Bundesliga

Spieltag

Spielbericht SV Werder Bremen - Borussia Dortmund

Bester Saisonstart Werders perfekt

Schoss den kuriosen Siegtreffer: Johan MicoudSchoss den kuriosen Siegtreffer: Johan Micoud

Eine aufreibende Begegnung im Weserstadion. Bremen musste viel Aufwand betreiben, um die drei Punkte zu behalten, versiebte dabei Chancen für drei Spiele. Odonkor und Smolarek blieben neben mannschaftlicher Geschlossenheit Dortmunds einzige Waffen. Als die Kräfte nachließen, wurde der Mangel an personellen Alternativen offenkundig.

Beide Teams hatten Stammpersonal zu ersetzen. Während sich Werders Pasanen kurzfristig mit Kopfschmerzen abmeldete, zwickte es dem Dortmunder Koller an der Rosette. Er saß zunächst nur auf der Bank. Bremen fand schwer in die Partie, suchte in der Anfangsphase vergeblich nach dem beherzten Offensivspiel, das unter der Woche den FC Barcelona in manche Verlegenheit gebracht hatte. Dortmund verspürte Auftrieb aus dem Heimsieg gegen Köln, stand in der Defensive recht kompakt und suchte immer wieder den pfeilschnellen Odonkor auf dem rechten Flügel. Schon in der zweiten Spielminute hätte dieses Mittel beinahe gewirkt, als Odonkor sich mühelos von Schulz lösen konnte. Plötzlich stand er allein vor Reinke, scheiterte aber am Bremer Schlussmann. Werder startete manch schnellen Angriff, sah sich aber auch ruckartig Dortmunder Kontern ausgesetzt. So auch in der achten Minute, als sich abermals Odonkor über rechts durchtankte und von der Grundlinie auf den sträflich freien Smolarek legen konnte. Der hatte keine Mühe, Dortmund aus sechs Metern in Führung zu bringen. Werder war irritiert, agierte ungeduldig im Spielaufbau und ließ sich zu vielen überharten Zweikämpfen hinreißen. Erst nachdem Micoud aus zehn Metern (23.) und dann Schulz von der Strafraumgrenze (25.) gut frei gespielt vergaben, sprang die Bremer Offensivmaschine langsam an. Klasnic fand nach einem Freistoß keine Lücke (32.), dann wurde Micoud ein Elfmeter verweigert (33.), und doch wäre Dortmund wenig später beinahe das 2:0 gelungen, als wieder Odonkor geschickt worden war, in der Mitte aber keinen Abnehmer fand (34.). Werder ließ sich nicht beirren, kombinierte sich immer munterer durch die Dortmunder Zentrale. Ein feiner Doppelpass mit Borowski ließ den Dänen Andreasen vor Weidenfeller auftauchen, doch ein Abwehrbein konnte noch auf der Linie retten. Kloses Nachschuss allerdings landete zum überfälligen Ausgleich im Netz (37.). Fast wäre es ein Doppelschlag geworden, als erst Borowski einen Freistoß an die Latte nagelte (39.), doch Dortmund konnte sich taumelnd in die Halbzeit retten.

Nach der Pause forderte Bremen wie schon im ersten Durchgang eine Aufwärmphase ein. Diesmal fand der BVB allerdings kein Mittel, das auszunutzen. Umso schöner dann der Führungstreffer für Werder, als Micoud 20 Meter vor dem Tor angespielt wurde und das Leder butterweich in den Strafraum hebelte, wo Klasnic plötzlich völlig frei stand und den Ball sogar noch hübscher über Weidenfeller hinweg in den Giebel löffelte (54.). Vergeblich wartete der Gast auf das Bremer Champions League-Loch, vielmehr waren es die Dortmunder, denen zunehmend die Kräfte schwanden. Frings, Klose und Klasnic (57./62./65.) hatten in dieser Phase allesamt schon die Entscheidung auf dem Fuß, zumal niemand bezweifelte, dass ein weiteres Bremer Tor die Borussia Matt setzen würde. Dortmund stemmte sich nicht gegen die drohende Niederlage. Wenn Werder einmal nicht angriff, passierte nichts auf dem Feld. Als Koller für Ricken eingewechselt wurde, machte die Frage die Runde, in welchem Loch sich dieser bis dato versteckt gehalten hatte. Doch es passierte, womit niemand rechnen konnte. Dede bolzte die Kugel in den Sechzehner, wo Koller höher stieg, als Reinkes Arme reichten. Der griff daneben und schenkte damit dem lauernden Smolarek den Ausgleich. Aus zehn Metern schob der Pole unbedrängt ein (69.). Bremen nahm den Ausgleich zur Kenntnis, legte den Hebel aber gleich wieder um. Andreasens Pfund aus 25 Metern ging noch knapp vorbei (77.), doch der nächste Angriff brachte den Sieg. Micoud bekam den Ball am linken Flügel serviert und spielte eine scharfe Hereingabe in den Strafraum. Weder ein Bremer noch ein Dortmunder Bein erreichte den Ball, stattdessen trudelte er langsam ins Netz (78.). Ein kurioses, aber überaus verdientes Tor für den Tabellenzweiten. In der Schlussminute fast noch der Ausgleich durch Kringe. Das aber wäre den Dortmundern wohl selbst etwas unangenehm gewesen. Nach großem Kraftakt feierte Bremen den besten Saisonstart der Vereinsgeschichte, den Dortmund aus Mangel an spielerischen Mitteln nicht verhindern konnte. Als der ersten Elf die Puste ausging, fehlte es eindeutig an personellen Alternativen, um sich gegen die Niederlage zu stemmen.

Maik Großmann

Spielstatistik SV Werder Bremen - Borussia Dortmund

SV Werder Bremen

-

Borussia Dortmund

3:2 (1:1)

Bundesliga 2005/2006, 5. Spieltag
17.09.2005, 15:30 Uhr
40.800 Zuschauer
Schiedsrichter: Dr. Franz-Xaver Wack (Biberbach)
Tore
0:1 Euzebiusz Smolarek 8. (Rechtsschuss, Odonkor)
1:1 Miroslav Klose 37. (Rechtsschuss)
2:1 Ivan Klasnic 53. (Linksschuss, Micoud)
2:2 Euzebiusz Smolarek 69. (Rechtsschuss, Koller)
3:2 Johan Micoud 78. (Rechtsschuss)
Wechsel Bremen
Daniel Jensen
für Tim Borowski
(―)
(75.)
Jurica Vranjes
für Ivan Klasnic
(―)
(83.)
Jelle Van Damme
für Christian Schulz
(―)
(87.)
Wechsel Dortmund
Jan Koller
für Lars Ricken
(3,0)
(55.)
Marc-André Kruska
für Tomas Rosicky
(―)
(75.)
Karten Bremen
Gelb für Christian Schulz
Karten Dortmund
Gelb für Christian Wörns