DFB-Pokal

Halbfinale

Spielbericht FC Bayern München - VfL Wolfsburg

Akt der Selbstverständlichkeit

Vom Querulanten zum Leistungsträger:
Martin DemichelisVom Querulanten zum Leistungsträger:
Martin Demichelis

Eine Stunde lang trieb Bayern die harmlosen Wölfe vor sich her, um sie dann in einem Doppelschlag kalt zu erlegen und widerspruchslos das Finale zu buchen. Wolfsburgs Ambitionen blieben bis zum Schlusspfiff unklar. Während München einmal mehr Franck Ribery zu Füßen lag, freute sich Dortmund über den Einzug in den UEFA-Cup.

Ottmar Hitzfeld hatte nach der Blamage von Cottbus allen Grund zur Rotation, hielt sich für seine Verhältnisse aber eher zurück. Podolski etwa vertrat den ohnehin gesperrten Toni, außerdem war Martin Demichelis rehabilitiert und durfte zwischen Lucio und Jansen verteidigen. An der Entschlossenheit der Münchener gab es von Anfang an keine Zweifel. Schon nach wenigen Sekunden setzte Klose einen Kopfball daneben, eher sich dann Ribery nicht zum letzten Mal davonstahl und völlig frei am Elfmeterpunkt zum Abschluss kam (2.). Wolfsburg hatte Mühe, sich zu sortieren und vor allem den Franzosen bei seinem Handwerk zu stören. Trotzdem stand es dann beinahe 0:1, als Marcelinho einen direkten Freistoß flach aufs Tor brachte; Kahn aber tauchte rechtzeitig ab (7.). Bis zum Seitenwechsel lebten die Gäste insgesamt sicherer, ohne aber irgendwie am Lack der Bayern zu kratzen. Mit beharrlicher Routine führte die Heimelf Regie und wartete nur noch auf den richtigen Moment, um ihre klare Feldmacht auch in Tore umzumünzen. Lucio (22.) und van Bommel (43.) fanden diese Lücke noch nicht, sondern scheiterten beide am aufmerksamen Benaglio. Sonst aber prägten das Spiel besonders zwei Figuren: Erstens Demichelis, dessen Zweikampfwerte fast 100 Prozent erreichten, und zweitens Franck Ribery, der Ideengeber im Mittelfeld und zugleich Unterhaltungschef.

Zumindest verteidigt hatte Wolfsburg bis hierhin ordentlich und legte es offensichtlich auf eine Verlängerung an. Dann aber brach der Widerstand doch recht schnell. Bei einem Tänzchen in der eigenen Hälfte vertändelte Marcelinho zunächst den Ball an van Bommel. In den Abpraller hechtete Klose und passte mit Übersicht auf den lauernden Ribery, der Benaglio aus 13 Metern nicht nur chancenlos ließ, sondern auch noch tunnelte (60.). Ihre Passivität mussten die Niedersachsen nun aufgeben. Ehe sie überhaupt nach vorne ausbrechen konnten, war der Käse allerdings schon geschnitten. Diesmal war es Madlung, dessen Querschläger den Bayern in die Beine fiel und den Jansen zu einer Maßflanke auf Podolski nutzte. Der glücklose Nationalspieler kam an Benaglio zwar nicht vorbei, dafür stand aber Klose bereit und staubte mit wachem Auge zur 2:0-Vorentscheidung ab (66.). Binnen sechs Minuten waren die Wölfe damit aus dem Spiel und hatten selbst noch zu ihrem schnellen Ende beigetragen. Weil er kaum anders konnte, verstärkte Felix Magath nun den Angriff, beschwor dadurch aber eher noch mehr Gegentore herauf als je an einen Anschlusstreffer glauben zu dürfen. Anders als zuletzt in der Liga, als der VfL eine günstige Gelegenheit zum Überraschungssieg in Bremen nutzen konnte, fand er diesmal umso klarer seinen Meister und schied mut- und farblos aus dem Wettbewerb aus. Der FC Bayern indes wetzte die Cottbus-Scharte aus und verhalf seinem Trainer zu einem emotionalen Karriereausklang gegen seinen alten BVB. Der wiederum wurde zum heimlichen Sieger des Abends und qualifizierte sich vorab für den Europapokal.

Maik Großmann