Bundesliga

Spieltag

Spielbericht Alemannia Aachen - VfL Wolfsburg

Klassenerhalt in den Schlussminuten verspielt

Gute Leistung - aber am Ende untröstlich: Sascha RöslerGute Leistung - aber am Ende untröstlich: Sascha Rösler

Klaus Augenthalers VfL Wolfsburg konnte nach schleppendem Beginn einen wichtigen Punkt im Abstiegskampf feiern. Für Alemannia Aachen war das Bundesliga-Gastspiel nach menschlichem Ermessen (das schlechte Torverhältnis) und nur einem Jahr wieder beendet.

Christopher Lamprecht und Diego Klimowicz sorgten mit ihren späten Toren für ein Wolfsburger Unentschieden in Aachen, an das im Stadion niemand mehr geglaubt hatte. Die Mannschaft von Michael Frontzeck vergab die Gelegenheit nach einer 2:0-Führung, nochmals für Hoffnung im Abstiegskampf zu sorgen. Drei Punkte und 14 Tore Rückstand auf Wolfsburg waren somit gleichbedeutend mit der Rückkehr in die 2. Bundesliga. Die Führungstreffer für den designierten Absteiger schossen Matthias Lehmann per Strafstoß sowie Szilard Nemeth. Der Slowake war nach einer Lungenembolie für ein halbes Jahr außer Gefecht gesetzt und erst kurz zuvor in die Partie gekommen. Frontzeck blieb hart und hatte erneut auf Nationalspieler Jan Schlaudraff und den Youngster Sascha Dum verzichtet. In Aachens Defensivreihe herrschten ebenfalls Personalsorgen: Die beiden Stammkräfte in der Innenverteidigung, Alexander Klitzpera und Nico Herzig, fehlten den Kaiserstädtern auf Grund von Sperren. Zu allem Überfluss fielen auch Torhüter Stephan Straub (verletzt) sowie Kristian Nicht (Magen-Darmgrippe) aus. So kam Marcus Hesse, eigentlich in der Oberliga im Einsatz, in dieser so wichtigen Partie zu seinem Bundesliga-Debüt. Am ausverkauften Tivoli, der einem Hexenkessel glich, wurden die Gastgeber frenetisch nach vorne getrieben. Eine Steigerung der Aachener in allen Bereichen war, im Vergleich zu den Vorwochen, deutlich zu erkennen. Doch das Dilemma der letzten Spiele blieb bestehen: Die Chancenverwertung der Aachener ließ zu Wünschen übrig. Einzig Sascha Rösler konnte sich gegen die starken Wolfsburger Innenverteidiger, Kevin Hofland und Alexander Madlung, zur Wehr setzen. Aus dem Spiel heraus entstand somit wenig Gefahr für das Tor von Simon Jentzsch. Wolfsburg spielte, streng defensiv ausgerichtet, auf Unentschieden, das ihnen zum Klassenerhalt ausgereicht hätte. So war das 0:0 zur Pause das folgerichtige Ergebnis nach 45 Minuten.

Dennoch war es - weil technisch überraschend ansehnlich und sehr emotional geführt - eine unterhaltsame Partie. Wenig überraschend, dass der erste Treffer nach einer Standardsituation fiel. In diesem Fall musste ein glücklicher Handelfmeter herhalten: Wolfsburgs Madlung schoss seinem Kollegen Quiroga den Ball im Strafraum an die Hand, die jedoch nicht zum Ball ging. Dennoch: Elfmeter. Lehmann verwandelte den neunten Strafstoß der Aachener sicher. Der Tivoli kochte danach. Erst recht, nachdem Nemeth die Führung ausbauen konnte. Wolfsburg traute man nun keine Gegenwehr mehr zu, waren die Mannen von Klaus Augenthaler, der unter der Woche noch mit einer 42-Sekunden-Pressekonferenz für Gesprächsstoff gesorgt hatte, bis dahin zu passiv und leidenschaftslos aufgetreten. Doch die VW-Truppe kämpfte sich mit einer Energieleistung zurück und holte den so wichtigen Punkt, um den Klassenerhalt zu sichern. Lamprecht mit einem platzierten Schuss von der Strafraumgrenze und Diego Klimowicz, Wolfsburgs Lebensversicherung im Abstiegskampf, aus spitzem Winkel, waren die Helden bei den Niedersachsen. Wobei der Ausgleichstreffer des Argentiniers einem routinierten Torhüter wahrscheinlich nicht ins Netz geflogen wäre.
Nach dem Schlusspfiff versanken Aachens Anhänger in einem Tränenmeer: Sascha Rösler und Matthias Lehmann heulten noch auf dem Platz und waren nicht zu trösten - wie viele Fans, die ihrer Mannschaft trotz des praktisch nicht mehr zu verhindernden Abstiegs klatschend Respekt zollten. "Wenn ich den erwische, der dieses Drehbuch geschrieben hat, dem hau ich auf die Fresse", meinte Rösler fassungslos. Wolfsburgs Erfolgsgeheimnis, erklärte deren wenig zum Feiern aufgelegte Manager Fuchs: "Auge hat mit seiner 42-Sekunden-Pressekonferenz unter der Woche den Druck von der Mannschaft genommen. Das war nicht unüberlegt und hat offenbar funktioniert."

Robert Mucha

Spielstatistik Alemannia Aachen - VfL Wolfsburg

Alemannia Aachen

-

VfL Wolfsburg

2:2 (0:0)

Bundesliga 2006/2007, 33. Spieltag
12.05.2007, 15:30 Uhr
Tivoli (Aachen), 20.800 Zuschauer
Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin)
Tore
1:0 Matthias Lehmann 65. (Handelfmeter, Handspiel: Quiroga)
2:0 Szilárd Nemeth 68. (Rechtsschuss, Reghecampf)
2:1 Christopher Lamprecht 83. (Rechtsschuss)
2:2 Diego Fernando Klimowicz 85. (Rechtsschuss, Lamprecht)
Wechsel Aachen
Szilárd Nemeth
für Marius Ebbers
(3,0)
(63.)
Emmanuel Krontiris
für Sergio Pinto
(―)
(77.)
Abdul Özgen
für Jeffrey Leiwakabessy
(―)
(88.)
Wechsel Wolfsburg
Kamani Hill
für Isaac Boakye
(―)
(76.)
Christopher Lamprecht
für Cedric Makiadi
(―)
(83.)
Hans Sarpei
für Jacek Krzynowek
(―)
(90.)
Karten Aachen
Gelb für Mirko Casper
Gelb für Jeffrey Leiwakabessy
Gelb für Thomas Stehle
Gelb für Sergio Pinto