Bundesliga

Spieltag

Spielbericht Hamburger SV - Borussia Mönchengladbach

Wieder nur sich selbst besiegt

Eine einzige Chance genügte ihm: 
Oliver NeuvilleEine einzige Chance genügte ihm:
Oliver Neuville

Wenn es einen Ort gab, an dem Gladbach seinen ersten Auswärtszähler einsammeln konnte, dann die AOL-Arena zu Hamburg. Ljubojas Führungstor schien einen Schlussstrich zu ziehen unter die ewig lange Leidenszeit des HSV, der auch diesmal völlig verstört und unbeholfen spielte. Kurz vor dem Ende aber nutzte Gladbach eine von zwei Chancen und stieß Hamburg wieder in sein Loch zurück.

Die Teams begannen wie zwei Boxer, die aus Angst vorm Schlag des Gegners vorsichtig umeinander schlichen. Gladbachs Rucksack war kaum weniger schwer, denn zu den peinlichen Auswärtsspielen hatten sich zuletzt auch desolate Heimauftritte gesellt. Schwer machten die Gastgeber es den Fohlen aber nicht in der Anfangsphase. Es genügte ein halbsolides Abwehrverhalten, um den HSV in Schach zu halten. Schnelles Spiel in die Spitze sollte es sein, was van der Vaart, Trochowski und Co. versuchten, heraus kam aber nur ideenloses Anrennen mit oft unwürdigen Abspielfehlern. Die optische Überlegenheit nützte da gar nichts, denn so einfach war selbst Gladbach nicht zu knacken. Trotzdem gab es bald einen Rückschlag für die Borussen, als van der Vaart im Strafraum mit Casey Keller zusammenknallte. Gladbachs Kapitän blieb verletzt liegen und musste ausgetauscht werden; zu halten hatte er einzig einen Trochowski-Schuss bekommen (24.). Nachfolger Heimeroth erlebte dann die beste Phase des HSV im ersten Durchgang. Ljuboja (35./42.) und van der Vaart (38.) prüften ihn mit Schussversuchen. Nach einer letzten Möglichkeit von Sanogo (45.) ging es in die Halbzeitpause.

Thomas Doll wusste, dass sein Team spielerisch nicht viel würde erreichen können und empfahl ihm offenbar, aus allen Lagen sofort zu schießen. Die frühen Versuche van der Vaarts und Ljubojas konnten Gladbach immerhin ein wenig einschüchtern. Hamburg fand besser ins Spiel und empfahl sich mit immer durchdachteren Angriffen mittlerweile auch für ein Führungstor. Die Borussen nahmen das zwar wahr, zeigten aber keine Ambitionen, es zu unterbinden, obgleich ein erfolgreicher Konter den HSV mutmaßlich sofort erledigt hätte. So aber köpfte Ljuboja zunächst noch knapp daneben (55.), um zehn Minuten später dann das erlösende 1:0 zu erzielen. Atouba flankte von links an den Fünfmeterraum, wo der Serbe gemeinsam mit Gegenspieler Levels den Ball im Tor unterbrachte ­ verdient, aber völlig unnötig aus Gladbacher Sicht. In ganz Hamburg waren nun die Ketten gesprengt, ein Verein, eine Stadt und eine Region davon überzeugt, der HSV würde jetzt alles hinter sich lassen und starten die Liga zu entern. Doch es kam anders. Die Hanseaten spielten weder auf das zweite Tor, noch brachten sie die nötige Ruhe ins Spiel, um die Fohlen vom eigenen Kasten fernzuhalten. Die wiederum verhielten sich untypisch und drängten nun tatsächlich auf den Ausgleich. Den Zuschauern stockte der Atem, als Kahé elf Meter vor dem Tor allein zum Schuss kam und Gladbachs allererste Torchance vergab (76.). Acht Minuten später dann der zweite gescheite Angriff, und diesmal klappte es. Degen gab den Ball in die Mitte, wo sich Neuville durchsetzte und aus fünf Metern zum Ausgleich traf (84.). Natürlich war der Punkt unverdient für die Gäste, doch der HSV hatte das Tor herausgefordert, weil er nach der Führung viel zu ängstlich agiert hatte. Selbst Mönchengladbach bestraft so etwas manchmal.

Maik Großmann

Spielstatistik Hamburger SV - Borussia Mönchengladbach

Hamburger SV

-

Borussia Mönchengladbach

1:1 (0:0)

Bundesliga 2006/2007, 12. Spieltag
11.11.2006, 15:30 Uhr
AOL Arena (Hamburg), 56.600 Zuschauer
Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)
Tore
1:0 Danijel Ljuboja 65. (Rechtsschuss, Atouba)
1:1 Oliver Neuville 84. (Rechtsschuss, Degen)
Wechsel M´gladbach
Christofer Heimeroth
für Kasey Keller
(2,5)
(32.)
David Degen
für Eugen Polanski
(―)
(66.)
Wesley Sonck
für Michael Delura
(―)
(75.)
Karten Hamburg
Gelb für Boubacar Sanogo
Karten M´gladbach
Gelb für Marvin Compper
Gelb für David Degen