Bundesliga

Spieltag

Spielbericht Hertha BSC - Hamburger SV

Sicher war gar nichts

Half seinem Team mit einem Platzverweis: Andreas NeuendorfHalf seinem Team mit einem Platzverweis: Andreas Neuendorf

Herthas Ambitionen waren zuletzt arg geschrumpft, aber zumindest den UI-Cup-Platz wollte man mit einem Sieg noch erreichen. Für den HSV ging es um Höheres, doch auch gegen lange Zeit nur zehn Berliner konnte Platz zwei nicht zementiert werden. Dabei hatten die Gäste zweimal geführt.

Gut 74.000 waren ins Olympiastadion gekommen und wollten eine verkorkste Berliner Saison gerettet sehen. Zunächst sah es nicht danach aus, denn Hamburg ging gleich mit seiner ersten Chance in Führung. Fast 30 Meter vor dem Tor tippte Atouba einen Freistoß zu Trochowski, und mit einer unglaublichen Klebe haute der Nationalspieler den Ball an der Mauer vorbei ins Eck; Fiedler sah dabei nicht gut aus (10.). Kurzzeitig sorgte man sich um Herthas Nervenkostüm, doch ungewohnt kaltschnäuzig schlugen die Gastgeber direkt zurück. Marcelinho konnte sich gegen drei Hamburger behaupten und legte ab zu Neuendorf. Aus 17 Metern zog der ab und traf an Mahdavikia vorbei ins Tor (13.). Auch die Berliner Freude war allerdings kurz. Gerade als die Blauen etwas Ruhe ins Spiel bringen wollten, spielte Gilberto einen haarsträubenden Fehlpass in die Füße von Lauth, der dadurch allein vor Fiedler stand und ihn mühelos überwinden konnte (18.). Die Hauptstadt-Stadion-Touristen hatten große Freude an dieser Partie. Zunächst war Hamburg wieder spielbestimmend und vergab durch Barbarez und Ailton eine höhere Führung. Dann wiederum riss Hertha das Ruder rum und war durch Marcelinho zwei Mal nah am Ausgleich (36./40.). Vier Minuten vor dem Wechsel traf Pantelic sogar den Pfosten.

Gleich nach Wiederbeginn traf dann Barbarez an die Latte und leitete eine erneute Drangphase der Gäste ein. Verlassen konnte man sich aber auf gar nichts, denn Herthas erste Chance brachte den Ausgleich, als Madlung eine Marcelinho-Flanke Hertha-typisch in den Giebel köpfte (56.). Natürlich war auch das nicht das Ende vom Lied, denn wenig später sah Neuendorf die Ampelkarte, weil er sich zu einer schäbigen Schwalbe hinreißen ließ und bereits verwarnt war (59.). Tatsächlich aber gab das den Gastgebern einen weiteren Schub, denn mehr als je zuvor hingen sich die Berliner jetzt rein und drängten Hamburg in die Defensive. Identisch zum Ausgleich leitete Marcelinho das 3:2 ein, indem er Niko Kovac maßgerecht auf den Schädel flankte (69.). Drei Minuten später scheiterte Gilberto an Kirschstein, und Pantelic staubte sogar zum 4:2 ab. Einmal noch bäumten sich die Gäste auf und hätten beinahe im Gegenzug das Anschlusstor erzielt. Doch nachdem Fiedler sich todesmutig vor Lauth geworfen hatte, hakte der HSV das Spiel ab und ließ es frustriert zu Ende laufen. Damit müssen die Hanseaten bis zum letzten Spieltag um den zweiten Platz bangen, wenn Bremen zum direkten Duell nach Hamburg kommt. Hertha verabschiedete sich ehrenhaft von seinem Publikum. Mit dieser Moral hätte es auch mehr sein dürfen als der nun sichere UI-Cup.

Maik Großmann

Die Spielstatistik Hertha BSC - Hamburger SV

Hertha BSC

-

Hamburger SV

4:2 (1:2)

Bundesliga 2005/2006, 33. Spieltag
06.05.2006, 15:30 Uhr
Olympiastadion (Berlin), 74.200 Zuschauer
Schiedsrichter: Wolfgang Stark (Ergolding)
Tore
0:1 Piotr Trochowski 10. (Freistoß)
1:1 Andreas Neuendorf 13. (Linksschuss, Marcelinho)
1:2 Benjamin Lauth 18. (Linksschuss)
2:2 Alexander Madlung 56. (Kopfball, Marcelinho)
3:2 Niko Kovac 69. (Kopfball, Marcelinho)
4:2 Marko Pantelic 72. (Rechtsschuss, Gilberto)
Wechsel Hertha BSC
Sofian Chahed
für Ellery Cairo
(3,0)
(63.)
Pal Dardai
für Marcelinho
(―)
(78.)
Oliver Schröder
für Kevin-Prince Boateng
(―)
(87.)
Karten Hertha BSC
Gelb-Rot für Andreas Neuendorf (59.)
Gelb für Alexander Madlung
Gelb für Marcelinho
Karten Hamburg
Gelb für Guy Demel
Gelb für Sergej Barbarez