Champions League

Vorrunde

Spielbericht FC Bayern München - Sporting Lissabon

Jeder durfte mal

Gutes Spiel zum Frustabbau: Lukas Podolski erzielte zwei sehenswerte ToreGutes Spiel zum Frustabbau: Lukas Podolski erzielte zwei sehenswerte Tore

Anders als beim 5:0-Hinspielsieg, der eher aus Versehen so hoch geraten war, traf der FC Bayern diesmal von Anfang an auf einen desolaten Gegner und tobte sich daher noch ein zweites Mal ohne Hemmungen an ihm aus. Auch nach einem 4:1 zur Pause hörte die Klinsmann-Elf mit dem Toreschießen nicht auf und entwürdigte Sporting Lissabon bishin zu einem historischen 7:1. Mit Pauken und Trompeten zogen die Bayern damit ins Viertelfinale ein.

Zumal die Münchener mit einer besseren Reserve antraten, hatte Lissabon glaubhaft beteuert, im Rückspiel zumindest seine Ehre retten zu wollen. Ehe sich dies aber prüfen ließ, knallte der Ball auch schon in den Winkel, abgefeuert von Lukas Podolski, der das Spiel mit einem Sonntagstor aus 22 Metern eröffnete ­ das Duell begann, als hätte das Hinspiel nie aufgehört (8.). Jürgen Klinsmann hatte nur zum Teil aus der Not auf einige Stammspieler verzichtet, ließ etwa Demichelis und Oddo auf der Bank, spendierte Hans-Jörg Butt einen Einsatz im Tor und wechselte zur Halbzeit dann auch noch Breno und Sosa ein. Erstaunlicherweise tat das dem Spielfluss aber kaum einen Abbruch. Besonders im ersten Abschnitt kombinierten die Bayern wie aus einem Guss und ließen einen Gutteil ihrer Chancen sogar noch ungenutzt liegen. Nach 18 Minuten etwa traf Klose den Pfosten, wenig später wurde Ze Roberto in einer elfmeterreifen Aktion kurz vor dem Abschluss gestoppt (26.). Zählbar ins Tor trafen die Gastgeber allerdings trotzdem oft genug, weil sie erstens ihr Versprechen auf eine konzentrierte Vorstellung, das vor allem auf eine Vorjahresblamage gegen Anderlecht zurückging, einlösten und weil zweitens Sporting derart von der Rolle war, wie man es kaum je auf diesem Niveau für möglich gehalten hätte. So erhöhte wieder Podolski nach einem haarsträubenden Missverständnis per Fallrückzieher-Abstauber auf 2:0 (34.), ehe Anderson Polga völlig unbedrängt nach einer Ecke sogar ins eigene Tor traf (39.). Selbst als Joao Moutinho einen Klasseschuss aus fast 30 Metern zum Anschluss versenkte (42.), änderte das am Spielverlauf nichts. Ganz im Gegenteil: Nur eine Umdrehung später nutzte Schweinsteiger ein gutes Lell-Zuspiel zum 4:1 und machte aus einem Vergleich der vermeintlichen europäischen Elite endgültig ein absurdes Scheibenschießen.

Was sich die Gäste in der Kabine hatten anhören müssen, war nur zu erahnen, und zunächst hatte es sogar den Anschein, als würde die Ansprache fruchten: Sein eigenes Tor riegelte Sporting nun mit aller Macht ab und stieß außerdem durch Izmaylov und Vukcevic auch zweimal gefährlich vor den Kasten von Hans-Jörg Butt, der damit fast auf den Tag genau vier Jahre nach seinem letzten Königsklassen-Spiel doch noch ins Schwitzen kam. Dass aus dem klaren Ergebnis nun noch ein zweites Inferno wurde, hätten die Portugiesen sich daher gut sparen können. Irgendwann aber luden sie die Bayern dann doch wieder zum Torschießen ein und verloren genau wie im Hinspiel auch erneut gegen Ende die Contenance. Ein Spieler mit dem klangvollen Namen Thomas Müller sollte es sein, der mit einem tollen Flankenlauf über rechts das 5:1 durch van Bommel (74.) vorbereitete und die Lethargie des zweiten Abschnitts damit durchbrach. Noch in der Schlussminute traf der Stürmer aus Bayerns U23 dann gar noch persönlich ins Tor, was nach Kloses zwischenzeitlichem Strafstoß, der an ihm selbst verschuldet worden war, schließlich ein Endergebnis von 7:1 ergab. Ein volles Dutzend Tore bekam der FC Bayern, der bis dahin noch als krisenerschüttert verrufen worden war, in der Summe zweier nicht normaler Champions-League-Spiele damit zusammen und schoss sich warm für den ersten richtigen Gegner. Dass mit den Fabelsiegen zudem ein Rekord fiel, freute nebenbei Werder Bremen, dessen 0:3 und 2:7 gegen Olympique Lyon aus dem Jahr 2005 fortan nicht mehr als höchste Klatschen der CL-Geschichte galten.

Maik Großmann

Die Spielstatistik FC Bayern München - Sporting Lissabon

FC Bayern München

-

Sporting Lissabon

7:1 (4:1)

Champions League 2008/2009, Achtelfinale
10.03.2009, 20:45 Uhr
Allianz Arena (München), 65.000 Zuschauer
Schiedsrichter: Martin Hansson (Schweden)
Tore
1:0 Lukas Podolski 8. (Linksschuss, Zé Roberto)
2:0 Lukas Podolski 34. (Linksschuss)
3:0 Anderson Polga 39. (Eigentor, Schweinsteiger)
3:1 Joao Moutinho 42. (Rechtsschuss, Djaló)
4:1 Bastian Schweinsteiger 43. (Rechtsschuss, Lell)
5:1 Mark van Bommel 74. (Rechtsschuss, Klose)
6:1 Miroslav Klose 82. (Foulelfmeter, Pedro Silva an Klose)
7:1 Thomas Müller 90. (Linksschuss)
Karten B. München
keine
Karten Sporting
Gelb für Joao Moutinho
Gelb für Pedro Silva