Bundesliga

Spieltag

Spielbericht Eintracht Frankfurt - VfL Wolfsburg

Jentzsch rettete Wolfsburg

Hände wie Schaufelräder: Simon JentzschHände wie Schaufelräder: Simon Jentzsch

Es ist eine alte Fußballweisheit, dass Chancen, die man vorne nicht nutzt, hinten zu Toren werden. Fast hätte sich die Frankfurter Eintracht gegen Wolfsburg dieser Weisheit fügen müssen, doch Amanatidis rettete engagierten Hessen zumindest einen Punkt.

26 Zähler hatten beide Teams vor dem 24. Spieltag auf dem Konto. Und richtig glücklich war man damit weder in Hessen noch in Niedersachsen, bedeutete die magere Ausbeute doch vor allen Dingen eine Orientierung hin zum Kampf um den Klassenerhalt. Frankfurt ging mit der Bürde von zuletzt drei Niederlagen in Folge in die Partie, Wolfsburg bestätigte im Verlauf der Saison erneut seinen Ruf als miserables Auswärtsteam. Entsprechend gering dürfte die Erwartungshaltung der 26000 Zuschauer in der Frankfurter Commerzbank-Arena gewesen sein. Doch nur ein Team bestätigte von Beginn an die Tendenzen der letzten Wochen: Der VfL Wolfsburg ­ ohne Engagement spielten die Niedersachsen, Augenthalers Truppe agierte nervös und verlegte sich im Prinzip von Beginn an aufs Kontern. Frankfurt hingegen ging selbstbewusst in die Partie und präsentierte sich angenehm offensiv. Nach 14 Minuten herrschte erstmals akuter Bewegungsalarm für Wolfsburgs Keeper Simon Jentzsch. Copado drosch einen Freistoß erst in die Wolfsburger Mauer und scheiterte dann mit dem Nachschuss an den langen Fingern von Jentzsch. Frankfurt spielte sich jetzt regelmäßig Chancen heraus, Wolfsburg zog sich immer weiter zurück. Fast hätte Hofland nach einer Flanke von Ochs über links den Ball im eigenen Tor versenkt, doch der missglückte Kopfball des Wolfsburgers prallte an die Latte. Jentzsch rückte mehr und mehr in den Mittelpunkt des Geschehens. Gegen Preuß (26.) und Amanatidis (32.) war er auf dem Posten, in der 33. Minute parierte er zudem einen Schuss von Copado nach zu kurzer Abwehr von Quiroga. Während die wenig effektive Zielfähigkeit der Frankfurter das Publikum zur Verzweiflung trieb, hatten die Niedersachsen auch weiterhin keinerlei gefährliche Aktionen. Zur Halbzeit hätte die Eintracht locker und leicht in Führung liegen können, Wolfsburg war bis dahin lediglich in Person des bärenstarken Jentzsch aufgefallen.

Auch wenn die Niedersachsen nach der Pause zunächst konzentrierter aufspielten, stürmte Frankfurt weiter nach vorne. Bis zu ersten guten Gelegenheit vergingen einige Minuten, in der 57. reagierte Jentzsch nach Schuss von Amanatidis aus 20 Metern und sicherte sich den Ball im rechten Eck. Kurz darauf allerdings sendeten die Wölfe ein erstes Lebenszeichen. Hanke und Klimowicz kombinierten ansehnlich durch das halbe Mittelfeld, Nikolov konnte jedoch gegen den allein vor ihm auftauchenden Klimowicz klären ­ doch die erste kleine Wolke am bis dahin so heiteren Frankfurter Offensivhimmel entwickelte sich binnen Sekunden zum Unwetter. Hanke setzte mit beeindruckender Wucht aus fast 30 Metern einen indirekten Freistoß aus halblinker Position zum 1:0 in die Maschen (58.) ­ der Rückstand war dem Spielverlauf zwar nicht angemessen, den Frankfurtern jedoch wegen ihrer tatsächlich mangelhaften Chancenverwertung durchaus anzukreiden. Mangelhaft jedoch war die Reaktion der Eintracht auf den Gegentreffer nicht. Weiter ging es nach vorne, mit dem Unterschied allerdings, dass auch die Gäste aus Niedersachsen jetzt bisweilen vorne mitmischten. In der 65. Minute war dann selbst eine starke Parade von Jentzsch nicht mehr genug. Der Keeper wusste einen Rehmer-Kopfball nach Cha-Flanke noch zu entschärfen, den Abstauber von Amanatidis zum 1:1 allerdings bekam er nicht mehr zu packen. Anschließend wussten auf beiden Seiten Copado und Quiroga Freistoßgelegenheiten nicht zu nutzen ­ in den letzten Minuten erhöhte die Eintracht nochmals den Druck, wirkte dabei aber nicht mehr so konstruktiv wie im bisherigen Verlauf der Partie. In der 87. Minute bot sich dann sogar noch eine gute Gelegenheit für Wolfsburg, doch Klimowiczs Schuss ging über den Kasten von Nikolov. Letztlich hätte sich Frankfurt gegen lange Zeit zahnlose Wölfe durchaus drei Punkte sichern können. Ähnlich sah das auch Frankfurts Rehmer: "Das ist natürlich ärgerlich, weil wir uns vor allem in der ersten Hälfte viele Chancen erarbeitet haben. Aber immerhin haben wir nach dem Rückstand Moral bewiesen und sind zurückgekommen. Und natürlich wollten wir auch dann das Spiel noch gewinnen." Das allerdings wäre Simon Jentzsch gegenüber reichlich ungerecht gewesen. Denn wenn auch ein Punkt beiden Mannschaften nicht wirklich weiterhalf, war allein die starke Leistung des Wolfsburger Keepers die Punkteteilung in einem über weite Strecken ansehnlichen Spiel wert.

Jan-Christoph Poppe

Spielstatistik Eintracht Frankfurt - VfL Wolfsburg

Eintracht Frankfurt

-

VfL Wolfsburg

1:1 (0:0)

Bundesliga 2005/2006, 24. Spieltag
05.03.2006, 17:30 Uhr
Commerzbank-Arena (Frankfurt), 26.000 Zuschauer
Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne)
Tore
0:1 Mike Hanke 58. (Freistoß)
1:1 Ioannis Amanatidis 65. (Linksschuss, Rehmer)
Wechsel Frankfurt
Du-Ri Cha
für Jermaine Jones
(3,0)
(63.)
Christopher Reinhard
für Benjamin Köhler
(―)
(77.)
Benjamin Huggel
für Alexander Meier
(―)
(90.)
Wechsel Wolfsburg
Christopher Lamprecht
für Bojan Neziri
(4,0)
(52.)
Pablo Thiam
für Alex
(―)
(76.)
Rick Hoogendorp
für Diego Fernando Klimowicz
(―)
(89.)
Karten Frankfurt
Gelb für Patrick Ochs
Gelb für Chris
Gelb für Ioannis Amanatidis