Bundesliga

Spieltag

Spielbericht Hamburger SV - 1. FC Kaiserslautern

Wintersport in der AOL-Arena

Nicht gerade von der Fortuna umgarnt: Fabian SchönheimNicht gerade von der Fortuna umgarnt: Fabian Schönheim

Außergewöhnliche Umstände erforderten auch in Hamburg außergewöhnliche Maßnahmen. Vom Dach der AOL-Arena segelten vor Spielbeginn in schöner Regelmäßigkeit Schneemassen in den Innenraum. Um das Dach zu räumen, setzte der HSV Hubschrauber und Sondertrupps der Feuerwehr ein. Erst als die akute Lawinengefahr im Stadion gebannt war, gab Schiedsrichter Wack grünes Licht. Das Spiel begann mit 75 Minuten Verspätung.

Die 42.000 Zuschauer, die aus Sicherheitsgründen lange vor der Arena ausharren mussten, sahen allerdings eine Partie, deren Unterhaltungswert anfangs in den Schneemassen verloren gegangen schien. Kaiserslautern war darauf bedacht, den HSV nicht großartig ins Spiel kommen zu lassen. In den ersten Minuten gelang der Elf von Wolfgang Wolf das auch hervorragend. Erste Aktion des HSV war ein Schuss von van der Vaart aus 17 Metern. Fromlowitz im Lauterer Kasten hatte damit allerdings keine Probleme (14.). In der 23. Minute drohte schon mehr Gefahr, doch Barbarez' Schuss aus acht Metern wehrte Hertzsch auf der Linie ab. Hamburg war offensiv deutlich die aktivere Mannschaft; die Pfälzer blieben dagegen nach vorne absolut harmlos. Nach einer knappen halben Stunde schien van der Vaart vom gemütlichen Winterspaziergang durch die AOL-Arena genug zu haben und drehte auf. Sein Freistoß von der rechten Strafraumseite segelte allerdings rechts am Tor vorbei. Auch die schöne Flanke von links auf Barbarez brachte nicht den gewünschten Erfolg. Der Bosnier schoss die Vorlage so hoch übers Tor, dass der Ball womöglich noch zum Lawinenräumen auf dem Dach genutzt werden konnte. Letzte bemerkenswerte Aktion des bemühten HSV vor der Pause war ein Schuss von Atouba. Fromlowitz konnte das 30-Meter-Geschoss allerdings über die Latte lenken (44.). Trotz deutlicher Überlegenheit der Mannschaft von Trainer Thomas Doll gingen die Teams mit dem 0:0 in die Halbzeitpause.

Mit Lauth und Demel für Takahara und Wicky ging der HSV in die zweite Hälfte und erhöhte gleich den Druck auf die massive Lauterer Abwehr. Dolls Einwechslungen sollten sich bezahlt machen, denn in der 55. Minute konnte die Hamburger Angriffslawine das Winterbollwerk der Pfälzer erstmals überwinden. Van der Vaarts Eckball verlängerte Demel vor den Kasten von Fromlowitz. Lauth musste nur noch zum 1:0 einnetzen. Und nur sechs Minuten später war es wieder eine scharfe Hereingabe des agilen Holländers, die das 2:0 einleitete. Barbarez verpasste die Flanke von rechts zwar, Schönheim jedoch erwischte den Ball ­ und köpfte ihn unglücklich ins eigene Tor. Nach der sicheren Führung zogen sich die Hanseaten zurück und lauerten auf Konter. Für diesen Zweck kam beim HSV der von seinem Kieferbruch genesene Ailton ins Spiel, der Brasilianer ersetzte Barbarez (72.). Kaiserslautern fügte sich in sein Schicksal. Sinnbildlich dafür auch die nur leisen Proteste gegen den unberechtigten Elfmeter, den Schiedsrichter Wack in der 86. Minute gab: Schönheim verhielt sich im Zweikampf gegen Jarolim eigentlich regelgerecht. Den trotzdem verhängten Strafstoß verwandelte van der Vaart sicher zum 3:0 ins rechte Eck. Der überragende Holländer gab sich nach dem Spiel auch optimistisch, die unter der Woche erlittene Uefa-Pokal-Schlappe gegen Bukarest noch wieder wettmachen zu können: "Das war ein richtig gutes Spiel. Wenn wir gegen Bukarest so spielen wie heute in der zweiten Halbzeit, haben wir eine gute Chance." Mit dem Erfolg machte Hamburg den Nachbarn aus Bremen endgültig zum großen Verlierer des Wochenendes. Der HSV zog an Werder vorbei auf Platz zwei. Kaiserslautern hingegen musste nach der Erfolgsserie der letzten Wochen einen Dämpfer im Abstiegskampf verkraften. Aufgrund der mangelhaften Offensivleistung der Pfälzer war die Schlappe allerdings mehr als verdient.

Jan-Christoph Poppe

Spielstatistik Hamburger SV - 1. FC Kaiserslautern

Hamburger SV

-

1. FC Kaiserslautern

3:0 (0:0)

Bundesliga 2005/2006, 25. Spieltag
12.03.2006, 18:45 Uhr
AOL Arena (Hamburg), 44.600 Zuschauer
Schiedsrichter: Dr. Franz-Xaver Wack (Biberbach)
Tore
1:0 Benjamin Lauth 55. (Kopfball, Demel)
2:0 Fabian Schönheim 61. (Eigentor, van der Vaart)
3:0 Rafael van der Vaart 86. (Foulelfmeter, Schönheim an Jarolim)
Wechsel Hamburg
Guy Demel
für Raphael Wicky
(3,0)
(46.)
Benjamin Lauth
für Naohiro Takahara
(3,0)
(46.)
Ailton
für Sergej Barbarez
(―)
(72.)
Wechsel K´lautern
Daniel Halfar
für Halil Altintop
(4,0)
(62.)
Axel Bellinghausen
für Balazs Borbely
(4,0)
(62.)
Mihael Mikic
für Jon Inge Höiland
(―)
(76.)