Bundesliga

Spieltag

Spielbericht Hamburger SV - SV Werder Bremen

Friedlich nur auf dem Papier

Diesmal war er dran: Mehdi MahdavikiaDiesmal war er dran: Mehdi Mahdavikia

Ungewöhnlich viel schenkten sich die alten Rivalen im Derby des Nordens. Die gebeutelten Hanseaten bauten sich durch ihre Fehler gegenseitig auf und gestatteten sich je ein dummes Tor. Insgesamt stand der HSV dem Sieg doch näher, aber wieder schafften es die Rothosen nicht vollzählig ins Ziel.

Thomas Doll hatte bis zuletzt um ihn gebangt, aber gerade so eben konnte sich Neueinkauf Sorin fit melden und sein Debüt in der Bundesliga feiern. Der Argentinier erlebte ein sehr intensives Spiel mit hartem Kampf um jeden Meter Boden. Sofort war beiden Teams anzumerken, dass sie auf keinen Fall die nächste Pleite kassieren wollten. Wie es zu einem Sieg reichen sollte, wussten sie allerdings auch nicht recht. Nervös war anfangs vor allem Hamburgs Torwart, der bei Fernschüssen von Almeida, Naldo und auch Diego jeweils nachfassen musste; Werders Sturm indes blieb zu farblos, um dies auszunutzen. Wirklich torgefährlich waren im ersten Durchgang ohnehin nur die Gastgeber. Knapp 20 Minuten waren gespielt, als Ljuboja nach einem schnellen Vorstoß allein vor Wiese stand, aber kläglich verstolperte. Werder war in dieser Phase arg unsortiert, bemühte sich aber um ein kämpferisches Gleichgewicht. Hamburg dagegen machte nun Druck, viel auch über Sorin auf der linken Seite, der die beweglichen Spitzen Sanogo und Ljuboja ordentlich fütterte. Kompany war es aber, der nach einer halben Stunde völlig frei zum Kopfball kam und versagte. Noch ein zweites Mal hatte der Belgier dann die Chance zur Führung, scheiterte aber immerhin weniger kläglich. Zur Pause konnte Werder mit dem Remis bestens leben.

Das Bild änderte sich zunächst nicht. Hamburg bemühte sich, die Gäste unter Druck zu setzen, hatte aber zu wenig Selbstvertrauen, um energischer auf das 1:0 zu drängen. Es sah einfach aus, wie Ljuboja (50.) und Sanogo (56.) zu guten Chancen kamen, beiden aber fehlte im Abschluss die Präzision, was spürbar an den Misserfolgen der letzten Wochen lag. Werder ging es da kaum anders; umso überraschender daher, dass die Bremer gleich mit ihrer ersten großen Chancen in Führung gingen. Der fleißige Fritz spielte auf der rechten Bahn einen klugen Pass in die Mitte, wo Borowski sich gelöst und aufgestellt hatte. Der Nationalspieler legte sich die Kugel kurz zurecht und donnerte sie aus sechs Metern ins lange Eck (58.), Hamburgs Abwehr machte sich dabei etwas lächerlich. Nicht nur am Jubel war zu erkennen, welche Last nun von Bremens Spielern fiel. Wäre Almeida nach einer Fritz-Flanke nicht artistisch durch die Luft, sondern gezielt in den Ball gesprungen, der HSV wäre schon erledigt gewesen (66.). Statt dessen zog er mit einer Standardsituation seinen Kopf noch aus der Schlinge. Kein Mensch achtete auf Bastian Reinhardt, als er nach Mahdavikias Ecke schulmäßig hochstieg und ins lange Eck köpfte (69.); der Treffer war ein Exempel für Hamburgs Stärke gleichwie für Werders Anfälligkeit bei Standards. Nun waren es die Hamburger, die frische Luft in die Lungen sogen und sich entschlossen in Richtung Siegtor bewegten. Ein neuer Hamburger Brauch aber wollte ja, dass der HSV sich noch selbst dezimieren musste. Sich daran zu halten, war diesmal Mahdavikia vorbehalten, der Werders Spielmacher Diego bei der Ballannahme brutal niederstreckte und folgerichtig Rot sah (74.). Es war nicht der einzige unschöne Beigeschmack, denn Hamburgs Fans hatten sich bereits mehrfach nicht entblödet, Tim Wiese mit Gegenständen zu bewerfen. Ansonsten endete das Derby friedlich mit einem gerechten Remis, das beide Trainer als Erfolg werten mussten. In den Disziplinen Kampf und Einstellung traf das auch durchaus zu.

Maik Großmann

Spielstatistik Hamburger SV - SV Werder Bremen

Hamburger SV

-

SV Werder Bremen

1:1 (0:0)

Bundesliga 2006/2007, 5. Spieltag
23.09.2006, 15:30 Uhr
AOL Arena (Hamburg), 57.000 Zuschauer
Schiedsrichter: Wolfgang Stark (Ergolding)
Tore
0:1 Tim Borowski 58. (Rechtsschuss, Fritz)
1:1 Bastian Reinhardt 69. (Kopfball, Mahdavikia)
Aufstellung Bremen
Tim Wiese (2,5)
Clemens Fritz (2,5)
Naldo (4,0)
Petri Pasanen (5,0)
Pierre Womé (5,0)
Torsten Frings (3,0)
Frank Baumann (3,0)
Tim Borowski (3,5)
Diego (4,0)
Mohamed Zidan (4,5)
Hugo Almeida (5,0)
Wechsel Hamburg
Paolo Guerrero
für Piotr Trochowski
(―)
(67.)
Raphael Wicky
für Danijel Ljuboja
(―)
(76.)
Wechsel Bremen
Christian Schulz
für Pierre Womé
(3,0)
(46.)
Ivan Klasnic
für Hugo Almeida
(―)
(70.)
Aaron Hunt
für Diego
(―)
(76.)
Karten Hamburg
Gelb für Nigel de Jong
Gelb für Joris Mathijsen
Rot für Mehdi Mahdavikia (74.)
Karten Bremen
Gelb für Pierre Womé
Gelb für Frank Baumann
Gelb für Clemens Fritz