Bundesliga

Spieltag

Spielbericht Hannover 96 - VfB Stuttgart

Unverhoffter Spaßfußball

Drei Gegentreffer, aber eine Klassepartie: Robert EnkeDrei Gegentreffer, aber eine Klassepartie: Robert Enke

Das Duell der Remiskönige versprach im Vorfeld alles andere als launigen Offensivfußball, doch genau das zeigten beide Teams dann tatsächlich und einigten sich nach einem rassigen Schlagabtausch auf ein gerechtes 3:3.

Peter Neururer war zuletzt mit seinen Stürmern nicht zufrieden gewesen und ließ einfach mal Thomas Brdaric auf der Bank. Auch Hashemian und Zuraw waren nicht dabei; Schröter, Delura und Vinicius rückten dafür in die Startelf. Gleich nach zwei Minuten wurden Neururers Maßnahmen bestätigt. Cherundolo flankte von der rechten Seite hoch in den Strafraum und fand den freien Hanno Balitsch. Von Soldo sträflich allein gelassen drückte Balitsch den Ball mit gestrecktem Bein über die Linie. Die Anfangsphase blieb prickelnd, denn im Gegenzug musste sich Enke mächtig lang machen, um Meißners Kopfball zu entschärfen (4.). Ohnehin spielte Stuttgart sehr gut mit und zeigte mehr als den ideenlosen Defensivfußball, den man zuletzt schon etwas über hatte. Wenig später kam Ljuboja zum Kopfstoß und scheiterte ebenfalls an Enke; dann das gleiche Schauspiel auf der anderen Seite mit den Darstellern Dabrowski und Hildebrand. Stuttgart nahm immer mehr das Heft in die Hand und erspielte sich Ballbesitzwerte von nahezu 70 Prozent. Überraschend aber machte auch das zweite Tor Hannover, als Delpierre einen leichten Ball verlor und Stajner eine Maßflanke von Schröter seelenruhig ins lange Eck köpfte ­ ein Bilderbuchkonter (33.). Der clevere Eindruck der Niedersachsen wurde dann mächtig überschattet, als Altin Lala, bereits gelbbelastet, völlig unnötig ein zweites Mal hinlangte und vom Platz flog (38.). Für den zweiten Durchgang durfte Stuttgart wieder hoffen.

Tatsächlich kamen die Gäste sehr entschlossen aus der Kabine, gleich zu zwei großen Chancen durch Tiffert und den eingewechselten Gomez (47./49.), aber Enke setzte sich heute ein Denkmal. Da brauchte es schon einen Sonntagsschuss, um Hannovers Schlussmann zu bezwingen. Es war Ljuboja, der aus 27 Metern abzog und genau in den Winkel traf, wunderhübsch anzusehen und absolut überfällig (52.). Das Spiel blieb hochklassig und nervenzehrend. Tomasson und Hitzelsperger hatten gerade den Ausgleich vergeben (64.), da stand Mertesacker nach einer Doppelecke goldrichtig und traf zum überraschenden 3:1 (67.). Damit war die Entscheidung aber längst nicht gefallen, denn Stuttgart zog es ungebremst nach vorn. Einmal mehr fand Ljuboja zunächst in Enke seinen Meister (72.), bevor es dann wieder ein Sonntagsschuss war, der den VfB zurück ins Spiel brachte. Diesmal hatte Hitzelsperger aus 25 Metern abgezogen (77.). Hannover kam ins Schwimmen und hielt dem Dauerdruck nicht lange Stand. Nur fünf Minuten später konnte Tomasson eine scharfe Ljuboja-Hereingabe über die Linie drücken und das 3:3 markieren. Das Unentschieden fühlte sich für Hannover unglücklich an, doch Stuttgart verdiente sich den Punkt mit seinem rastlosen und erfrischenden Offensivspiel. Der Platzverweis gegen Lala hatte den Schwaben außerdem bestens in die Karten gespielt.

Maik Großmann

Spielstatistik Hannover 96 - VfB Stuttgart

Hannover 96

-

VfB Stuttgart

3:3 (2:0)

Bundesliga 2005/2006, 30. Spieltag
16.04.2006, 17:30 Uhr
AWD-Arena (Hannover), 36.300 Zuschauer
Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München)
Tore
1:0 Hanno Balitsch 2. (Rechtsschuss, Cherundolo)
2:0 Jirí Stajner 33. (Kopfball, Schröter)
2:1 Danijel Ljuboja 52. (Linksschuss, Gomez)
3:1 Per Mertesacker 67. (Kopfball, Stajner)
3:2 Thomas Hitzlsperger 77. (Rechtsschuss, Grönkjaer)
3:3 Jon Dahl Tomasson 82. (Rechtsschuss, Ljuboja)
Wechsel Hannover
Chavdar Yankov
für Michael Delura
(3,0)
(62.)
Jonas Troest
für Silvio Schröter
(―)
(72.)
Daniel Stendel
für Jirí Stajner
(―)
(81.)
Wechsel VfB Stuttgart
Mario Gomez
für Ludovic Magnin
(3,5)
(46.)
Cacau
für Christian Tiffert
(―)
(68.)
Heiko Gerber
für Jesper Grönkjaer
(―)
(89.)
Karten Hannover
Gelb-Rot für Altin Lala (37.)