hessen frei vor Wessels auf. Chris ließ sich letztlich die Chance nicht entgehen und vollendete zum 3:1 (28.). Die Kölner präsentierten sich mit zunehmender Spielzeit immer desolater. Die ersten mitgereisten Fans hatten spätestens in der 35. Minute genug gesehen, als Köhler den Ball aus 20 Metern zum 4:1 ins Netz wuchtete. Zuvor hatte Meier den quirligen Außenstürmer mit einem langen Ball auf die Reise geschickt. Ein noch höheres Debakel vor der Pause verhinderte lediglich Wessels mit einer Glanztat gegen einen Flachschuss von
Copado.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit knüpften die Hessen zunächst an die starken Eindrücke der ersten Halbzeit an. Nach Flanke von Ochs durfte Meier aus kurzer Distanz unbedrängt köpfen, geriet dabei allerdings zu stark in Rücklage und zielte daraus folgend etwas zu hoch (50.). Das Aufbäumen des FC bestand in einem Elfmeter aus heiterem Himmel, den Podolski souverän versenkte (54.). Der kämpferisch überzeugende Eintracht-Kapitän Jones hatte nach Flanke von Grammozis seinen Arm ungeschickt zum Ball bewegt. Danach nahmen sich die Frankfurter und damit auch das gesamte Spiel eine wohlverdiente Auszeit. Gegen die weiterhin nicht sattelfeste Abwehr der Kölner wurden die wenigen Kontergelegenheiten nicht konsequent zu Ende gespielt. Im Sturm stand Podolski gegen den sehr aufmerksamen Vasoski auf verlorenem Posten. Auffälligster Offensiv-Akteur der Rapolder-Schützlinge war Streit, der Nikolov mit einem Distanzschuss zu einer weiteren Glanzparade zwang (71.). Das Spiel schien danach seinem Ende ereignislos entgegen zu plätschern. Doch die Schlafmützigkeit in der Kölner Deckung sorgte in der Schlussphase für einen torreichen Ausklang. Zunächst verschliefen gleich mehrere Abwehrspieler einen schnell ausgeführten Freistoß der Heimelf. Copado bediente Köhler, dessen Versuch Alpay per Kopf noch von der Linie kratzte. Den Abstauber verwertete Meier anschließend locker zum 5:2 (78.). Und nach einem haarsträubenden Fehler von Grammozis bereitete Meier auch noch das sechste Tor für den kurz zuvor eingewechselten Du-Ri Cha vor, der die Kugel nur noch über die Linie schieben musste (89.). Die Ergebniskosmetik von Alpay mit einem schönen Kopfballtor nach einer Ecke von der rechten Seite änderte nichts an dem verheerenden Eindruck, den die Kölner bei der fünften Niederlage in Folge hinterließen.
Kai Endres
Eintracht Frankfurt
| Tore | |||
|---|---|---|---|
| 1:0 | Ioannis Amanatidis | 2. | (Rechtsschuss, Copado) |
| 1:1 | Albert Streit | 5. | (Rechtsschuss, Grammozis) |
| 2:1 | Marko Rehmer | 8. | (Rechtsschuss, Amanatidis) |
| 3:1 | Chris | 28. | (Rechtsschuss, Meier) |
| 4:1 | Benjamin Köhler | 35. | (Linksschuss, Meier) |
| 4:2 | Lukas Podolski | 54. | (Handelfmeter, Handspiel: Jones) |
| 5:2 | Alexander Meier | 78. | (Rechtsschuss, Köhler) |
| 6:2 | Du-Ri Cha | 89. | (Rechtsschuss, Meier) |
| 6:3 | Özalan Alpay | 90. | (Kopfball, Lell) |
Aufstellung Frankfurt![]() |
|
|---|---|
| Oka Nikolov | (3,0) |
| Patrick Ochs | (3,0) |
| Aleksandar Vasoski | (2,0) |
| Marko Rehmer | (3,0) |
| Christoph Spycher | (3,0) |
| Chris | (2,0) |
| Jermaine Jones | (3,0) |
| Benjamin Köhler | (2,5) |
| Alexander Meier | (1,5) |
| Ioannis Amanatidis | (2,5) |
| Francisco Copado | (2,5) |
Aufstellung FC Köln |
|
|---|---|
| Stefan Wessels | (5,0) |
| Christian Lell | (5,5) |
| Özalan Alpay | (5,0) |
| Lukas Sinkiewicz | (6,0) |
| Patrick Weiser | (5,5) |
| Albert Streit | (4,0) |
| Andrew Sinkala | (6,0) |
| Dimitrios Grammozis | (5,5) |
| Rolf-Christel Guié-Mien | (5,0) |
| Anthony Lurling | (5,0) |
| Lukas Podolski | (4,5) |
Wechsel Frankfurt![]() |
|
|---|---|
| Benjamin Huggel für Ioannis Amanatidis |
(3,5) (58.) |
| Christoph Preuß für Jermaine Jones |
(―) (85.) |
| Du-Ri Cha für Francisco Copado |
(―) (88.) |
Wechsel FC Köln |
|
|---|---|
| Björn Schlicke für Patrick Weiser |
(4,5) (46.) |
| Sebastian Schindzielorz für Andrew Sinkala |
(4,5) (46.) |
| Matthias Scherz für Anthony Lurling |
(4,0) (52.) |
Karten Frankfurt![]() |
|
|---|---|
| Gelb für | Marko Rehmer |
| Gelb für | Jermaine Jones |
Karten FC Köln |
|
|---|---|
| Gelb für | Lukas Podolski |
| Gelb für | Lukas Sinkiewicz |
Trainer Frankfurt![]() |
|---|
| Friedhelm Funkel |
Trainer FC Köln |
|---|
| Uwe Rapolder |