DFB-Pokal

Spielbericht FC Schalke 04 - FC Bayern München

Viel Krampf und ein Traumtor

Der "Rasende Holländer" entschied das Spiel: Arjen RobbenDer "Rasende Holländer" entschied das Spiel: Arjen Robben

Spannung ja, Vergnügen nein. Der löchrige Platz und die Ästhetik des Halbfinales zwischen Schalke und dem FC Bayern rangierten in etwa auf Augenhöhe. Am Einsatzwillen der Akteure gab es nichts auszusetzen, die wenigen spielerischen Höhepunkte wurden von der Zähigkeit des Pokalfights allerdings fast verschluckt.

Zwei Schalker Personalien verblüfften: Anstelle Rafinhas ließ Felix Magath auf der rechten Verteidigerposition Zambrano auflaufen und der ansonsten als Einwechselkraft fungierende Baumjohann zählte zur Startelf. Auch Bayern-Coach Louis van Gaal hatte mit Contento und Olic, für Alaba und Pranjic, zwei Umstellungen vorgenommen. Die ersten Minuten ließen auf ein wechselhaftes Spiel schließen. Nachdem Baumjohann die erste gute Tormöglichkeit der Partie vergeben hatte (6., Butt hielt), ergriffen die Gäste die Initiative. In druckvollen zehn Minuten kamen Olic und Robben in gute Abschlusspositionen, brachten das Leder jedoch nicht an Neuer vorbei. In der Folgezeit stabilisierte sich die Abwehr der Gastgeber. Die Bayern blieben zwar bestimmend, taten allerdings kaum noch Lücken auf. Schalkes Offensive fiel fast gänzlich aus. Der größte Teil des ersten Durchgangs mutierte somit zu einem zähen Ringen, als dessen Ertrag der FC Bayern die höheren Spielanteile verbuchte. Bordon, nach einem Zusammenstoß mit dem Teamkollegen Westermann am Kopf verletzt, blieb nach der Halbzeitpause draußen und wurde durch Moritz ersetzt.

Schalkes Blitzstart machte Hoffnung auf ein lebhafteres Spiel. Rakitic (48., knapp links vorbei), Kuranyi (48., Butt parierte) und Moritz (51., rechts vorbei) sorgten mit ihren Schüssen für Brisanz vor dem Gästetor. Später konnte Kuranyi noch zwei Schussversuche abfeuern, zielte jedoch zunächst knapp vorbei und scheiterte dann aus spitzem Winkel an Butt (62. und 71.). Die Münchener benötigten eine gewisse Zeit, um ihre Ordnung gegen die aufgewachten „Knappen“ zu finden, fanden ihre Überlegenheit aber erst gegen Ende der zweiten 45 Minuten wieder. Da allerdings kamen sie einem Treffer näher. In der 88. Minute musste Neuer gegen Schweinsteiger, der im Sechzehner aufs linke Eck abzog, das 0:0 in die Verlängerung retten.

Die Extra-Spielzeit knüpfte nahtlos an das zuvor erlebte, 90-minütige Geschehen an. In der Hauptsache behinderte der schlechte Platzzustand die Akteure, die wiederum die Geduld der Zuschauer strapazierten, da man sich in umfangreichen Mittelfeldscharmützeln aufrieb. Fließende Kombinationen über mehrere Stationen waren nicht möglich - Foulspiel, Fehlpässe oder Platzfehler zerstörten jedweden spielerischen Ansatz. Die Torsituationen waren überwiegend durch Einzelaktionen zustande gekommen - eine solche sollte schließlich entscheidend sein. Zwei, drei Mal war Robben bei seinen Tempodribblings von den Schalkern gestoppt worden, wenige Minuten vor dem Abpfiff setzte der Niederländer zu einem erfolgreichen Versuch an. In typischer Manier, die Gegner durch scharfe Richtungsänderungen in hohem Tempo ausplatzierend, drang er über rechts kommend in den Schalker Strafraum ein, zögerte mit dem Abschluss so lange bis eine Lücke frei war und setzte die Kugel mit links ins Eck (112.). Ein hochklassiger Abschluss eines minder ansprechenden Spiels.

André Schulin