Bundesliga

Spieltag

Spielbericht SV Werder Bremen - VfB Stuttgart

Aufsteigende Tendenz beim VfB

Herausragender Rückhalt des VfB: Timo HildebrandHerausragender Rückhalt des VfB: Timo Hildebrand

Ein Duell auf Augenhöhe im Weserstadion. Bremen sehr bemüht nach vorn, aber wie so oft mit ausbaufähiger Chancenverwertung. Die Schwaben ließen sich Werders Spiel nicht aufzwingen, spielten mitunter schlau nach vorn und verdienten sich einen Punkt durch stark verbesserte Grundtugenden.

Die erste Hälfte hatte große Schwierigkeiten, interessant zu werden. Stuttgart wieder mit Stranzl sowie dem zuletzt verschmähten Soldo und dadurch auf Anhieb merklich kompakter als gegen Köln. Bremen dagegen musste nicht nur den Ausfall des Mittelfeldhirns Micoud verschmerzen, sondern auch ohne Pasanen auskommen, der durch den jungen Andreasen ersetzt wurde. So musste sich der Tabellenzweite erst finden, bevor Räume für leichtfüßiges Spiel entstanden. Stuttgart allerdings war durchaus bemüht, das gegnerische Tor zu erreichen und die Abstimmungsmängel in der Bremer Abwehr zu nutzen. Nach einem Freistoß vom linken Flügel hatte Babbel nicht nur die erste Chance des Spiels, sondern auch gleich ein ganz dickes Ding auf dem Kopf. Aus sechs Metern drückte er das Leder knapp vorbei (15.). Werder fiel noch nicht viel ein, hatte es schwer, sich ein Übergewicht zu erarbeiten. Borowski, Klasnic und Frings versuchten es mit Distanzschüssen (22./25./32.), die aber allesamt zu harmlos blieben. Als sich die Augenlider schon langsam senkten, kam Werder doch noch mal. Erst bekam Borowski aus einem Gewühl den Ball vor die Füße, semmelte aber aus fünf Metern kläglich drüber (38.). Der nächste Werder-Angriff spülte das Leder halbhoch in die Mitte, wo Klose wartete, aber genau auf Hildebrand spitzelte. Dann Einwurf für die Gastgeber. Von Schulz flog der Ball weit in den Strafraum, durfte unberührt auftrumpfen und zu Klasnic gelangen. Der schraubte sich deutlich höher als vier Abwehrspieler und konnte unbedrängt vorbei am verdutzten Hildebrand in den Giebel köpfen (40.). Plötzlich war Dampf in der Begegnung. Nach feinem Pass von Jensen tauchte Klose frei vor Hildebrand auf, aber der konnte sich dazwischen werfen. Nur der Halbzeitpfiff konnte die ad hoc aufgekommene Bremer Spielfreude jetzt bremsen.

Die zweite Hälfte brauchte keine Anlaufzeit. Stuttgart gab gleich richtig Gas und eroberte sich Ball um Ball. Als Baumann im Mittelfeld vertändelte, genügte ein schlauer Pass in die Tiefe, um Werders Abwehr zu entblößen. Tomasson drang von rechts in den Sechzehner ein, legte sich den Ball noch bedacht auf links und netzte eiskalt aus acht Metern ins lange Eck ein (50.). Daran hatte Werder zu knuspern und mühte sich auffallend, das Spiel in dieser Phase nicht aus der Hand zu geben. Wenig später war es wieder Tomasson, der klug mit dem Kopf auf den eingewechselten Gomez legte. Doch Reinke hielt (57.). Dann mal wieder Werder. Eine sehr hübsche Kombination brachte das Leder zu Klose, doch aus zehn Metern konnte er Hildebrand nicht überwinden (60.). Die Partie war jetzt ungemein flott, fast jeder Spielzug gebar eine Torchance. In der 63. Minute holte Frings eine Super-Flanke aus den Lenden, aber Baumann köpfte aus fünf Metern daneben. Auf der anderen Seite griff Reinke plötzlich ins Leere, Soldos Kopfball aber tropfte nur auf die Latte (67.). Fast im Gegenzug spielte der emsige Frings Klose frei, der passte exakt in eine winzige Lücke in der Mitte, aber wieder war es Baumann, der vergab (68.). Stuttgarts Antwort kam sofort. Grönkjaer spielte sich selbst frei, sein Schuss aus 18 Metern aber zu harmlos. Beide Mannschaften spielten nun voll auf Sieg und konnten den 40.000 im Weserstadion feinste Fußballkost bieten. Kaum zu glauben, nachdem sich die erste Halbzeit noch wie ein Käsefaden in die Länge gezogen hatte. Erwähnt sei noch ein Riesending von Klose, der wieder frei vor Hildebrand auftauchte, aber erneut nicht an ihm vorbeikam (72.). So war Werder dem Sieg am Ende näher als Stuttgart. Die Schwaben allerdings verdienten sich den Punkt durch hohe Laufbereitschaft, kluges Stellungsspiel und vor allem durch einen überragenden Hildebrand.

Maik Großmann (11FREUNDE-Redaktion)

Spielstatistik SV Werder Bremen - VfB Stuttgart

SV Werder Bremen

-

VfB Stuttgart

1:1 (1:0)

Bundesliga 2005/2006, 3. Spieltag
27.08.2005, 15:30 Uhr
38.400 Zuschauer
Schiedsrichter: Herbert Fandel (Kyllburg)
Tore
1:0 Ivan Klasnic 40. (Kopfball, Schulz)
1:1 Jon Dahl Tomasson 50. (Linksschuss, Stranzl)
Wechsel Bremen
Nelson Valdez
für Miroslav Klose
(―)
(78.)
Jelle Van Damme
für Christian Schulz
(―)
(78.)
Aaron Hunt
für Frank Baumann
(―)
(80.)
Karten Bremen
Gelb für Leon Andreasen
Gelb für Naldo
Karten VfB Stuttgart
Gelb für Timo Hildebrand
Gelb für Jesper Grönkjaer