Bundesliga

Spieltag

Spielbericht 1. FC Nürnberg - FC Schalke 04

Kollektive Trauer

Er schoss den Club in Liga zwei:
Marcelo BordonEr schoss den Club in Liga zwei:
Marcelo Bordon

Im doppelten Fernduell bewies Schalke über 90 Minuten die besseren Nerven und erledigte durch einen Zweierpack Marcelo Bordons seine Hausaufgaben im Kampf um Platz zwei souverän. Der Sieg allerdings war den Knappen nichts wert und sprach über Nürnberg statt dessen das seit Wochen schon drohende Urteil: Als amtierender Pokalsieger stieg der Club aus der Bundesliga ab.

Wie groß der Druck auf die Franken war, zeigte sich gleich in den ersten Minuten. Fast zitternd nervös kam der Tabellen-16. seiner schwierigen Bringschuld nach und quälte sich vor den Kasten von Manuel Neuer. Das so ersehnte Tor zur Führung, es schossen jeder weder Marek Mintal noch Charisteas, die binnen weniger Sekunden zum Abschluss kamen, und auch nicht Sascha Wolf mit seinem Kopfball nach Ecke Misimovic (12.). Statt dessen dann der doppelte Schwerthieb. Ein Raunen auf den Rängen vermeldete nichts Gutes, nämlich die Führung der Konkurrentin Arminia in Stuttgart. Brutaler aber noch dann der Schlag der Schalker Knappen, die gleich eine ihrer ersten Möglichkeiten zum 0:1 verwerteten: Bordon entwischte bei einem Eckball seinem Gegenspieler Koller und wuchtete den Ball in die Maschen (20.). Der Stachel im Nürnberger Spiel, er saß wie erwartet tief, zumal die Franken schon viele solcher Nerventests in der laufenden Saison nicht bestanden hatten. Gegen Ende des Durchgangs flackerte der Mut zwar noch einmal auf, wie Schüsse von Mintal (35.) und Engelhardt (45.) beweisen sollten. Insgesamt allerdings war die von-Heesen-Elf den Anforderungen dieses Endspiels bislang in keiner Weise gerecht geworden.

Der Wille zur Wende kehrte dann zunächst zurück. Mehrere Schüsse aus mittlerer Distanz sowie zwei gute Gelegenheiten von Koller (58.) und Robert Vittek (60.), dessen Einwechslung neue Impulse gab, brachten Königsblau in Bedrängnis. Was dann aber folgte, brach den Clubberern das Herz. Mit der Kälte eines Spitzenteams schwärmte Schalke plötzlich aus, als erst Kuranyi am aufmerksamen Klewer scheiterte und dann wieder Bordon mit dem Knie zum 0:2 abstaubte ­ Nürnberg klappte zusammen und Königsblau spitzte die Ohren Richtung Leverkusen (61.). Die letzte halbe Stunde verkam so zum kollektiven Trauerspiel. Nur ein Kopfball von Pander, der laut an die eigene Latte krachte, durchbrach noch die Stille auf den Rängen. Als dann auch noch Bremens 1:0 die Runde machte, war auch S04 alle Freude genommen. Der schöne und glatte Sieg, errungen in einer beachtlichen Situation, blieb nur ein Muster ohne Wert und verhieß für Königsblau ein Verharren auf Platz drei. Weit schlimmer indes das Schicksal der Violetten, die beinahe wie weiland 1969, als sie als Meister in den Abgrund geschliddert waren, im selben Jahr des Pokalsiegs wieder absteigen mussten. Ein Heimsieg über Schalke, wie das Bielefeld-Ergebnis schließlich zeigte, hätte zum Klassenverbleib sogar gereicht. Wie so oft in dieser Saison fehlten Nürnberg dafür jedoch die Nerven.

Maik Großmann

Spielstatistik 1. FC Nürnberg - FC Schalke 04

1. FC Nürnberg

-

FC Schalke 04

0:2 (0:1)

Bundesliga 2007/2008, 34. Spieltag
17.05.2008, 15:30 Uhr
easyCredit-Stadion (Nürnberg), 47.000 Zuschauer
Schiedsrichter: Herbert Fandel (Kyllburg)
Tore
0:1 Marcelo José Bordon 20. (Kopfball, Pander)
0:2 Marcelo José Bordon 61. (Rechtsschuss, Pander)
Wechsel Nürnberg
Robert Vittek
für Marek Mintál
(4,5)
(46.)
Wechsel Schalke
Ivan Rakitic
für Gerald Asamoah
(―)
(72.)
Benedikt Höwedes
für Marcelo José Bordon
(―)
(73.)
Karten Nürnberg
Gelb für Marco Engelhardt
Gelb für Andreas Wolf
Gelb für Jan Koller
Gelb für Tomás Galásek
Karten Schalke
Gelb für Rafinha