Bundesliga

Spieltag

Spielbericht SV Werder Bremen - Hertha BSC

Werder war eine leichte Beute

Nutzte Wieses Patzer zur Hertha-Führung: Kevin BoatengNutzte Wieses Patzer zur Hertha-Führung: Kevin Boateng

Hertha schien nach Werders bitterem Ausscheiden in Turin der ideale Aufbaugegner zu sein, hatten die Berliner doch seit 13 Spielen nicht mehr gewinnen können. Doch Bremen fand zu keiner Zeit in die Partie und zeigte sich in einem erbärmlichen Zustand. So waren es die Berliner, die an Werder gesunden konnten und einen unverhofften Auswärtssieg davontrugen.

An Zuspruch von den Rängen fehlte es den Grün-Weißen nicht. Die 40000 Anhänger wollten den Tiefschlag von Turin schnell verdaut sehen, vor allem Tim Wiese sprangen unzählige rosa Plakate ins Auge. Dorthin wäre fast auch Bremens erster Abspielfehler gegangen. Pantelic bekam auf der linken Seite den Ball serviert und spielte diagonal zu Marcelinho. Schulz rutschte daneben, und der Brasilianer musste nur noch das leere Tor anvisieren, doch er setzte die Kugel an den Pfosten (3.). Hertha bekam einen anderen Gegner vorgesetzt als erwartet. Werder war ungemein passiv und überhaupt nicht in Bewegung; es wirkte, als seien die Spieler im Rasen festgewachsen. So hatten die Gäste wenig Mühe, den Bremern billige Bälle abzujagen und die fahrige Abwehr zu überrumpeln. Zwei weitere Male vergaben die Hauptstädter das fällige 0:1, als Pantelic am aufmerksamen Wiese scheiterte (12./16.). Wenig später war es dann der Schiedsrichter, der Herthas Führung vereitelte. Tim Wiese fuhr Marcelinho in die Parade, nachdem dieser am Elfmeterpunkt frei gespielt worden war, doch der Pfiff von Helmut Fleischer blieb aus. Eine ähnliche Szene hatte es schon im Hinspiel gegeben; auch dort war den Berlinern ein klarer Strafstoß verwehrt worden. Diesmal allerdings konnte Werder daraus kein Kapital schlagen. Außer zwei Distanzschüssen von Klasnic und Jensen brachten die Hausherren nichts mehr zustande. Mit viel Glück retteten sie ein 0:0 in die Halbzeit.

Danach schien es, als hätte Werder sich etwas gefangen. Aus 22 Metern nagelte Ivan Klasnic das Leder an die Latte, und Klose köpfte den Abpraller ins Tor. Doch der Treffer zählte nicht, weil der Nationalstürmer wie weiland Rudi Völler gegen Bulgarien beim Metalltreffer im Abseits gestanden hatte (49.). Ausgerechnet als Werder sich gerade zu fangen schien, ging Hertha dann doch in Führung. Marcelinho schlug eine Freistoßflanke in den Strafraum und fand den Kopf von Boateng. Wiese kam herausgeeilt und griff daneben ­ 1:0 für die Gäste (54.). Werders Antwort war ein gefährlicher Kopfball von Vranjes, den Fiedler glänzend parierte (59.). Um den Rückstand wegzustecken, war Werder allerdings nicht gefestigt genug. Haarsträubende Fehler reihten sich aneinander, ein Spielfluss war überhaupt nicht mehr herzustellen; es wirkte, als hätten die Bremer noch nie miteinander zu tun gehabt. Als die Fehlpassquote schon bei gefühlten 100 Prozent lag, schnürte Hertha endlich den Sack zu. Mit drei Mann stürmten die Gäste auf Wiese zu, nachdem ihnen irgendjemand im Mittelfeld einfach den Ball überlassen hatte. Chahed legte quer auf Marcelinho, der seine schwache Leistung mit einem Tor kaschieren konnte (76.). Die Entscheidung war gefallen, aber Werder hatte noch ein Gegentor verdient. Diesmal war es Bastürk, der allein durch war, Wiese umspielte und das 0:3 besorgte (83.). Noch nie war es so einfach gewesen, in Bremen zu gewinnen. Auch in der Höhe war der Sieg deshalb verdient ­ aber nicht, weil Hertha so stark, sondern weil Werder so erschreckend schwach war.

Maik Großmann

Spielstatistik SV Werder Bremen - Hertha BSC

SV Werder Bremen

-

Hertha BSC

0:3 (0:0)

Bundesliga 2005/2006, 25. Spieltag
11.03.2006, 15:30 Uhr
Weserstadion (Bremen), 37.700 Zuschauer
Schiedsrichter: Dr. Helmut Fleischer (Ulm)
Tore
0:1 Kevin-Prince Boateng 54. (Kopfball, Marcelinho)
0:2 Marcelinho 76. (Rechtsschuss, Chahed)
0:3 Yildiray Bastürk 83. (Rechtsschuss, Fathi)
Wechsel Bremen
Jurica Vranjes
für Johan Micoud
(5,5)
(40.)
Nelson Valdez
für Patrick Owomoyela
(5,0)
(63.)
Leon Andreasen
für Daniel Jensen
(―)
(82.)
Wechsel Hertha BSC
Vaclav Sverkos
für Marko Pantelic
(―)
(77.)
Andreas Neuendorf
für Marcelinho
(―)
(84.)
Ellery Cairo
für Yildiray Bastürk
(―)
(90.)
Karten Bremen
Gelb für Torsten Frings
Gelb für Tim Borowski
Karten Hertha BSC
Gelb für Yildiray Bastürk
Gelb für Arne Friedrich
Gelb für Oliver Schröder
Gelb für Vaclav Sverkos
Gelb für Andreas Neuendorf