DFB-Pokal

Spielbericht Bayer Leverkusen - FC Bayern München

Prügel für den Angstgegner

Er machte Bayern den Garaus:
Stefan KießlingEr machte Bayern den Garaus:
Stefan Kießling

Acht Mal in Folge hatte die Werkself auf die Nase bekommen, doch diesmal legte Bayer die Bayern aufs Kreuz. In einer Partie, die zum Teil als Werbefilm für den DFB-Pokal taugte, dominierte Leverkusen lange Zeit klar und ging binnen 16 Minuten gleich mit 3:0 in Front. Als die Münchener darauf erwachten, wurde es noch einmal spannend. Bayer aber peitschte zurück und kegelte den Titelverteidiger am Ende so verdient wie triumphal mit 4:2 aus dem Wettbewerb.

Abgesehen vom direkten Vergleich hatten auch die Formkurven beider Teams zuletzt eher auf einen Bayern-Sieg gedeutet. Jene Mannschaft aber, die vor kurzem noch mit 5:0 in Lissabon triumphiert hatte, lief von Anfang an der Musik nur hinterher. Nicht einmal vier Minuten waren vorbei, als sowohl Ze Roberto als auch Michael Rensing je einmal gegen den wuseligen Helmes gerettet hatten. Nach diesen Szenen bekamen die Münchener das Spiel etwas beruhigt und legten insgesamt auch keine allzu schwache Halbzeit hin. Leverkusen jedoch erwischte einen absoluten Sahnetag und ließ mit seinen frechen und entschlossenen Kombinationen den Gegner buchstäblich alt aussehen. Verglichen mit der Teamenergie der Werkself wirkten die Waffen die Münchener Einzelkönner stumpf. Wieder Helmes nach einem Konter (16.) und gleich danach Barnetta aus der Distanz bauten Bayers Übergewicht weiter aus. Als die Gastgeber bis zur Pause dann etwas zu umständlich wurden, hätte Altintop dies beinahe bestraft. Bayerns einzige Torchance des ersten Durchgangs vereitelte jedoch Adler mit einer Glanztat und rettete befremdlicherweise seiner Mannschaft den 0:0-Pausenstand (41.).

Was sich nun ereignete, wurde nicht nur ein Debakel für den FC Bayern, sondern speziell für die Taktik Jürgen Klinsmanns. Das mit Ottl statt Schweinsteiger und Klose als einziger Spitze strikt defensive Konzept hatte bislang überhaupt nicht funktioniert. Als der Trainer nach einer Stunde nun eingriff und Schweinsteiger und Podolski eintauschte, war es schon zu spät. Denn Leverkusen wirbelte weiter wie bisher und holte nunmehr nach, was es im ersten Abschnitt vergessen hatte. Barnetta mit einem Rechtsschuss ins lange Eck markierte zunächst die Führung (54.), welche die Gäste, die zur Entlastung überhaupt nicht imstande waren, derart verschreckte, dass Vidal sofort ein Tor nachlegen konnte: Nach einer Ecke von links köpfte der Chilene das 2:0 (61.). Mit erhöhtem Risiko lenkten die Bayern nun ein und kamen nach ihren Auswechslungen prompt zu zwei guten Tormöglichkeiten. Klose (66.) und Lucio (68.) vergaben allerdings und ebneten Bayer damit den Weg zum 3:0 durch Helmes, das Schweinsteiger mit einem fürchterlichen Fehlpass einleitete und das die Verhältnisse eigentlich klarstellen sollte (70.). An dieser Stelle aber verbesserten die Münchener ihre Abschlussnote erheblich. Keine zwei Minuten später nutzte Lucio eine Oddo-Flanke zum Anschluss, ehe Klose das Spiel sogar wieder richtig spannend machen konnte und gleich mit der nächsten Chance zum 2:3 traf (74.). Nun konnte alles passieren. Die Bayern waren giftig und werkelten entschlossen am fraglos unverdienten Ausgleich. Bayer wiederum wankte und zählte die Minuten bis zum Abpfiff. Das letzte Wort aber hatte ohnehin die Werkself, denn nach einem nächsten bedenklichen Fehler in der Münchener Abwehr, diesmal durch Demichelis, setzte Kießling den nun auch wirklich entscheidenden Konter und zog unter ein packendes Pokalspiel den 4:2-Schlussstrich (90.). Erstmals seit viereinhalb Jahren konnte Bayer die Bayern damit besiegen und zog mit einer wahren Glanzvorstellung ins Halbfinale ein.

Maik Großmann

Die Spielstatistik Bayer Leverkusen - FC Bayern München