Bundesliga

Spieltag

Spielbericht VfB Stuttgart - 1. FC Nürnberg

Stuttgart ohne Seele und Moral

Alle Tore entstanden in seinem Kopf: Ivica BanovicAlle Tore entstanden in seinem Kopf: Ivica Banovic

Im Gottlieb-Daimler-Stadion ereignete sich die größte Überraschung des ersten Spieltages. Der VfB kam zwar runderneuert und neu ambitioniert auf den Rasen, doch es passte nichts zusammen. Als die taktisch klugen Gäste bald mit 2:0 führten, erschlafften den Schwaben alle Glieder, und die Heimpremiere geriet gar zum Debakel.

Thomas Hitzlsperger hatte große Mühe, die richtigen Worte zu finden. „So dürfen wir uns einfach in einem Heimspiel, nein, so dürfen wir uns in überhaupt keinem Bundesligaspiel präsentieren“, keuchte der Mittelfeldspieler. Die Fans sahen es wohl ähnlich und quittierten den ersten Saisonauftritt mit einem schmerzhaften Pfeifkonzert; eine große Spielzeit war den Schwaben wahrlich nicht zu bescheinigen. Stuttgarts Spiel war in vielerlei Hinsicht ein Duplikat der Vorsaison. Elend lange dauerte die Abtastphase, aus dem Mittelfeld wollte keine Torgefahr entstehen, weil die Anspiele zu ungenau waren. Der VfB hatte Mühe, das Spiel zu machen. Auch vor der Führung war Nürnberg die bessere Mannschaft, allein weil die Geschlossenheit und die Disziplin in der Hintermannschaft herausragend waren. Ein Volleyhammer von Vittek diente als erster Warnschuss, doch Hildebrand konnte entschärfen (13.). Dann war der Club ebenfalls im Glück, als Bierofka einen Nachschuss nicht kontrolliert aufs Tor brachte (28.). Nürnberg erkannte bald, dass es sich nicht mit einem Punkt begnügen musste und nahm das Heft selbst in die Hand. Nach einem Freistoß des fleißigen Banovic gelang das verdiente 0:1, weil Vittek den Ball genau auf den Kopf bekam (36.). Stuttgart antwortete mit ideenlosen Angriffen, wiederum Bierofka hatte allerdings kurz vor der Pause den Ausgleich auf dem Fuß (45.). Das Tor fiel jedoch auf der anderen Seite, denn Sekunden vor dem Halbzeitpfiff schlug Vittek den Ball noch einmal nach vorn, wo Banovic klug in die Mitte legte. Schroth stand völlig allein und konnte sich die Ecke aussuchen. Die VfB-Abwehr gab dabei ein trauriges Bild ab.

Das Tor wirkte nach, denn mit Wiederanpfiff wirkte es, als sein Nürnberg in Wahrheit die Heimmannschaft. Innerhalb weniger Minuten hatten Mnari, Vittek und Glauber jeweils das 0:3 auf dem Fuß. Stuttgarts Gegenwehr ließ schon jetzt bedenklich nach, von einem Aufbäumen ganz zu schweigen. Armin Veh musste wechseln und hatte fast damit Erfolg, als der Ex-Nürnberger Cacau zu einer guten Chance kam (62.). Doch die Wirkung hielt nicht lange an, denn noch immer war keine Linie im Stuttgarter Spiel zu erkennen, nicht nur das Spielniveau, auch die Moral innerhalb der Mannschaft sank ins Bodenlose. Umso heller erstrahlte in diesem Kontrast die Vorstellung des 1.FC Nürnberg, der die Punkte zwar längst sicher hatte, sich aber immer noch ums Spiel bemühte. Als mit Saenko auch noch der dritte Stürmer traf, wieder auf Vorlage Banovics, waren die Verhältnisse genau angemessen hergestellt (78.). Am deutlichsten schlug sich dies in der Tabelle nieder.

Maik Großmann

Spielstatistik VfB Stuttgart - 1. FC Nürnberg

VfB Stuttgart

-

1. FC Nürnberg

0:3 (0:2)

Bundesliga 2006/2007, 1. Spieltag
12.08.2006, 15:30 Uhr
Gottlieb-Daimler-Stadion (Stuttgart), 39.000 Zuschauer
Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)
Tore
0:1 Robert Vittek 36. (Kopfball, Banovic)
0:2 Markus Schroth 45. (Kopfball, Banovic)
0:3 Ivan Saenko 78. (Rechtsschuss, Banovic)
Wechsel VfB Stuttgart
Cacau
für Mario Gomez
(3,5)
(60.)
Antonio da Silva
für Daniel Bierofka
(4,0)
(60.)
Wechsel Nürnberg
Thomas Paulus
für Tomás Galásek
(―)
(79.)
Gerald Sibon
für Markus Schroth
(―)
(85.)
Leon Benko
für Robert Vittek
(―)
(86.)
Karten Nürnberg
Gelb für Ivan Saenko
Gelb für Markus Schroth