Bundesliga

Spieltag

Spielbericht Hannover 96 - VfB Stuttgart

Vorlage genutzt

Entscheidend am VfB-Doppelschlag beteiligt: CacauEntscheidend am VfB-Doppelschlag beteiligt: Cacau

Hannover wollte raus aus dem Tabellenkeller, Stuttgart an die Tabellenspitze. Nach flotten 90 Minuten verlor der Gastgeber mit 1:2 (1:0) und es wurde klar: Manchmal entscheiden nur zehn Minuten.

Da Fußball kein Spiel der Konjunktive ist, werden sich die Stuttgarter an der leidigen Diskussion nicht beteiligen: „Was wäre, wenn es diese zehn Minuten nicht gegeben hätte?“ ­ aber nur, weil alles ein gutes Ende für die Neuauflage der jungen Wilden nahm. In Hannover hingegen sollte diese Frage noch für Gesprächsstoff sorgen. Doch der Reihe nach. Der VfB wollte die Auswärtsserie, bereits drei Siege auf des Gegners Platz, fortsetzen und die Vorlage der Bremer nutzen, um die Tabellenführung zu übernehmen. Bereits nach fünf Minuten hatte der unter Nationalmannschaftsverdacht stehende Gomez die erste klare Chance, verfehlte jedoch die anvisierte rechte Ecke nur knapp. Und bei der nächsten Aktion des Stürmers nur 60 Sekunden später verwehrte der Schiedsrichter den fälligen Elfmeter. Wer jetzt dachte, dass ein Tor für den VfB nur eine Frage der Zeit sei, der hatte die Rechnung ohne Tarnat gemacht. Der sich im gefühlten vierten Frühling befindende Kapitän der Hannoveraner flankte scharf auf Rosenthal, der die erste Offensivbemühung des Gastgebers aus vollem Lauf zur Führung nutzte (12.). Tarnat war auch in der Folge der auffälligste Akteur. Seine Hereingaben von links sorgten immer wieder für Gefahr. Die auf der rechten Seite umgestellte VfB-Abwehr, namentlich Gentner, hatte ihre liebe Mühe. Stuttgart war nach dem Rückstand sichtlich verunsichert und konnte froh sein, dass die Kopie des ersten Treffers ­ wieder Tarnat auf Rosenthal ­ nicht von Erfolg gekrönt war (20.). So blieb es letztlich beim 1:0 zur Halbzeit.

Nach Wiederanpfiff wurde alles anders. Wie ausgewechselt kam der VfB aus der Kabine. Diesmal sollte die zehnminütige Überlegenheit nicht ungenutzt bleiben. Der im ersten Spielabschnitt blasse Cacau brachte den Ball aus dem Halbfeld gefährlich vor das Tor, wo der sträflich frei stehende Hitzlsperger mit seinem starken Linken zur Stelle war (49.). Der Ausgleich erinnerte die Schwaben offenbar an ihre Mission, zumindest eine Woche lang den Klassenprimus zu geben. In der 55. Minute tanzte Gomez den überforderten Fahrenhorst auf Höhe des Sechzehnmeterraums aus, zog ab, traf zunächst den Innenpfosten, bevor Cacau zur Führung abstaubte ­ 2:1. Mit dem Doppelschlag im Rücken verlegte sich der VfB nun aufs Kontern und hätte mehrmals das vorentscheidende Tor erzielen können. Drei Mal Gomez und der in der Offensive besser als im der Viererkette agierende Gentner scheiterten jedoch. In der 79. Minute das erste Aufbäumen von Hannover: Nach einer Kopfballverlängerung kam Stajner aus knapp zehn Metern zum Abschluss, fand aber seinen Meister in Hildebrand. Fahrenhorst (84.) und Hashemian (85.) komplettierten den verzweifelten und verspäteten Angriffswirbel der Niedersachsen. Die erneute Heimniederlage war nicht mehr abzuwenden. Selbst in Überzahl, nach einer übermotivierten Grätsche an der Seitenauslinie flog Hitzlsperger mit Gelb-Rot vom Platz (89.), wollte der Ausgleich nicht mehr gelingen. Während sich die Stuttgarter vom mitgereisten Anhang feiern ließen und der Fanparole „Spitzenreiter“ eindrucksvoll Folge leisteten, trotteten die Roten mit gesenktem Haupt vom Spielfeld. Gegen diesen VfB war nicht mehr drin ­ nur die leidige Diskussion: was wäre, wenn wir die ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit nicht verschlafen hätten. Allein, Konjunktive helfen nicht im Abstiegskampf.

Paul Linke

Spielstatistik Hannover 96 - VfB Stuttgart

Hannover 96

-

VfB Stuttgart

1:2 (1:0)

Bundesliga 2006/2007, 12. Spieltag
12.11.2006, 17:00 Uhr
AWD-Arena (Hannover), 28.800 Zuschauer
Schiedsrichter: Dr. Jochen Drees (Mainz)
Tore
1:0 Jan Rosenthal 14. (Linksschuss, Tarnat)
1:1 Thomas Hitzlsperger 49. (Linksschuss, Cacau)
1:2 Cacau 54. (Linksschuss, Gomez)
Wechsel VfB Stuttgart
Sami Khedira
für Christian Gentner
(―)
(82.)
Silvio Meißner
für Cacau
(―)
(86.)
Marco Streller
für Antonio da Silva
(―)
(88.)
Karten Hannover
keine
Karten VfB Stuttgart
Gelb-Rot für Thomas Hitzlsperger (90.)
Gelb für Matthieu Delpierre