DFB-Pokal

Spielbericht Borussia Dortmund - FC Bayern München

Keine Sensation

Zum sechsten und letzten Mal Sieger des Deutschen Vereinspokals:
Oliver KahnZum sechsten und letzten Mal Sieger des Deutschen Vereinspokals:
Oliver Kahn

Dortmund hatte sich besser im Griff als zuletzt, schluckte einen frühen Rückstand runter und schubste den Favoriten sogar kurzerhand in die Verlängerung. Dann aber kam es doch, wonach es immer ausgesehen hatte. In der 103. Minute mogelte Luca Toni das Spielgerät ins Tor und setzte damit den ersten Meilenstein zum anvisierten Triple. Zum 14. Mal nahmen die Bayern sich den Pokal.

Während die Münchener sich in der Liga sogar zurückgenommen hatten, war der Druck auf den Außenseiter kurioserweise größer. Nach zwei vernichtenden Pleiten und noch immer nicht gebändigter Abstiegsangst galt es für den BVB, eine ganze Spielzeit zu retten. Noch vor dem Anpfiff wurde obendrein kolportiert, Thomas Doll würde bald von Jürgen Klopp abgelöst. Wieder, wie beim jüngsten 0:5 in München, hatte es anfangs dann den Anschein, Dortmund wäre den Bayern hilflos ausgeliefert. Nach zehn Minuten durchschnitt ein van-Bommel-Pass die komplette Defensive, worauf Ribery überlegt in die Mitte passte und Toni bediente. Von Dede völlig vernachlässigt markierte der Italiener ohne Mühe das 0:1. Schon vorher hatten die Münchener das Spiel dominiert und Dortmund nur vor sich hergetrieben. Mit der Selbstverständlichkeit der Führung verstärkte sich nun dieser Eindruck; Rot hielt, auch ohne größere Tormöglichkeiten, alle Hebel in der Hand, und Schwarz-Gelb tauchte demütig unter. Eine komplette Halbzeit spulte sich die Partie so im bayerischen Kontrollprogramm herunter, ehe wie aus dem Nichts beinahe doch noch der Ausgleich fiel. Lucio blockte einen Tinga-Schuss aus kurzer Distanz aber im letzten Moment noch ab (44.).

Hätte Klose seine Kopfballchance genutzt, anstatt von Blaszczykowski noch auf der Linie gestoppt zu werden (51.), das Endspiel wäre wohl zum spannungslosen Arbeitssieg verkommen. So aber muckte die Borussia auf und hielt sich die Münchener zumindest vom Leib. In der 55. Minute vergab Alex Frei eine halbwegs passable Chance, woraufhin Olli Kahn gleich zweimal in Folge dann hellwach sein musste, beide Male bei Distanzversuchen durch Kringe (63./67.). Über die Bayern musste man sich nun etwas wundern, da sie ohne größere Not den BVB ins Spiel kommen ließen und die offenbar kalkulierten Gelegenheiten zu Kontern lax vergaben. Podolski etwa bekam im Nachschuss die große Chance zur Entscheidung, nachdem Ziegler, dessen Einsatz lange fraglich gewesen war, einen Schuss von Ribery nicht hatte festhalten können (78.). Nichtsdestotrotz lag ein Ausgleichstor in der, wenn auch enger und härter umkämpften zweiten Halbzeit nie in der Luft; statt dessen steuerte die Partie auf ein ruhmloses 1:0 für die Hitzfeld-Elf hin. Dann aber geschah es tatsächlich: Eine Umdrehung vor Ende der Nachspielzeit brachte Petric noch einen Ball auf das Münchener Tor, der mit Hilfe von sowohl Lucio als auch Philipp Lahm irgendwie hinter die Linie gelangte. Damit hatte niemand mehr gerechnet.

Dortmund schien belohnt für seine Steigerung in Durchgang zwei und wähnte sich mit dem Rekordsieger plötzlich auf Augenhöhe. Die Perspektive aber täuschte, wie die Verlängerung nachträglich bewies. Kurz nachdem Kringe mit einem weiteren Fernversuch an Olli Kahn gescheitert war (100.), rannte Luca Toni wie aus Versehen in einen Schuss von Lukas Podolski und stupste das Leder zum Siegtor ins Netz (103.). Zumal bald in Unterzahl (Gelb-Rot gegen Blaszczykowski, 108.) streckte Dortmund damit die Waffen. So kamen die Bayern zu einem Sieg, der letztlich reichlich mühevoll wirkte und den sie auch einfacher hätten einfahren können. Emotional allerdings war der 14. Pokalgewinn trotzdem, da sowohl Ottmar Hitzfeld als auch Olli Kahn zum letzten Mal diesen Endspielrausch erlebten und zugleich den ersten Haken unter ihre groß geplante Abschiedstournee setzen konnten. Die weiteren Ziele erläuterte, etwas nüchterner, Doppelpacker Toni: „Jetzt noch zwei Titel, und dann fahre ich zur EM.“

Maik Großmann

Die Spielstatistik Borussia Dortmund - FC Bayern München