UEFA Champions League

Spielbericht & Statistiken

AOL Arena (Hamburg) · Zuschauer: 49.600 · Schiedsrichter: Stefano Farina

» Hinspiel: ZSKA Moskau - Hamburg 1:0

0:1 Olic (23.)
1:1 Berisha (28.)
2:2 van der Vaart (84.)
3:2 Sanogo (90.)
3:2
(1:1)

Die Entdeckung der Moral

Ihm gingen die Gäule durch:
<br><br>Thimothee Atouba
Wieder schaffte es der HSV, ein überlegen geführtes Spiel dumm und leichtfertig aus der Hand zu geben. Doch diesmal war alles anders. Die Mannschaft verbrüderte sich, stemmte sich mit aller Kraft gegen den Königsklassen-GAU und erzwang kurz vor Schluss noch einen Signalsieg. Einen Aussetzer gab es allerdings auch.

Im Rahmen seiner Möglichkeiten sorgte Thomas Doll für eine Überraschung und nominierte den jungen Berisha statt Guerrero als zweite Sturmspitze. Schon die ersten Minuten zeigten, dass der HSV Mut ziehen könnte aus diesem Spiel. Moskaus Rechnung, dass es für die Hanseaten nur ein Freundschaftsspiel sein würde, ging nicht auf, denn es gab einen Ruf zu verlieren bzw. zu verbessern. Mitten in die stärkste Halbzeit seit Wochen platzte den Gastgebern dann eine Dummheit. Atouba, der angeschlagen in die Partie gegangen war, fuhr gegen Krasic sein Bein aus und schenkte ihm einen billigen Elfmeter. Mit der ersten Chance kam ZSKA so zum Führungstor (23.), dabei hatte sich das gesamte Spiel bislang in seiner Hälfte zugetragen. Hamburg war solchen Kummer wiederum gewohnt und preschte weiter engagiert nach vorn. Zwei Freistöße sorgten gleich für Gefahr, und wenig später fiel der Ausgleich dann wirklich, als Berisha nach einer Ecke am langen Pfosten lauerte (28.). Von Moskau, das zumal einen Sieg zum Weiterkommen brauchte, war erstaunlich wenig zu sehen. Nur der HSV diktierte das Geschehen und wäre beinahe durch van der Vaart noch zur Pausenführung gekommen. Akinfeev konnte seinen Drehschuss allerdings parieren (43.).

Nicht nur kämpferisch, auch spielerisch blieben die Hausherren überlegen. Van der Vaart und Trochowski sorgten für viel Dynamik im Mittelfeld, und auch Berisha tat dem zuletzt oft leblosen Sturm gut. Van der Vaart und Ljuboja vergaben zunächst zwei kleinere Möglichkeiten, dann aber wiederholte sich der Spuk der ersten Halbzeit. Noch an der Mittellinie besorgte sich Zhirkov den Ball und tankte sich ohne Gegenwehr bis zu Stefan Wächter durch. Als letzter von insgesamt sieben Hamburgern auf dieser Reise begegnete ihm Atouba, doch wie die anderen machte er bereitwillig Platz und erlaubte ihm das demütigende 1:2 (65.). Zu oft schon hatten die Fans so etwas erlebt, als dass sie ihre Wut nun bei sich behalten konnten. Sie erkoren Atouba zum Sündenbock, der beide Gegentore verschuldet hatte, mit dieser Rolle aber gar nicht einverstanden war. Dann kam es zum Eklat. Die Pfiffe wurden so laut, dass der Afrikaner seine Auswechslung forderte und beim Abgang mehrfach dem eigenen Publikum den Mittelfinger zeigte. Völlig außer sich wurde er von der HSV-Bank in die Kabine geschickt und bekam von Schiri Farina noch die Rote Karte mit auf den Weg. Nach diesem Zwischenfall noch an eine Wende zu glauben, schien vermessen. Doch gerade jetzt raufte sich die Mannschaft zusammen und schlug verbissen zurück, zumal sie bis dahin ja deutlich mehr vom Spiel gehabt hatte. Vor allem der Kapitän war nun gefragt, und anders als in Bochum erwies er sich dieser Rolle auch als würdig. Nach einer Ecke von links knallte er den Abpraller zunächst zum Ausgleich ein (84.), der allein schon für zentnerschwere Erleichterung sorgte. Doch das Team wollte noch mehr, und diesmal bekam es das auch. In der Schlussminute spielte van der Vaart einen starken Ball auf Sanogo, der die Kugel herunterfischte und humorlos unter die Latte knallte. Mit dem ersten und einzigen Sieg verabschiedete sich Hamburg aus der Königsklasse. Mehr Aufschluss als die Punkte aber gab die Mannschaftsleistung. Endlich hatte das Team im richtigen Moment Charakter gezeigt.

Maik Großmann
Finalrunden
Dienstag, 20.02.2007 Real Madrid3:2FC Bayern
Dienstag, 20.02.2007 Lille0:1Man. United
Dienstag, 20.02.2007 Eindhoven1:0Arsenal
Dienstag, 20.02.2007 C. Glasgow0:0AC Mailand
Mittwoch, 21.02.2007 FC Porto1:1Chelsea
Mittwoch, 21.02.2007 FC Barcelona1:2Liverpool
Mittwoch, 21.02.2007 Inter Mailand2:2Valencia
Mittwoch, 21.02.2007 AS Rom0:0Lyon
Dienstag, 06.03.2007 Chelsea2:1FC Porto
Dienstag, 06.03.2007 Liverpool0:1FC Barcelona
Dienstag, 06.03.2007 Valencia0:0Inter Mailand
Dienstag, 06.03.2007 Lyon0:2AS Rom

„Der österreichische Fußball ist sukzessive in eine schwierige Situation geschlittert, weil sehr viele durchschnittliche Ausländer gekauft worden sind. Da fahren Vereinspräsidenten an den Plattensee auf Urlaub und bringen sich dann vier Kellner mit.”

— Christoph Daum