Bundesliga

Spieltag

Spielbericht VfL Wolfsburg - Karlsruher SC

„Es ist eine Minute vor zwölf“

Auf dem Weg zurück zu alter Stärke: Andreas GörlitzAuf dem Weg zurück zu alter Stärke: Andreas Görlitz

Mit hohen Zielen in die Saison gestartet, fand sich der VfL Wolfsburg erneut am Grunde der Tabelle wieder. Schuld daran war nicht zuletzt die eklatante Heimschwäche. Gegen den Aufsteiger Karlsruher SC kassierte die Mannschaft von Felix Magath bereits die zweite Niederlage im eigenen Stadion.

Dabei sah es zunächst so aus, als hätten die so genannten Wölfe ihr Selbstvertrauen wieder gefunden: Mittelfeldmann Jacek Krzynowek gelang durch einen beherzten Flachschuss aus 20 Metern schon in der 21. Minute das 1:0. Doch die Werkself versäumte es trotz einer augenfälligen Feldüberlegenheit, eine höhere Führung herauszuschießen. Besonders schwer machte ihnen dies der gedankenschnelle KSC-Keeper Markus Miller. In der 34. Minute lenkte er einen nur schwer haltbaren Schuss von Grafite mit einer Fußparade neben das Tor. Ein typischer Effekt trat ein: Je weniger die Gastgeber aus ihren Chancen machten, desto kecker wurden der Gegner ­ zunächst in Form von Kontern. In der Folge begannen sie sogar, die Partie zu dominieren. Vor allem Christian Timm und Andreas Görlitz zeigten sich fit, agil und motiviert. Schön aber war das nicht anzuschauen. Dem KSC fehlten für ästhetischen Kombinationsfußball die spielerischen Mittel, dem VfL so gut wie alles. Immerhin Mut legten die Gäste an den Tag, und der wurde belohnt: In der 63. Minute glückte Kapitän Mario Eggimann der Ausgleich.

Kaum zu fassen, dass die Wolfsburger sich danach nicht zu schade waren, auf ein Remis zu spielen, und doch war es so. Diese Pomadigkeit bestrafte Christian Eichner und erzielte in der 79. Minute den 2:1-Siegtreffer. So zeigte sich die Tabelle diametral verkehrt zu den Ansprüchen der beiden Vereine: Während der KSC ins obere Tabellendrittel vordrang (nun Platz 6), hockten die Wolfsburger im Keller (Platz 16). Das so ehrgeizig angestrebte internationale Geschäft blieb nach wie vor in weiter Ferne. Um die Bayern, in deren Nacken man sich setzen wollte, zu Gesicht zu bekommen, braucht man jetzt tatsächlich das von Uli Hoeneß vor der Saison großmäulig angebotene Fernglas ­ so ungern Felix Magath es auch in die Hand nehmen wird. Nach außen hin gab sich der Trainer, Manager und Geschäftsführer in Personalunion demonstrativ gelassen: „Wir müssen wegen des schlechten Starts nicht hektisch werden“, sprach er. „Wir haben einen Riesenumbruch gewollt und vollzogen, jetzt müssen wir auch die Konsequenz tragen, dass wir noch Zeit brauchen. Es macht auf jeden Fall keinen Sinn, einen Schuldigen für die Probleme zu suchen.“ Diese Mahnung zur Ruhe hatte sein Keeper Simon Jentzsch offenbar nicht mitbekommen. Er sagte apokalyptisch in die Mikrofone: „Es ist eine Minute vor zwölf.“

Dirk Gieselmann

Spielstatistik VfL Wolfsburg - Karlsruher SC

VfL Wolfsburg

-

Karlsruher SC

1:2 (1:0)

Bundesliga 2007/2008, 5. Spieltag
16.09.2007, 17:00 Uhr
Volkswagen Arena (Wolfsburg), 21.700 Zuschauer
Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne)
Tore
1:0 Jacek Krzynowek 21. (Linksschuss, Marcelinho)
1:1 Mario Eggimann 63. (Kopfball, Hajnal)
1:2 Christian Eichner 79. (Kopfball, Freis)
Wechsel Wolfsburg
Mame Niang
für Isaac Boakye
(5,5)
(54.)
Christian Gentner
für Jacek Krzynowek
(4,0)
(63.)
Vlad Munteanu
für Ashkan Dejagah
(―)
(82.)
Karten Wolfsburg
Gelb für Mame Niang
Karten Karlsruhe
Gelb für Christian Timm
Gelb für Mario Eggimann