Sein Gewaltschuss entschied das harte Derby:
In einem mitunter überhart geführten Nordderby behielten neun Bremer das glückliche Ende für sich. Der HSV kämpfte zwar unbändig um die letzte Chance auf die Champions-League-Plätze, doch entpuppte sich das Anrennen der Hamburger in der zweiten Halbzeit zu häufig als kopf- und ideenlos.
Es hätte gar noch die eine oder andere Rote Karte mehr geben können, etwa in der 42. Minute, als Tim Wiese vor dem Strafraum mit einer lehrbuchreichen Kick-Box-Einlage auf Ivica Olic zuflog. Schiedsrichter Lutz Wagner zeigte nur Gelb. „Natürlich war das gefährliches Spiel. Ich habe noch ein bisschen den Ball getroffen, es war wohl keine Rote Karte. Aber das alles interessiert sowieso mich nicht. Hauptsache, wir haben gewonnen“, so Wiese nach dem Spiel. Die Bedeutung der Partie war von der ersten Minute an spürbar; wer ein Taktieren erwartete, sah sich schnell getäuscht. Schon nach sechs Minuten versuchte es Markus Rosenberg aus der Distanz. Doch der Schuss des Schweden, der ebenso wie Hugo Almeida dieses Mal von Anfang an spielen durfte, zog weit über den Kasten von Frank Rost. Der HSV kam in der Anfangsphase vor allem durch Standards gefährlich vor das Werder-Tor. Nach scharfen Ecken von Rafael van der Vaart verpassten aber nacheinander Paulo Guerrero und Nigel de Jong (10. und 11.). In der 18. Minute musste Tim Wiese dann erstmals konsequent eingreifen: Guerrero stand plötzlich auf halblinker Position frei vor dem Werder-Torwart, doch dieser tauchte im richtigen Moment ab und parierte gekonnt. Drei Minuten später musste Wiese erneut retten: Nach einem Zuckerpass von van der Vaart versuchte Jarolim den Ball zu erlaufen. Gegen den herauseilenden Wiese kam der Tscheche aber einen Schritt zu spät. Nach 25 Minuten waren sich die 57.000 Zuschauer in der HSH-Nordbank-Arena einig: Der HSV hatte mehr vom Spiel, die wirklich zwingenden Torchancen ergaben sich aber nicht. Noch nicht. Denn nur eine Minute später klingelte es fast auf der anderen Seite, als Frank Rost einen Kopfball von Almeida noch gerade mit den Fingerspitzen zur Ecke klären konnte (26.). Bis zur Halbzeit passierte danach nicht mehr viel ausgenommen zahlreicher Nicklichkeiten am Rande jeglichen Fairplays inklusive des Blackouts von Tim Wiese, der exemplarisch für die harte Gangart dieses Nordderbys wurde.
Halbzeit zwei begann dort, wo der HSV in den ersten 30 Minuten aufgehört hatte: Vor Wieses Tor. Kurz nach Wiederanpfiff tauchte der spritzige Ivica Olic frei auf halblinks vor Wiese auf, der Schlussmann wehrte den Ball mit dem Fuß ab (48.). Und dann schlug die Stunde des Hugo Almeida. Am Samstag noch schmorte der Portugiese auf der Bank, avancierte nach seiner Einwechslung aber zum Matchwinner. Gegen den HSV sollte er selbiger werden. Erst behauptete Markus Rosenberg den Ball an der Strafraumgrenze geschickt gegen Bastian Reinhardt, dann legte er ab auf Almeida, der sich nicht bitten ließ: Sein Geschoss aus 17 Metern zog unhaltbar in den rechten Winkel (50.). Dass das Spiel dadurch nicht an Ruhe gewinnen würde, war abzusehen. In der 57. Minute sah Frank Baumann wegen Trikothaltens die Ampelkarte, zehn Minuten später flogen die ersten Gegenstände aufs Spielfeld, was zu einer Unterbrechung und einer Ansprache des Stadionsprechers führte. In den verbleibenden 20 Minuten drückte der HSV auf den Ausgleich, Werder kam nicht mal mehr zu Verlegenheitskontern. Zwingende Chancen aber spielten sich die Hamburger nicht mehr heraus. Ein Schuss von Olic (73.), eine gefährliche Flanke durch Freund und Feind von Atouba (74.) und ein Freistoß von Trochowski, der knapp am Tor vorbei strich (87.) das war es aus Hamburger Sicht. Die letzten zwei Minuten musste die Gäste aus Bremen gar mit neun Mann überstehen, denn Vranjes erhielt nach einer Tätlichkeit gegen Atouba die Rote Karte. Am Ergebnis aber änderte das nichts. Werder Bremen hielt das 0:1, konnte damit das Millionenspiel für sich entscheiden und den zweiten Tabellenplatz festigen. Für Thomas Schaaf war es „das erwartet schwere Spiel voller Emotionen und mit einem wunderschönen Tor“. Huub Stevens, der sich mit dem HSV nun von seinen Champions-League-Träumen verabschieden musste, glaubte trotz der Niederlage weiter an das Minimalziel UEFA-Cup. Leider wurde das Team „nicht belohnt“, so der Coach, doch er sei sich sicher, dass „wenn wir die restlichen beiden Spiele mit dieser Einstellung und Kampfgeist angehen, werden wir unser Ziel schaffen“.
Andreas Bock
Hamburger SV
| Tore | |||
|---|---|---|---|
| 0:1 | Hugo Almeida | 50. | (Rechtsschuss, Rosenberg) |
Aufstellung Hamburg![]() |
|
|---|---|
| Frank Rost | (3,0) |
| Jerome Boateng | (4,0) |
| Bastian Reinhardt | (4,0) |
| Joris Mathijsen | (3,0) |
| Guy Demel | (4,0) |
| David Jarolim | (3,0) |
| Nigel de Jong | (2,0) |
| Vincent Kompany | (4,0) |
| Rafael van der Vaart | (2,5) |
| Ivica Olic | (3,5) |
| Paolo Guerrero | (3,5) |
Aufstellung Bremen |
|
|---|---|
| Tim Wiese | (3,0) |
| Clemens Fritz | (3,0) |
| Per Mertesacker | (2,0) |
| Naldo | (3,0) |
| Petri Pasanen | (3,5) |
| Daniel Jensen | (4,0) |
| Frank Baumann | (3,5) |
| Tim Borowski | (4,0) |
| Diego | (4,0) |
| Markus Rosenberg | (2,5) |
| Hugo Almeida | (2,5) |
Wechsel Hamburg![]() |
|
|---|---|
| Juan Pablo Sorin für Guy Demel |
(3,5) (64.) |
| Thimothee Atouba für Vincent Kompany |
(―) (72.) |
| Piotr Trochowski für Jerome Boateng |
(―) (81.) |
Wechsel Bremen |
|
|---|---|
| Patrick Owomoyela für Petri Pasanen |
(3,0) (46.) |
| Jurica Vranjes für Hugo Almeida |
(3,5) (60.) |
| Ivan Klasnic für Markus Rosenberg |
(―) (86.) |
Karten Hamburg![]() |
|
|---|---|
| Gelb für | Rafael van der Vaart |
| Gelb für | Jerome Boateng |
Karten Bremen |
||
|---|---|---|
| Gelb-Rot für | Frank Baumann | (58.) |
| Gelb für | Daniel Jensen | |
| Gelb für | Tim Wiese | |
| Gelb für | Markus Rosenberg | |
| Gelb für | Naldo | |
| Rot für | Jurica Vranjes | (90.) |
| Gelb für | Tim Borowski | |
Trainer Hamburg![]() |
|---|
| Huub Stevens |
Trainer Bremen |
|---|
| Thomas Schaaf |