Bundesliga

Spieltag

Spielbericht SV Werder Bremen - 1. FC Nürnberg

Demütigung für bedauernswerten Club

Drei Treffer in Hälfte eins - aber kein Hattrick: Miroslav KloseDrei Treffer in Hälfte eins - aber kein Hattrick: Miroslav Klose

Ein Spiel mit Freizeitcharakter im Weserstadion. Munterer Betrieb mit vielen Torszenen, aber erschütternd schwachen Abwehrreihen. Werder streckenweise lustlos und launisch, vor allem in der Abwehr nachlässig, wäre von einem stärkeren Gegner bestraft worden. So reichte ein überragender Sturm erneut zum Sieg.

Bremen war schon im Vorfeld auf Sieg eingestellt, behandelte Nürnberg von Beginn an wie eine lästige Fliege. Und schon nach zwei Minuten schien das geplante Fußballfest zu steigen. Borowski wuselte sich am linken Flügel durch und passte in die Mitte. Klose, nach üblem Schnupfen wieder in der Startelf, hielt die Fußspitze rein und drückte das Leder ins Netz. Das wars aber erstmal von Werder. Nürnberg übernahm die Initiative und schien selbst verdutzt, wie viele Räume es in der Bremer Hälfte finden konnte. Sven Müller tankte sich links durch, ließ Schulz wie einen dummen Schuljungen aussehen und schoss aus 16 Metern aufs lange Eck: Aber knapp vorbei (9.). Dann wurde Kießling in der Mitte hübsch angeflankt, Naldo und Andreasen hatten ihn einfach ignoriert, aber der Jungspund traf den Ball nicht richtig (15.). Gleich danach aber der Ausgleich, um den Werder so gebettelt hatte. Lars Müller konnte seelenruhig flanken und fand exakt Kollegen Kießling, der nicht mal hochsteigen musste. Aus fünf Metern netzte er ein (16.). Vielleicht hätte Nürnberg sich jetzt einmauern sollen, stattdessen spielte sich Werder zurück in die Partie. Nach netter Stafette im Mittelfeld hebelte Micoud die Kugel auf Klose, der plötzlich ganz allein vor Schäfer stand und kalt in die rechte Ecke schoss (34.). Nürnberg holte kurz Luft und hatte gleich wieder einen drin. Langer Einwurf von links, Klasnic verlängerte mit dem Kopf und erneut spitzelte Klose den Ball aus kurzer Distanz in den Kasten (39.). Eine Halbzeitführung, die viel kaschierte.

Im zweiten Durchgang ging dann erstmal nichts. Werder schien andere Gegner im Kopf zu haben, wirkte erneut extrem lustlos, ließ das Spiel abschätzig dahinplätschern. So konnte sich Nürnberg etwas sammeln und griff bald noch mal an. Owomoyela ließ Sven Müller traumhaft vom linken Flügel flanken und Schroth in der Mitte bedienen. Der, mal wieder völlig frei, wuchtete das Leder unter die Latte (57.). Der Club schnüffelte kurz am Punktgewinn, aber dafür sollte es nicht langen. Stattdessen wurde es noch eine richtige Demütigung. Plötzlich stand Klasnic völlig frei vor Schäfer, umspielte ihn lässig und schob ein (66.). Klose hatte einen Bilderbuch-Pass gespielt. Eine Viertelstunde später fiel eine Kerze aus der Luft. Klasnic holte die Kugel runter, legte blitzschnell auf Valdez, der nicht weniger hübsch auf Borowski und wieder stand jemand völlig allein vor Schäfer. 5:2 durch den Nationalspieler (80.). Dann spielte Frings Katz und Maus mit der Abwehr, stolperte den Ball irgendwie in die Mitte auf Klasnic: Und Tor (85.). Werder gewann viel zu hoch gegen eine bedauernswerte Nürnberger Mannschaft. Gegen Lyon oder auch Bayern hätte diese Leistung allerdings nicht unbedingt zum Sieg gereicht.

Maik Großmann

Spielstatistik SV Werder Bremen - 1. FC Nürnberg

SV Werder Bremen

-

1. FC Nürnberg

6:2 (3:1)

Bundesliga 2005/2006, 9. Spieltag
15.10.2005, 15:30 Uhr
39.500 Zuschauer
Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)
Tore
1:0 Miroslav Klose 2. (Rechtsschuss, Borowski)
1:1 Stefan Kießling 16. (Kopfball, Müller)
2:1 Miroslav Klose 34. (Rechtsschuss, Micoud)
3:1 Miroslav Klose 39. (Rechtsschuss, Klasnic)
3:2 Markus Schroth 57. (Kopfball, Müller)
4:2 Ivan Klasnic 66. (Rechtsschuss, Frings)
5:2 Tim Borowski 80. (Rechtsschuss, Valdez)
6:2 Ivan Klasnic 85. (Linksschuss, Frings)
Wechsel Bremen
Nelson Valdez
für Miroslav Klose
(―)
(67.)
Frank Fahrenhorst
für Patrick Owomoyela
(―)
(73.)
Jurica Vranjes
für Tim Borowski
(―)
(81.)
Wechsel Nürnberg
Benjamin Lense
für Marek Nikl
(4,5)
(46.)
Robert Vittek
für Ivica Banovic
(―)
(67.)
Jawhar Mnari
für Jan Polak
(―)
(71.)