Bundesliga

Spieltag

Spielbericht Bayer Leverkusen - Hansa Rostock

Hansa-Kogge ohne Wind

Agil, extrem lauffreudig und Schütze des 2:0: Slawo Paul FreierAgil, extrem lauffreudig und Schütze des 2:0: Slawo Paul Freier

Leverkusen schloss nach dem ungefährdeten 3:0-Sieg gegen harmlose Rostocker zum Spitzentrio auf. Mit einem Sieg am nächsten Wochenende und einem gleichzeitigen Punktverlust des HSV würde Bayer gar auf einem Champions-League-Platz überwintern.

Die Werkself gewann ihre letzten vier Ligaspiele und konnte mit einem 1:0-Erfolg unter der Woche im UEFA-Cup gegen Sparta Prag ihre gute Form bestätigen. Für die Rostocker schien das Hoch, das man am achten Spieltag nach Siegen gegen Stuttgart und Hertha BSC ausmachen wollte, nur von temporärer Natur: In den zwei Partien vor dem Leverkusen-Spiel konnten weder Tore noch Punkte auf der Hansa-Haben-Seite verbucht werden. Das Wochenende begann nicht gut für die Hanseaten: Am Freitag meldete sich Stammtorwart Stefan Wächter krank und am Samstag punkteten die Tabellennachbarn Cottbus und Duisburg auswärts. Wächter, den eine Magen-Darm-Grippe plagte, wurde von Jörg Hahnel ersetzt, der bis dato noch keine Bundesligaminute vorweisen konnte. Doch die größeren Personalsorgen hatte Bayer-Trainer Michael Skibbe: Schneider (Wadenverhärtung), Arturo Vidal (Bänderiss im Sprunggelenk) und Barbarez (eingeklemmter Nerv) fielen aus. Kießling saß nach der fünften Gelben Karte ebenso auf der Bank wie Ramelow ­ Sinkewitz und Gresko begannen. Aufgrund der vielen prominenten Ausfälle übte sich Skibbe vor dem Spiel in Zweckpessimismus: „Rostock ist eine unangenehme Aufgabe. Nicht vom Papier her, aber vor dem Hintergrund der Verletzten.“ Doch in der 4. Minute glättete die ersatzgeschwächte Bayer-Mannschaft die Sorgenfalten ihres Trainers: Nach einer Ecke von Barnetta, die Haggui per Kopf verlängerte, stand Rolfes ohne Gegenspieler frei vor Hahnel. Der Nationalspieler hatte alle Zeit der Welt, nahm den Ball an und ließ dem Debütanten im Tor keine Chance ­ 1:0. Wer nach dem fulminanten Start ein Torfestival und Zauberfußball sondergleichen erwartete, sah sich schnell getäuscht. Bayer tat in den ersten 45 Minuten nicht mehr als nötig, kontrollierte das Spiel, ohne jedoch zu weiteren zwingenden Torchancen zu kommen. Lediglich ein Weitschuss von Gresko aus 30 Metern (34.), der knapp am Tor vorbeiging, und ein strammer Castro-Schuss von der Strafraumgrenze (45.), den der zuvor nicht immer sicher wirkende Hahnel glänzend parieren konnte, brachte die 22.500 Zuschauer in der BayArena in Stimmung. Die Rostocker Offensive fand in den ersten 45 Minuten nicht statt. Exemplarisch der Arbeitsnachweis von Agali: Vier Fouls, eine Gelbe Karte. Zur zweiten Halbzeit blieb der glücklose Nigerianer in der Kabine ­ für ihn kam Hähnge.

Bewirken sollte es nichts. Die Werkself spielte ihre Routine aus und während ein Offensivspiel von Hansa weiterhin nicht mal zu erahnen war, erhöhten die Gastgeber den Druck. Die Belohnung für die Angriffsbemühungen folgte prompt: Nach einem Foul von Rathgeb an Castro im Strafraum entschied Schiedsrichter Schmidt auf Elfmeter (55.). Freier verwandelte zum 2:0. Die Hoffnung der Hansa-Elf vielleicht durch einen überraschenden Konter noch zum Ausgleich zu kommen, war nun gänzlich verflogen. Nachdem Theofanis Gekas einige Male zuvor in aussichtsreichen Situationen glücklos agierte, stand der Grieche in der 72. Minute goldrichtig: Ein verunglückter Befreiungsschlag von Adler landete direkt beim Bayer-Stürmer, der Orestes und Sebastian ausspielte und auch noch den herausstürmenden Hahnel an der Strafraumgrenze umkurvte ­ Gekas’ achter Saisontreffer war das verdiente 3:0. Und nun sahen die Fans mitunter auch jenes Spektakel und jenen Fußball zum Hingucken, der ihnen das frühe 1:0 eigentlich schon versprochen hatte. Auffälligste Spieler waren dabei Barnetta, Rolfes, Freier und Castro. Hansas Defensivabteilung ließ sich nicht nur einmal von dem agilen Bayer-Vierer düpieren. Lediglich Kapitän Beinlich schien um Schadensbegrenzung bemüht, doch all das Laufen und Flanken und Passen brachte nichts ein. Sinnbildlich die 88. Minute, als Beinlich einen hohen Ball in den Strafraum schlug, doch kein einziger Rostocker in Sichtweite war. Dafür drängte nun Bayer auf den vierten Treffer: In der 89. Minute sprintete Freier über rechts in den Strafraum, sein Schuss klatschte an den linken Pfosten. So blieb es beim 3:0, Bayer wahrte Anschluss an die Champions-League-Plätze und platzierte sich nur noch einen Punkt hinter dem HSV. Der Hansa-Kogge hingegen fehlte es an Wind. Die Mannschaft rutschte nach der siebten Auswärtsniederlage und dem gleichzeitigen Erfolg von Nürnberg wieder auf einen Abstiegsrang.

Andreas Beck

Spielstatistik Bayer Leverkusen - Hansa Rostock

Bayer Leverkusen

-

Hansa Rostock

3:0 (1:0)

Bundesliga 2007/2008, 16. Spieltag
09.12.2007, 17:00 Uhr
BayArena (Leverkusen), 22.500 Zuschauer
Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart)
Tore
1:0 Simon Rolfes 4. (Linksschuss, Haggui)
2:0 Paul Freier 55. (Foulelfmeter, Rathgeb an Castro)
3:0 Theofanis Gekas 72. (Linksschuss, Adler)
Wechsel Leverkusen
Dmitri Bulykin
für Theofanis Gekas
(―)
(73.)
Sascha Dum
für Tranquillo Barnetta
(―)
(80.)
Ricardo Faty
für Gonzalo Castro
(―)
(84.)
Wechsel Rostock
Sebastian Hähnge
für Victor Agali
(5,0)
(46.)
Kai Bülow
für Dexter Langen
(―)
(76.)
Fin Bartels
für Djordje Cetkovic
(―)
(83.)
Karten Leverkusen
keine
Karten Rostock
Gelb für Enrico Kern
Gelb für Victor Agali