Bundesliga

Spieltag

Spielbericht VfL Wolfsburg - VfB Stuttgart

Wölfe auf dem Weg nach Europa

Erwies sich als vollwertiger Marcelinho-Ersatz: Ashkan DejagahErwies sich als vollwertiger Marcelinho-Ersatz: Ashkan Dejagah

Noch vor dem Anpfiff hatte Wolfsburgs Trainer Felix Magath der Partie gegen seinen Ex-Klub VfB Stuttgart das Endspiel-Etikett verpasst, denn für beide Mannschaften ging es um die Chance auf den Einzug in den UEFA-Cup. Doch nur die Wolfsburger spielten, als hätten sie das verstanden.

Eigentlich war diese zu jeder Zeit einseitige Partie bereits nach 19 Minuten entschieden. VfB-Kapitän Fernando Meira hatte sich beim harmlosen Gerangel in Höhe der Eckfahne zu einer Tätlichkeit gegen Wolfsburgs Mittelstürmer Grafite hinreißen lassen. Der auch ansonsten souveräne Unparteiische Stark zögerte nicht lange und stellte den Portugiesen vom Platz. Es war bereits der sechste Platzverweis in Meiras Bundesliga-Karriere. Drei Minuten zuvor hatte Marcelinho seinen VfL bereits in Führung geschossen, da VfB-Keeper Schäfer einen Schuss seines Namensvetters Marcel Schäfer unglücklich nach vorne abprallen ließ. Es wurde eine Einladung für den brasilianischen Spielmacher. Marcelinho bekam den Ball direkt vor die Füße. Fast hätte Schäfer seinen erneuten Patzer noch ausgebügelt, doch nachdem er den ersten Versuch Marcelinhos noch entschärft hatte, setzte der Brasilianer entschlossener nach und konnte den Ball aus spitzem Winkel einschieben. Das 1:0 war der Lohn für eine furiose Anfangsphase des VfL Wolfsburg - mit Torraumszenen fast im Minutentakt. Immer wieder prüften die Niedersachsen Torhüter Rafael Schäfer, dem deutlich anzumerken war, wie sehr die Torwartdiskussion an seinem Nervenkostüm zerrte. Doch Schäfer rettete stark gegen Grafite und Marcelinho. Die Wolfsburger spielten überlegen und nutzten den Platz, den ihnen phlegmatische Stuttgarter ließen. Selbst in Strafraumnähe konnte sich die VfL-Offensive um Grafite, Marcelinho und Edin Dzeko seelenruhig den Ball zupassen. Kaum ein Stuttgarter schien das schöne Spiel der Hausherren mit unnötigen Zweikämpfen stören zu wollen. Doch wer unter den Gäste-Zuschauern in der VW-Arena nun verzweifelt geglaubt hatte, dass die Stuttgarter durch Gegentor und Platzverweis vielleicht noch einmal wachgerüttelt worden waren, der wurde schon in der 22. Minute bitter enttäuscht. Edin Dzeko traf mit einem Traumtor aus mehr als 20 Metern zum 2:0 und wieder stand die Defensive der Schwaben, in der Roberto Hilbert nach Meiras Platzverweis nun den Rechtsverteidiger geben musste, milde lächelnd Spalier. Torhüter Schäfer war diesmal machtlos. Und die Wolfsburger wollten mehr. Sie waren einfach das hungrigere Team an diesem Nachmittag. Stuttgart überließ ihnen nahezu kampflos das Mittelfeld. Erst gegen Ende der ersten Halbzeit, als die Magath-Elf das Tempo drosselte, kam der VfB wieder etwas besser ins Spiel. Cacau hatte die erste und auch beste Chance der Schwaben, traf mit seinem Schuss von Strafraumgrenze aber nur den Pfosten. So ging es mit einer völlig verdienten Zwei-Tore-Führung der Gastgeber in die Pause.

Stuttgarts Trainer Veh musste in dieser Viertelstunde die richtigen Worte gefunden haben, denn nach Wiederanpfiff spielten zehn Stuttgarter endlich couragiert auf und waren sichtlich bemüht, die Initiative zu übernehmen. So gehörten die ersten zehn Minuten der zweiten Hälfte auch eindeutig dem VfB. Doch es war nur ein kurzes Aufflackern, das durch Wolfsburgs Abwehrchef Ricardo Costa jäh beendet wurde. Nach einem Eckball des in der Halbzeit für Marcelinho eingewechselten Ashkan Dejagah traf der Portugiese in der 55. Minute per Kopf zum 3:0. Jetzt warfen die Stuttgarter noch einmal alles nach vorne. Doch mehr als eine Großchance durch Mario Gomez sprang dabei nicht heraus. Es war bezeichnend für das Stuttgarter Spiel an diesem Nachmittag, dass ihr bester Torjäger freistehend an dem sonst beschäftigungslosen Diego Benaglio scheiterte. Im Gegenzug kopierte Grafite die Aktion des Nationalstürmers und unterlag im Eins-gegen-eins-Duell mit Torhüter Schäfer. Eine Viertelstunde vor Schluss setzte Dejagah den sehenswerten Schlusspunkt der Partie. Nach einer Flanke des Japaners Hasebe netzte er spektakulär per Flugkopfball ein. Das sonst eher zurückhaltende Wolfsburger Publikum tobte. Doch die Werkself schien noch nicht zufrieden, erspielte sich weitere hochkarätige Möglichkeiten durch Schäfer und Niang. Als Schiedsrichter Wolfgang Stark das Spiel beendete, konnten die Stuttgarter froh sein, nicht noch ein fünftes oder sechstes Tor kassiert zu haben. Während der VfL mit diesem Sieg einen riesigen und vielleicht sogar entscheidenden Schritt in Richtung UEFA-Cup gemacht hatte, blieben die Schwaben, obwohl mit 51 Zählern punktgleich mit Wolfsburg, dem HSV und Leverkusen, nur noch Außenseiter im Rennen nach Europa. Ihr Torverhältnis war nun das Schlechteste aller vier Bewerber. Dieses Spiel hatte gezeigt, warum.

Lucas Vogelsang

Spielstatistik VfL Wolfsburg - VfB Stuttgart

VfL Wolfsburg

-

VfB Stuttgart

4:0 (2:0)

Bundesliga 2007/2008, 33. Spieltag
10.05.2008, 15:30 Uhr
Volkswagen Arena (Wolfsburg), 28.000 Zuschauer
Schiedsrichter: Wolfgang Stark (Ergolding)
Tore
1:0 Marcelinho 16. (Linksschuss)
2:0 Edin Dzeko 22. (Rechtsschuss, Grafite)
3:0 Ricardo Costa 55. (Kopfball, Dejagah)
4:0 Ashkan Dejagah 75. (Kopfball, Hasebe)
Wechsel Wolfsburg
Ashkan Dejagah
für Marcelinho
(2,0)
(46.)
Jacek Krzynowek
für Grafite
(―)
(69.)
Mame Niang
für Makoto Hasebe
(―)
(80.)
Wechsel VfB Stuttgart
Sami Khedira
für Thomas Hitzlsperger
(3,5)
(58.)
Antonio da Silva
für Pavel Pardo
(4,0)
(60.)
Marco Pischorn
für Cacau
(―)
(81.)
Karten Wolfsburg
Gelb für Jan Simunek
Gelb für Grafite
Karten VfB Stuttgart
Rot für Fernando Meira (19.)
Gelb für Cacau
Gelb für Ludovic Magnin