Champions League

Spielbericht SV Werder Bremen - FC Chelsea

Sensationell einfach

Ihn kannte Chelsea noch nicht: Per MertesackerIhn kannte Chelsea noch nicht: Per Mertesacker

Wie schon gegen Barcelona gesundete Werder an einem großen Gegner und erkämpfte sich mit einer nimmermüden Leistung einen stolzen Heimsieg. Beim einzigen Tor konnte Per Mertesacker ohne Gegenwehr hochsteigen und einköpfen. Ohnehin bot Chelsea eine fragwürdige Leistung. Einzige Vorgabe war, nicht hoch zu verlieren. Genau das befolgte die Mourinho-Truppe und zog ehrlos ins Achtelfinale ein.

Zwei alte Bundesliga-Gesichter durfte das Publikum im Weserstadion begrüßen. Khalid Boulahrouz rückte ebenso in eine Verletzungslücke wie Michael Ballack, der die, allerdings gesperrte, Dampfmaschine Frank Lampard vertrat. Werder begann hochkonzentriert und bemüht, sofort nach vorn zu spielen. Nach zehn Minuten verpasste Klose Womés Hereingabe nur denkbar knapp, wenig später verstolperte Almeida, der für Hunt in die Startelf gerückt war, eine prächtige Chance leichtfertig (16.). Die Gäste aus London waren erstaunlich passiv in dieser Phase, lagen scheinbar konterhungrig auf der Lauer, ohne aber tatsächlich einmal gefährlich auszurücken. Ein geschenkter Freistoß bescherte Werder dann die Führung. Frings brachte den Ball hoch in den Strafraum, wo Drogba und Ballack je zwei Meter von Mertesacker entfernt waren und dieser ungehindert einköpfen konnte (27.). Werder zog sich etwas zurück und ließ Chelsea zur Antwort ansetzen. Fast im Gegenzug hatte Ballack dann die Riesenchance zum Ausgleich, allein vor dem Tor geriet sein kniehoher Schuss aber zu unplatziert. Halb im Liegen konnte Wiese parieren (32.). Eine Aktion von Diego zwang dann auch den gegnerischen Torwart nochmal zum Eingreifen, doch es kam zur aktivsten Phase der Gäste, die den Ballbesitz kaum mehr abgaben. Coles Versuch vom Strafraumeck blieb aber die einzige Ausbeute. Alles andere konnte Bremen mit sicherem Stellungsspiel unterbinden.

Chelseas Drang ebbte nach dem Wechsel überraschend ab, was zu einem wenig raumgreifenden Spiel im Mittelfeld führte. Eigentlich wollte Werder nun auf Konter lauern, weil die Londoner aber kaum etwas riskierten, fand sich dafür wenig Platz. Meist waren es Bremer Fehler, die Chelsea zu gefährlichen Angriffen nutzte. Als Daniel Jensen ohne jede Not den Ball an Shevchenko abgab, hatte dieser plötzlich freie Bahn, doch Per Mertesacker konnte ihn noch ablaufen (63.). Nach einem überflüssigen Foul versuchte sich wieder der Ukrainer mit einem Freistoß, den Wiese aber mit der langen Kralle noch zu fassen bekam (70.). Werder versteifte sich auf die Verteidigung, und es drohte eine zittrige Schlussphase wie gegen Barcelona, als man kurz vor dem Ende noch den Ausgleich kassiert hatte. Mit Hunt als drittem Stürmer setzte Thomas Schaaf dann das Zeichen zur Vorentscheidung, ohne die sichere Abwehr aber zu schwächen. Ohnehin war Chelseas Eifer auch nur halbherzig. Betastet wurde der Bremer Strafraum am Ende dauerhaft, aber den unbändigen Willen zum Ausgleich brachten die Gäste nie mehr auf. Nach Essiens letztem Versuch (86.) brannte dann auch nichts mehr an für den SV Werder. Als Lohn für großen Kampf und steten Opferwillen stand unter dem Strich zu Recht ein großer Sieg, auch wenn Bremen klar davon profitierte, dass Chelsea selbst eine knappe Niederlage zum Weiterkommen genügte. Um nachzuziehen reichte Werder nun schon ein Punkt in Barcelona, dem Titelverteidiger.

Maik Großmann