Bundesliga

Spieltag

Spielbericht Hamburger SV - VfL Wolfsburg

Weich zu knackende Nuss

Stand goldrichtig und verwandelte den Satzball: Mehdi MahdavikiaStand goldrichtig und verwandelte den Satzball: Mehdi Mahdavikia

Wolfsburg nahm eine Stunde lang nicht am Spiel teil und konnte dennoch einen Rückstand irgendwie verhindern. Erst als das erbettelte 1:0 gefallen war, drehten die Gäste auf, ohne den konzentrierten Hamburgern aber je ebenbürtig zu werden. Eher noch fiel der Sieg zu niedrig aus.

HSV-Coach Huub Stevens war aufgrund der schweren Erkrankung seiner Frau seit über einer Woche nicht bei der Mannschaft gewesen und hatte die Übungsleitung seinem Assistenten Markus Schupp zugewiesen. Als wollte er ein Fanal setzen, beschleunigte er bei seiner Rückkehr den Prozess der Mannschaftsbildung gehörig: Er nahm Alexander Laas, Ivica Olic und Rafael Wicky aus der Anfangself und brachte Boubacar Sanogo, Nigel de Jong und den jungen Mittelfeldmann Änis Ben-Hatira. Letzterer war es auch, der den richtungsweisenden Charakter dieses Spiels (HSV-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer: „Wir können einen Satzball verwandeln.“) am stärksten verinnerlicht hatte. Er legte los wie die Feuerwehr und durchbrach auf seiner linken Seite immer wieder die Wolfsburger Abwehr. Die ersten Chancen folgten zwangsläufig: Bastian Reinhardt scheiterte mit einem schönen Kopfball knapp (7.), Mehdi Mahdavikia mit einem unschönen Kopfball kurz darauf ebenso. Nur Minuten später verlegte er sich wieder auf seine eigentliche Stärke, das Dribbeln, ließ drei Wölfe stehen und bediente Rafael van der Vaart punktgenau, der jedoch das Tor um wenige Zentimeter verfehlte. In der Folge gelang es den Gästen, umsichtig organisiert von Abwehrchef Kevin Hofland, die Reihen wieder zu schließen und mit Querpässen ein wenig Rasanz aus dem Spiel zu nehmen. In der Offensive jedoch fehlten Mut und Ideen, zumal Spielmacher Marcelinho von de Jong neutralisiert wurde. So erlebte HSV-Keeper Frank Rost eine der wohl langweiligsten Halbzeiten seiner Laufbahn. Anders sein Kollege Simon Jentzsch, der sich immer wieder den vehement anstürmenden Hamburgern gegenüber sah. Zunächst wurde er von van der Vaart elegant überlupft (22.) und hatte Glück, dass der Ball an die Latte prallte. Dann scheiterten wiederum van der Vaart per Freistoß (33.) und anschließend Sanogo per Kopf (40.).

Wolfsburgs Trainer Klaus Augenthaler hatte nach der 45. Minute keine Lust mehr, dass Kaninchen vor der Schlange zu sein und wechselte die Offensivkräfte Cedric Makiadi und Isaac Boakye ein. Zwar konnte das die Feldüberlegenheit der Gastgeber nicht wesentlich relativieren, van der Vaart traf sogar noch einmal aus kurzer Distanz den Pfosten (49.). Immerhin kamen die Wölfe aber zu einigen Konterchancen und hatten Pech, als Jonathan Santana in 54. Minute nur die Querstange traf. Das war er wohl, der Satzball für die Wölfe. Sie ließen ihn ungenutzt und mussten mit ansehen, wie die Hamburger ihren verwandelten: Eine schöne Kombination über Sanogo, van der Vaart und Jarolim, der noch an Jentzsch scheiterte, staubte Mahdavikia clever ab (60.). Erst jetzt übernahmen die Wolfsburger die Initiative und hatten Möglichkeiten, den Ausgleich zu erzielen. Diego Klimowicz und zweimal Marcelinho versuchten sich aus der Distanz, doch Rost war froh über die Arbeit und hielt souverän. So blieb es beim 1:0 für den HSV, der nach Punkten zum VfL aufschloss. Ein Alarmzeichen für Wolfsburg, das sich schon in Sicherheit geglaubt hatte. „Wir haben erst nach dem Rückstand angefangen, Fußball zu spielen“, sagte Kapitän Kevin Hofland. „Wenn wir so weiterspielen wird es noch einmal eng.“ Und sein Coach Augenthaler ergänzte: „Ich hoffe, dass diese Niederlage, die absolut in Ordnung ist, zur richtigen Zeit kommt.“

Dirk Gieselmann

Spielstatistik Hamburger SV - VfL Wolfsburg

Hamburger SV

-

VfL Wolfsburg

1:0 (0:0)

Bundesliga 2006/2007, 27. Spieltag
01.04.2007, 17:00 Uhr
AOL Arena (Hamburg), 57.000 Zuschauer
Schiedsrichter: Günter Perl (München)
Tore
1:0 Mehdi Mahdavikia 60. (Rechtsschuss, Jarolim)
Wechsel Hamburg
Piotr Trochowski
für Rafael van der Vaart
(―)
(77.)
Alexander Laas
für Änis Ben-Hatira
(―)
(81.)
Mathias Abel
für David Jarolim
(―)
(90.)
Karten Hamburg
Gelb für Mehdi Mahdavikia
Gelb für David Jarolim
Karten Wolfsburg
Gelb für Alexander Madlung
Gelb für Kevin Hofland
Gelb für Tommie van der Leegte