Dortmunds erste Rückrundenniederlage war denkbar unnötig. Nach klarer Überlegenheit der Bremer in den Anfangsminuten übernahm der BVB die Initiative und erspielte sich eine Fülle von Torchancen. Doch zwei Faktoren retteten Werders schmeichelhaften Sieg: Dortmunds Unvermögen und eine zuverlässige Abseitsfalle.
Für Miro Klose war das Spiel zu früh gekommen, dafür konnte Thomas Schaaf doch noch auf Ivan Klasnic bauen, der wegen einer Erkältung auszufallen gedroht hatte. Bert van Marwijk brachte Kringe für Sahin und schickte ansonsten die gleiche Elf wie gegen Köln auf den Platz. Die hatte allerdings zunächst große Probleme, dem ersten Bremer Angriffsschwall schadlos zu entkommen. Nach zwölf Minuten hatte Werder schon drei Chancen vergeben, die beste durch Nelson Valdez, der Brzenska wenige Meter vor Weidenfeller den Ball stibitzen konnte. Doch sein Lupfer senkte sich nur aufs Tornetz (12.). Die Grün-Weißen waren deutlich engagierter als im Heimspiel gegen Kaiserslautern. Ein frühes Torschussverhältnis von 9:0 war aber doch nur brotlose Kunst, als Dortmund plötzlich das Ruder herumriss und zu besten Tormöglichkeiten kam. Wiese und Fahrenhorst konnten zweimal nur knapp retten (25./28.), beim Schuss von Kringe bewahrte Werder nur der Außenpfosten vor dem Rückstand (37.). Ausgerechnet in dieser Phase fiel dann das 1:0 für die Gäste. Owomoyela trieb das Leder weit in die Dortmunder Hälfte, spielte zu Valdez, dessen Stockfehler Klasnic freie Schussbahn eröffnete (37.).
Nach dem Wechsel kam Dortmund verstärkt über die Flügel vors Bremer Tor, wo Dede und vor allem Odonkor um Längen stärker waren als Owomoyela und Schulz. Werders gefährlichste Waffe war nun die Abseitsfalle, die Dortmunds Angriffen immer wieder den Wind aus den Segeln nahm und die Stürmer sichtlich zermürbte. Mitunter aber versagte Werders Abwehrverstand und der BVB war frei durch. Riesenglück etwa für Werder, als Smolarek von Odonkor bedient wurde und trotz aller Zeit der Welt nur den Pfosten traf (63.). Im Gegenzug allerdings vergab Valdez Bremens beste Kontermöglichkeit erschreckend leichtfertig. Werder griff danach gar nicht mehr an und zitterte sich über die Zeit. Vor allem über Odonkor blieb Dortmund bis zum Schluss gefährlich, doch entweder fehlte die letzte Präzision im Abspiel oder der starke Fahrenhorst bekam eines seiner langen Beine noch an den Ball. Außerdem schnappte Werders Abseitsfalle rekordverdächtig zu. Unterm Strich stand ein glücklicher Bremer Sieg, den Dortmund selbst durch ungenügende Chancenverwertung ermöglichte. Zumindest ein Unentschieden war absolut machbar.
Maik Großmann