Bayer-Keeper Leno reagierte sensationell gegen Perisic (Foto: Imago)Das als Topspiel angesetzte Duell zwischen Leverkusen und Dortmund wurde diesem Ruf über weiten Strecken mehr als gerecht. Beide Teams gingen mit viel Einsatz in die Partie, Bayer gehörte die erste Halbzeit, die Borussia war im zweiten Abschnitt stärker. Die Partie hatte alles, was ein Fußballspiel auf hohem Niveau mit sich bringt: Emotionen, Klasse, Tempo es fehlten allein die Tore.
Einen Sieg brauchten beide Mannschaften, um den Anschluss an die Spitze halten zu können. Mit Siegen vom letzten Spieltag im Rücken trat sowohl Bayer 04 Leverkusen als auch der Gast Borussia Dortmund mit der gleichen Startformation an wie am vergangenen Wochenende. Für die Werkself hieß das, dass Michael Ballack erneut nur auf der Bank Platz nahm. Dortmund startete die Partie aggressiv, verteidigte hoch und störte früh, was es den Leverkusenern schwer machte, einen geordneten Spielaufbau zu betreiben. Der BVB, dessen Qualitäten sonst in der Offensive zu finden waren, tat sich in der Anfangsphase ebenfalls schwer, erfolgreich nach vorne zu spielen. Nach sechs Minuten erarbeiteten sich die Gäste die erste große Chance, als Simon Rolfes André Schürrle schickte. Der Stürmer nahm den tollen Pass gut in den Strafraum mit, scheiterte dann aber freistehend an Torwart Weidenfeller (6.). Danach entwickelte sich ein temporeiches Spiel, in dem sich Bayer nach einer Viertelstunde ein leichtes Übergewicht erspielte. Dortmund fand kein Mittel, sein Kurzpassspiel aufzuziehen und auch die Standardsituationen waren verbesserungswürdig. Leverkusen dagegen kam zu einigen guten Chance, doch Sam wurde abgeblockt (23.) und Reinartz Kopfball aus der 25. Minute klärte Weidenfeller reflexartig. Nach einer knappen halben Stunde hatte auch die Borussia eine erste Chance. Reinartz hatte sich nach einem Steilpass verschätzt, sodass Stürmer Lewandowski ins Laufduell mit Toprak ging. Den Abschluss klärte der Innenverteidiger mit einer lehrbuchmäßigen Grätsche (28.). Dortmund hatte weiter Probleme mit seinen sonst oft mit schlafwandlerischer Sicherheit vorgetragenen Kombinationen, Leverkusen gefiel im Aufbau weiter besser. Die Elf von Trainer Robin Dutt musste sich jedoch den Vorwurf gefallen lassen, nicht genug aus ihrem Übergewicht zu machen. Bezeichnend zwei Szenen aus der letzten Viertelstunde der ersten Halbzeit. Erst erlief der im Abseits stehende Sam einen schönen Ball von Schürrle, den er besser seinem regelkonform positionierten Mitspieler Kießling überlassen hätte (36.). Dann kam Kießling nach guter Drehung auf Höhe des Dortmunder Strafraums zum Schuss, brachte den Ball aber zu wenig platziert und mit nicht genug Schärfe auf das Tor, sodass Weidenfeller die Kugel locker fing. Mit dem Ende der ersten Halbzeit gab es noch einen kurzen Aufreger, als Schiedsrichter Wolfgang Stark einen Leverkusener Konter mit dem Halbzeitpfiff unterbrach, statt die Aktion noch laufen zu lassen. Renato Augusto schlug den Ball gefrustet trotzdem Richtung Tor und sah dafür die Gelbe Karte. Emotionsgeladen ging es also mit einem 0:0 in die Pause.
Bayer Leverkusen begann engagiert. Schürrle setzte sich auf links gleich gegen drei Dortmunder durch und spielte den Ball quer in die Mitte Richtung Kießling, Subotic klärte jedoch rechtzeitig (47.). Nun war es am Gastgeber, früh und aggressiv zu stören. Der BVB reagierte auf das Leverkusener Pressing mit nur wenigen Vorstößen, die allerdings meist bereits im Mittelfeld beendet waren. Nach 53 Minuten gab es dann doch die erste Dortmunder Chance der zweiten Halbzeit, doch Kagawa zielte bei seinem Abschluss an der Strafraumgrenze über das Tor. Beide Mannschaften überzeugten entgegen ihrer eigentlich Stärken weiter eher durch ihre sicher stehenden Defensivreihen. Fehlpässe und schnelle Ballverluste hemmten nach einer guten Stunde nun auch das Leverkusener Spiel. Die Partie fand aber weiter auf hohem Niveau und mit viel Tempo statt; beide Teams schienen jederzeit in der Lage, ein Tor zu erzielen. So hatte erst Dortmund die Riesenchance zur Führung, doch Kagawa scheiterte nach einer tollen Kombination über Götze und Lewandowski am klasse reagierenden Torhüter Leno (61.). Im Gegenzug foulte der kurz vorher wegen eines Handspiels verwarnte Hummels Renato Augusto knapp vor der Strafraumgrenze und hatte Glück, dass er weiterspielen durfte. Der von Schürrle getretene Freistoß brachte Bayer nichts ein, doch die Szenen läuteten ereignisreiche Minuten ein. Ein unrühmliches Ende fand nach 64 Minuten der Arbeitstag von Michal Kadlec. Der Außenverteidiger senste auf Höhe der Mittellinie Götze von hinten und mit gestreckter Sohle um und wurde dazu zu recht mit der glatten roten Karte bedacht. Die Borussia zog nun das Tempo noch weiter an und setzte Leverkusen gehörig unter Druck. Bayer konnte sich bei seinem Torwart bedanken, dass es eine Viertelstunde vor Schluss immer noch 0:0 stand. In letzter Not rettete er gegen den eingewechselten Perisic (67.), dann gegen Götze (71.). In der 75. Minute musste sich Dutts Elf erneut bei seiner Stuttgarter Leihgabe bedanken, mit einem unglaublichen Reflex parierte Leno gegen Perisic, der aus wenigen Metern abgezogen hatte. Die emotionsgeladene Partie sah nach 77 Minuten die nächste Rote Karte. Götze, der sich von Balitsch gefoult fühlte, trat leicht nach und musste das Feld verlassen. Mit dem Foul von Kadlec war die Aktion nicht zu vergleichen, Schiedsrichter Stark legte die Regeln bei Götzes Einsatz zwar sehr genau, aber dennoch korrekt aus. In der 82. Minute das vermeintliche 1:0 für Dortmund, als Hummels nach einem Freistoß einköpfte, Stark hatte den Ball aber noch nicht freigegeben. Die Wiederholung wäre fast ebenso erfolgreich gewesen, dieses Mal setzte Hummels seinen Kopfball jedoch leicht neben das Tor. Im Gegenzug hatte nun auch Leverkusen mal wieder eine gute Chance, doch Castro zögerte nach einem schönen Doppelpass zu lange und wurde abgeblockt. Der BVB war weiter überlegen, Klopps Elf fehlte aber weiter die nötige Durchschlagskraft vor Lenos Kasten. Kurz vor dem Abpfiff wachte auch Leverkusen noch einmal auf, für einen Treffer reichte es jedoch auf beiden Seiten nicht mehr.
Lisa Ramdor
Bayer Leverkusen
| Tore | |||
|---|---|---|---|
| --- |
Aufstellung Leverkusen![]() |
|
|---|---|
| Bernd Leno | (1,5) |
| Gonzalo Castro | (2,5) |
| Ömer Toprak | (3,0) |
| Stefan Reinartz | (2,5) |
| Michal Kadlec | (4,0) |
| Sidney Sam | (4,0) |
| Simon Rolfes | (2,5) |
| Lars Bender | (3,0) |
| Renato Augusto | (3,0) |
| Andre Schürrle | (3,0) |
| Stefan Kießling | (3,5) |
Aufstellung Dortmund |
|
|---|---|
| Roman Weidenfeller | (1,5) |
| Lukas Piszczek | (3,0) |
| Mats Hummels | (2,5) |
| Neven Subotic | (3,0) |
| Marcel Schmelzer | (4,0) |
| Sven Bender | (2,5) |
| Ilkay Gündogan | (3,0) |
| Mario Götze | (3,5) |
| Shinji Kagawa | (3,5) |
| Kevin Großkreutz | (4,5) |
| Robert Lewandowski | (4,0) |
Wechsel Leverkusen![]() |
|
|---|---|
| Hanno Balitsch für Renato Augusto |
(―) (68.) |
Wechsel Dortmund |
|
|---|---|
| Ivan Perisic für Kevin Großkreutz |
(3,0) (63.) |
| Jakub Blaszczykowski für Shinji Kagawa |
(―) (81.) |
Karten Leverkusen![]() |
||
|---|---|---|
| Gelb für | Renato Augusto | |
| Gelb für | Hanno Balitsch | |
| Rot für | Michal Kadlec | (64.) |
Karten Dortmund |
||
|---|---|---|
| Gelb für | Mats Hummels | |
| Rot für | Mario Götze | (77.) |
Trainer Leverkusen![]() |
|---|
| Robin Dutt |
Trainer Dortmund |
|---|
| Jürgen Klopp |