Relegation

Abschnitt

Spielbericht Fortuna Düsseldorf - Hertha BSC

Skurrile Szenen

Meisterte die Situation: Wolfgang StarkMeisterte die Situation: Wolfgang Stark

Dieses Relegationsspiel hatte zwei Seiten: Eine sportlich ansprechende und eine chaotische. Hertha BSC war aufgrund des Resultats abgestiegen, behielt sich aber aufgrund der irregulären Bedingungen einen Einspruch vor.

Der Turbostart der Fortuna eröffnete eine erste Halbzeit, die alles anbot, was von einem derartigen Spiel zu erwarten ist: Tempo, Tore, Hochspannung. Nachdem er von Ilsö an der Mittellinie geschickt wurde, war Beister nicht zu bremsen und schoss aus 25 Metern unhaltbar für Kraft ins linke Eck (1.). Hertha weigerte sich, diesem extrem frühen Nackenschlag zu viel Bedeutung beizumessen und baute sich peu á peu eine Feldüberlegenheit auf, die bereits in der 7. Minute hätte belohnt werden können. Der von Raffael sehr schön in Szene gesetzte Rukavytsya traf aus halbrechter Position im Düsseldorfer Strafraum jedoch nur das Außennetz. Hertha suchte in der Folgezeit über Kombinationen den Weg vors Düsseldorfer Tor zu finden, den zu verstellen - und mit schnellen Kontern Gefahr herauf zu beschwören - die Hauptbeschäftigung der Gastgeber darstellte. Raffael, Ronny und auch Rechtsaußen Rukavytsya konnten sich trotz der Enge des dichtgestellten Raumes immer wieder Freiräume schaffen, die größte Torgefahr der Berliner ging jedoch von ihren Standardsituationen aus. Nicht von ungefähr war es deshalb eine weite Freistoßflanke Ronnys, die dem Ausgleich vorausging. Ben-Hatira hatte sich am langen Pfosten frei gelaufen und köpfte ein (22.). Fortunas Gegenstöße waren selten, aber gefährlich. Ausgangs der ersten 45 Minuten steigerte sich die Partie in eine höchst attraktive Phase, als die Torraumszenen minütlich wechselten. Kraft musste mit letztem Einsatz gegen Beister einen weiteren Gegentreffer verhindern und hatte dann Glück, dass Ilsö den Abpraller nur am rechten Pfosten vorbei jagte (38.). Im Gegenzug scheiterte Ramos an Ratajczak (39.) und Düsseldorfs Schlussmann zeigte auch eine große Parade, als Ronny aus der Drehung das linke Eck anvisierte (43.). Niemeyers Kopfballchance nach einem Eckstoß markierte die letzte große Möglichkeit einer ereignisreichen Halbzeit (44.).

Mit fußballerisch interessanten Aktionen ging es zunächst weiter. Beister verpasste eine Riesenchance, nachdem Bröker und Lambertz perfekt vorgelegt hatten. Der 16-Meter-Schuss des freistehenden Beister fegte jedoch über den Querbalken (48.). Vier Minuten später blockte Bodzek in letzter Sekunde einen Schuss Ben-Hatiras ab - die letzte gute Szene des Hertha-Stürmers, der kurz darauf die gelb-rote Karte sah (54.). In Unterzahl wurde es für die Gäste schwierig und Düsseldorf packte zu: Brökers perfekt getimte Flanke köpfte Jovanovic mit etwas Glück - Kraft war noch dran, der Ball prallte dann aber vom Innenpfosten über die Linie - zur 2:1-Führung ein (59). Von da an begann das sportliche Geschehen in den Hintergrund zu rücken, denn ausgiebiges Feuerwerk, aus beiden Fanlagern, zwang zur ersten Spielunterbrechung. Nach etwa fünf Minuten ging es weiter und allmählich gewann Hertha die Oberhand zurück. Eine sehenswerte Kombination zwischen Raffael und Ramos bescherte den Gästen den 2:2-Ausgleich (85.), der ihnen Hoffnung machte. Kurz darauf musste Schiedsrichter Stark die Partie wegen Einsatz von Feuerwerkskörpern erneut unterbrechen. Sieben Minuten Nachspielzeit wurden schließlich angezeigt. In der 96. Minute hätte Jovanovic Fortunas Aufstieg endgültig klarmachen können; er scheiterte jedoch an Kraft. Fast unmittelbar nach dieser Aktion dann das Chaos: Noch bevor Stark die Partie abpfiff, stürmten hunderte Fans den Platz. Einer schnitt sogar ein Stück Rasen heraus, vom Elfmeterpunkt. Die Spieler waren längst in die Katakomben geflüchtet. Es dauerte fast 20 Minuten, bis der Platz wieder geräumt war und Stark, der in dieser problematischen Situation souverän handelte, die Restspielzeit freigab.

André Schulin

Die Spielstatistik Fortuna Düsseldorf - Hertha BSC