Champions League

Vorrunde

Spielbericht Real Madrid - FC Arsenal

Madrid auf dem Boden der Realität

Wie ein Messer durch Reals Abwehrbutter:
Thierry HenryWie ein Messer durch Reals Abwehrbutter:
Thierry Henry

Beiden Teams bot der Vergleich ein Sonnenbad abseits des schattigen Ligamuffs. Real, derzeit acht Punkte hinter dem Erzrivalen aus Barcelona, bangt als Dritter der Primera Division um die direkte CL-Qualifikation, während Arsenal auf Rang fünf der Premier League gar 25 Zähler Rückstand auf Chelsea aufweist. In Madrid ließen die Londoner dennoch altes Können aufblitzen und gewannen überraschend durch ein Tor von Henry mit 1:0.

Risikofreudig waren die Trainer nicht gerade. Auf der einen Seite Ronaldo, auf der anderen Henry, waren die einzigen Spitzen, die jeweils von einem bunten Strauß kreativer Mittelfeldspieler unterstützt werden sollten. Arsenal, das im Gegensatz zu Real ohne einzigen Engländer aufgelaufen war, überraschte die Gastgeber anfangs mit kleineren Blitzangriffen. Schon nach zwei Minuten stand Reyes allein vor Casillas, und auch Ljungberg und Henry (11./14.) hätten die Kanoniere mit etwas Glück in Führung bringen können. Madrids Abwehr präsentierte sich in dieser Phase alles andere als königlich, doch nach einer knappen halben Stunde hatten sich Cicinho, Woodgate und Roberto Carlos im Griff und es war Ruhe im Karton. Offensiv allerdings mochte Real nach wie vor nicht gefallen. Beckham kam einmal mit dem Schädel und einmal per Fuß zum Zug, ansonsten blieb auch der zweite Teil der ersten Halbzeit, den Madrid leicht dominierte, ohne Torgefahr.

Den zweiten Abschnitt begann Real noch traniger als den ersten. Kaum zwei Minuten nach Wiederbeginn bekam Thierry Henry den Ball am Mittelkreis. Ronaldo, Mejia und Guti griffen ihn nur halbherzig an und gestatteten dem Franzosen ein geschmeidiges Solo, das er mit einem satten Linksschuss aus 14 Metern abschloss. Keine Chance für Casillas. Real war perplex und antwortete mit wenig durchdachten Gegenangriffen, die meist leichte Beute der abgeklärten Arsenal-Abwehr wurden. Der eingewechselte Raul köpfte in seinem 100. Champions League Einsatz noch einmal über das Tor (70.). Doch von einem Beckham-Freistoß abgesehen durfte Jens Lehmann einen ruhigen Restabend verleben. So bekam Real die Quittung für eine überhebliche und einfallslose Vorstellung und muss sich nun ernsthaft an den Gedanken einer weiteren Spielzeit ohne Titel gewöhnen. Arsenals Sieg war damit nicht unverdient, der Aufwand für diesen Überraschungserfolg hielt sich allerdings in Grenzen.