Bundesliga

Spieltag

Spielbericht Hertha BSC - FC Bayern München

Die Berliner waren die wahren Bayern

Brachte die Bayern zur Verzweiflung: Jaroslav DrobnyBrachte die Bayern zur Verzweiflung: Jaroslav Drobny

Seine Rückkehr nach Berlin, wo er bei der Fußball-WM 2006 noch so gefeiert wurde, hatte sich Jürgen Klinsmann bestimmt anders vorgestellt. Nicht seine Bayern, die zumindest in der zweiten Halbzeit genügend Chancen für einen Sieg besaßen, sondern die ersatzgeschwächten, dafür umso effektiveren Herthaner holten sich den Dreier und damit zum ersten Mal seit Oktober 2006 auch die Tabellenführung.

Dabei konnten die Bayern trotz vieler Länderspielabstellungen unter der Woche auf ihre etatmäßige Stammelf zurückgreifen und selbst den wieder genesenen Lukas Podolski zu Hause lassen. Der Hertha fehlte dagegen gleich ein ganzes Oktett, darunter der gelbgesperrte Cicero und Topscorer Pantelic. Der Serbe wurde jedoch nicht vermisst, denn das meiste spielte sich sowieso im Mittelfeld ab. Vor allem die Hauptstadt-Elf hielt sich mit einer straff organisierten Abwehr die offensivstarken Münchener vom Leib und ließ keine Torchance zu. Bayerns Stürmer „Numero uno“ Luca Toni fiel zudem ab der 35. Minute mit einer Achillessehnenreizung aus und Mittelfeldmotor Franck Ribery wurde von seinen insgesamt drei Gegenspielern gut in Schach gehalten. Im Angriff lief bei den Berlinern allerdings auch nicht viel zusammen. Eine satte halbe Stunde verging, ehe Dardai, der nach seiner Meniskus-OP nur wegen der Herthaner Personalprobleme von Beginn an spielte, den ersten Torschuss aufs Bayern-Tor abfeuerte: Zé Roberto rettete auf der Linie. Weitere acht Minuten später gingen die Hausherren etwas glücklich, aber unter freundlicher Mithilfe der Meisterabwehr sogar in Führung: Nach Eberts langer Hereingabe verlor Lell seinen Gegenspieler Voronin aus den Augen und der Hertha-Stürmer nickte dann problemlos ins Tor ein.

Die Gastgeber wollten zwar danach nicht nur den Vorsprung über die Zeit bringen, dennoch besaßen die Gäste im zweiten Durchgang mehr Tormöglichkeiten. Ohne einen starken Torwächter Jaroslav Drobny hätten die Berliner das Spiel wahrscheinlich nicht gewonnen. Denn der tschechische Nationalspieler, der am vergangenen Mittwoch sein Länderspieldebüt gab, parierte unter anderem einen Kopfball des eingewechselten Donovan (54.) und streckte einem Schussversuch des Amerikaners rechtzeitig seinen Fuß entgegen (71.). Auch den Münchener Ausgleichstreffer durch Klose in der 62. Minute versuchte Drobny mit allen Mitteln zu verhindern, er wehrte den Distanzversuch von Lucio und den Nachschuss von Schweinsteiger noch ab, ehe Klose den Ball im dritten Versuch ins Tor einköpfte. Jedoch blieb die starke Leistung des Hertha-Schlussmanns nicht umsonst, setzte doch Voronin 13 Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit den entscheidenden Nadelstich, als er einen Berliner Konterangriff mit seinem zweiten Torschuss und seinem zweiten Treffer erfolgreich abschloss. Da die bayerische Schlussoffensive nichts mehr einbrachte, fuhren die Bundeshauptstädter ihren bereits neunten Sieg mit nur einem Tor Vorsprung ein und blieben in dieser Saison so effektiv wie sonst eigentlich nur die Bayern. Der Titelverteidiger war zwar dem neuen Tabellenführer optisch überlegen, aber nicht überlegen genug, um drei wichtige Zähler gegen einen cleveren Gegner einzufahren.

Senthuran Sivananda

Spielstatistik Hertha BSC - FC Bayern München

Hertha BSC

-

FC Bayern München

2:1 (1:0)

Bundesliga 2008/2009, 20. Spieltag
14.02.2009, 15:30 Uhr
Olympiastadion (Berlin), 74.200 Zuschauer
Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)
Tore
1:0 Andrej Voronin 38. (Kopfball, Ebert)
1:1 Miroslav Klose 62. (Kopfball)
2:1 Andrej Voronin 77. (Rechtsschuss, Raffael)
Wechsel Hertha BSC
Leandro Damian Cufre
für Rodnei
(―)
(87.)
Valeri Domovchiyski
für Andrej Voronin
(―)
(90.)
Amine Chermiti
für Patrick Ebert
(―)
(90.)
Wechsel B. München
Landon Donovan
für Luca Toni
(4,0)
(35.)
Tim Borowski
für Christian Lell
(4,5)
(58.)
Karten Hertha BSC
Gelb für Raffael
Gelb für Pal Dardai
Karten B. München
keine