Bundesliga

Spieltag

Spielbericht SV Werder Bremen - 1. FC Kaiserslautern

Werder wollte Bayern spielen

Einziger Bremer mit Normalform: 
Torsten FringsEinziger Bremer mit Normalform:
Torsten Frings

Wie es sich in Heimspielen ziemt, spulte Bremen sein Sturmprogramm herunter und nahm Machos Kasten vom Anpfiff weg ins Visier. Doch obwohl Kaiserslautern am Spiel gar nicht teilnahm, blinkten auf der Anzeigetafel nur Treffer aus den anderen Stadien auf. Zwanzig Minuten vor Schluss bekam Werder dann die Quittung für seine Überheblichkeit und schenkte Lautern einen sensationellen Auswärtssieg.

Neben Andi Reinkes Verletzung hatten zwei Fragen die Stunden vor dem Spiel beherrscht: Spielt Tim Wiese in rosa? Und wie übel wird Werder den Letzten verdreschen? Dass der Gegner aber nicht gedemütigt werden würde, war alsbald zu spüren. Beachtliche Mühe hatten die Bremer, den tief stehenden Gästen ihr Kombinationsspiel aufzudrücken. Das aber lag weniger an den Roten Teufeln als am biederen und phlegmatischen Bemühen, mit dem Werder möglichst billig zum Torerfolg kommen wollte. Naldos Latten-Freistoß aus 30 Metern war zwar schön anzusehen (13.), blieb aber auch Werders größte Tormöglichkeit im ersten Abschnitt. Kleine Chancen wie durch Fahrenhorst per Kopf (15./39.) oder auch Klasnic (17./45.) und Valdez (33.) gab es zuhauf, doch Werder hielt nicht nur das Tempo deutlich zu niedrig, sondern schien sich gar zu fein, höheren Aufwand für Tore gegen den Tabellenletzten zu betreiben. Dieser musste so gar nicht mehr tun, als einigermaßen aufmerksam die bewegungsfaule Werder-Offensive im Auge zu behalten. Lauterns größte Chance durch Engelhardt hätte sogar beinahe das 0:1 bedeutet, doch Wiese kam beeindruckend fix aus seinem Kasten gerannt und pflückte ihm die Kugel vom Fuß. Angesichts eines Eckballkontos von 7:0 und geschätzten Ballbesitzes von 80 Prozent hätte Bremen aber auch im Boden versinken müssen, wäre es mit einem Rückstand in die Pause gegangen.

Die Grün-Weißen blieben deutlich feldüberlegen, nur wollte nach wie vor kein echter Druck entstehen. Einen Klose zu vermissen, half nicht weiter, aber von Spielern wie Micoud und Borowski mochte man zumindest Ideen erwarten, um der wahrlich nicht überragenden Lauterer Defensive beizukommen. Rühmliche Ausnahme war Torsten Frings, der überall zu finden war und Werders Mittelfeldmotor zumindest auf einem Zylinder laufen ließ. Insgesamt aber wurden Werders Chancen weniger. Nach schönem Zuspiel von Micoud stand Klasnic aussichtsreich vor Macho, verstolperte aber so kläglich (62.), dass Valdez kurz darauf Mitleid zeigte und noch haarsträubender vergab (66.). Als Tim Wiese, der sich tatsächlich für pink entschieden hatte, drei Minuten später den ersten Schuss im zweiten Durchgang abwehren musste, schmunzelte man noch über Lautern. Doch gleich danach passierte es wirklich. Sanogo legte hinaus auf den eingewechselten Halfar, der direkt zurück in die Mitte flankte, wo Sanogo ungedeckt ins lange Eck köpfen konnte (71.). Werder hatte die Geister gerufen und sie einfach hereingelassen. Allerdings waren noch fast 20 Minuten zu spielen und Bremen hatte weiter beste Chancen. Im Anschluss an Ecke Nummer 14 köpfte Owomoyela ins lange Eck und Erwin Skela klärte den Ball deutlich hinter der Linie. Schiri Kinhöfer aber ließ weiterspielen und gab Werder damit ein Alibi für den überheblichen Auftritt. Ein letzter Konter brachte die Entscheidung. Über den flinken Halfar kam der Ball zu Sanogo, der wie weiland Frank Mill statt ins leere Tore an den Pfosten schoss, doch Skela konnte zum 0:2 abstauben. Es war die verdiente Quittung für die Werderaner, die über 90 Minuten dem Ideal der Bayern nachgejagt hatten und ohne viel Aufwand drei Punkte einfahren wollten. Lautern kam zum Sieg wie die Jungfrau zum Kinde, doch immerhin waren sie schlau genug, das Bremer Geschenk anzunehmen.


Maik Großmann

Spielstatistik SV Werder Bremen - 1. FC Kaiserslautern

SV Werder Bremen

-

1. FC Kaiserslautern

0:2 (0:0)

Bundesliga 2005/2006, 21. Spieltag
11.02.2006, 15:30 Uhr
Weserstadion (Bremen), 36.200 Zuschauer
Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne)
Tore
0:1 Boubacar Sanogo 71. (Kopfball, Halfar)
0:2 Ervin Skela 88. (Rechtsschuss, Sanogo)
Wechsel Bremen
Daniel Jensen
für Tim Borowski
(5,0)
(61.)
Patrick Owomoyela
für Petri Pasanen
(5,0)
(65.)
Jerome Polenz
für Ivan Klasnic
(―)
(71.)
Wechsel K´lautern
Mihael Mikic
für Halil Altintop
(3,0)
(55.)
Sebastian Reinert
für Balazs Borbely
(3,0)
(63.)
Daniel Halfar
für Ferydoon Zandi
(―)
(67.)
Karten Bremen
keine
Karten K´lautern
Gelb für Balazs Borbely
Gelb für Mihael Mikic