Angenehm unbekümmert:
Dass Hamburg nach sechs Runden immer noch sieglos war und gar auf einen Abstiegsplatz sackte, war nur die halbe Wahrheit dieses Spiels. Frankfurt spielte fast am Limit und setzte den Gästen mächtig zu. Zweimal aber konnte der HSV einen Rückstand aufholen und wurde so zum moralischen Sieger des Vergleichs.
Viel eher noch als die Hanseaten hätte Frankfurt den Europapokal als Ausrede gelten lassen können. Nur zwei Tage nach dem Spiel in Dänemark standen die Hessen wieder auf dem Platz, während Hamburg immerhin zwei Tage länger hatte pausieren können, allerdings auch einen Misserfolg verkraften musste. Insofern war der Zustand des HSV ordentlich. Das Spiel in die Spitze mangelte zwar genau wie beim Gegner an Explosivität, doch es waren eher die Gäste, die anfangs dominierten und die Eintracht zur strikten Blockbildung zwangen. Nur Distanzschüsse wurden in der ersten halben Stunde abgefeuert, ernsthaft eingreifen mussten weder Pröll noch Kirschstein. Dann aber riss die Eintracht das Spiel an sich und kam direkt zu guten Chancen. Meiers Kopfball strich noch knapp am Kasten vorbei (35.), mit dem Fuß hatte der Ex-Hamburger aber mehr Glück und traf nach Vasoskis feiner Hackenvorlage zum 1:0. Vorausgegangen war ein Freistoß (36.). Zusätzliches Pech dann für den HSV, dass Reinhardt verletzt raus musste. Ein zweites Gegentor vermied die Abwehr aber in dieser kritischen Phase. Fast wäre gar unvermittelt der Ausgleich gefallen, als Sorin einen Freistoß ans Lattenkreuz nagelte (45.).
Mit der gleichen Szene begann der zweite Durchgang. Wieder knallte ein Sorin-Geschoss an den Querbalken (50.), und wieder war es ein Freistoß, den der gerade eingewechselte Fillinger geschickt rausgeholt hatte. Kaum eine Minute später fiel der Ausgleich, als Laas Ljuboja eine Gasse eröffnen sah und präzise hineinpasste. Der Serbe tunnelte Pröll und bejubelte sei erstes Tor für den HSV. Die Wirkung des Treffers war erstaunlich, denn nicht den Gästen gab er Auftrieb, sondern vielmehr der Eintracht, die auf der Stelle auf die erneute Führung drängte. Eine neuerliche Standardsituation führte zum Ziel. Wie eine Flipperkugel sprang ein plump in den Strafraum gehobener Ball herum, landete irgendwann bei Amanatidis und von seinem Fuß im Tor (58.). Auch Frankfurt aber fand den falschen Umgang mit dem Treffer. Viel zu arrogant und sorglos drängten die Hessen auf das 3:1. Statt großer Chancen ergaben sich aber billige Räume für Hamburg, das nicht lange brauchte, um durch Sanogo zum 2:2 zu kommen. Guerrero hatte mustergültig vorbereitet (69.). Und wieder ging es danach in die andere Richtung. Frankfurt wurde ärgerlich und opferte seine letzte Kraft, um die Weichen wieder auf Heimsieg zu stellen. Vor allem nach Takaharas Chance in der Schlussminute, als der Ex-Hamburger frei in der Mitte zum Schuss kam, musste sich die Eintracht auch über einen vergebenen Sieg ärgern. Für die Moral des zweimaligen Aufholens durfte Hamburg aber durchaus belohnt werden. Der Punkt war alles, was der HSV mitnehmen konnte. Und er holte ihn.
Maik Großmann
Eintracht Frankfurt
| Tore | |||
|---|---|---|---|
| 1:0 | Alexander Meier | 36. | (Rechtsschuss, Vasoski) |
| 1:1 | Danijel Ljuboja | 51. | (Linksschuss, Laas) |
| 2:1 | Ioannis Amanatidis | 58. | (Rechtsschuss) |
| 2:2 | Boubacar Sanogo | 69. | (Kopfball, Paolo Guerrero) |
Aufstellung Frankfurt![]() |
|
|---|---|
| Markus Pröll | (3,0) |
| Sotirios Kyrgiakos | (3,5) |
| Daniyel Cimen | (5,0) |
| Aleksandar Vasoski | (2,5) |
| Patrick Ochs | (3,5) |
| Benjamin Huggel | (3,5) |
| Alexander Meier | (3,0) |
| Christoph Spycher | (3,5) |
| Naohiro Takahara | (4,0) |
| Ioannis Amanatidis | (3,0) |
| Benjamin Köhler | (4,5) |
Aufstellung Hamburg |
|
|---|---|
| Sascha Kirschstein | (3,0) |
| Raphael Wicky | (3,5) |
| Vincent Kompany | (4,5) |
| Bastian Reinhardt | (4,0) |
| Juan Pablo Sorin | (4,0) |
| David Jarolim | (5,0) |
| Alexander Laas | (3,0) |
| Nigel de Jong | (5,0) |
| Piotr Trochowski | (4,5) |
| Boubacar Sanogo | (3,0) |
| Danijel Ljuboja | (3,0) |
Wechsel Frankfurt![]() |
|
|---|---|
| Michael Thurk für Benjamin Köhler |
(4,0) (60.) |
| Marco Russ für Benjamin Huggel |
(―) (76.) |
| Alexander Huber für Ioannis Amanatidis |
(―) (88.) |
Wechsel Hamburg |
|
|---|---|
| Joris Mathijsen für Bastian Reinhardt |
(4,0) (39.) |
| Mario Fillinger für Nigel de Jong |
(3,5) (46.) |
| Paolo Guerrero für David Jarolim |
(―) (60.) |
Karten Frankfurt![]() |
|
|---|---|
| keine |
Karten Hamburg |
|
|---|---|
| Gelb für | David Jarolim |
| Gelb für | Joris Mathijsen |
| Gelb für | Boubacar Sanogo |
Trainer Frankfurt![]() |
|---|
| Friedhelm Funkel |
Trainer Hamburg |
|---|
| Thomas Doll |