Spielbericht Portugal - Griechenland

Ein Sieg der Effektivität

Vor allem im ersten Durchgang brandgefährlich: Angelos CharisteasVor allem im ersten Durchgang brandgefährlich: Angelos Charisteas

Der Erwartungsdruck auf die Portugiesen im Eröffnungsspiel war riesengroß, während die Griechen unbeschwert in die Partie gehen konnten - und taten. Mit einer großen Abwehrleistung und effektiven Kontern knackten sie den Favoriten.

Dass die Griechen sich nicht verstecken wollten, zeigten sie bereits in der ersten Spielminute. Charisteas verfehlte eine gefährliche Hereingabe vom hängenden Stürmer Vryzas nur knapp. Forechecking und freches Spiel nach vorn zeichnete das Spiel des Außenseiters auch in den nächsten Minuten aus, während die Portugiesen verzweifelt versuchten, Linie in ihre wenig flüssigen Kombinationen zu bekommen. Als Ferreira Mitte der eigenen Hälfte den Ball an Karagounis vertändelte, marschierte der Mittelfeldspieler mit der Kugel wuchtig gen portugiesischen Strafraum und ließ aus 20 Metern einen Flachschuss ab, den Keeper Ricardo zwar noch mit den Fingerspitzen berührte, doch nicht mehr ablenkte (6.). Bemüht, aber planlos griffen die Gastgeber in der Folgezeit an, doch die Griechen nahmen phasenweise bis auf Charisteas alle Feldspieler mit zurück und verhielten sich auch in den Zweikämpfen und Kopfballduellen wesentlich geschickter als die nur selten über die Flügel angreifenden Portugiesen. Zudem waren die Konter der Rehhagel-Truppe gefährlicher: Charisteas (9., rechts vorbei), Fissa (13., übers Tor), Charisteas (23., Kopfball übers Tor). Portugal blieb einfallslos und holte bestenfalls einige Halbchancen heraus, die für Torwart Nikopolidis nie wirklich brenzlig wurden.

Auch nach der Pause das gleiche Bild. Portugal rannte ideenlos an und die Griechen standen gut gestaffelt, kamen allerdings seltener zu Gegenzügen. Bevor sie sich jedoch gänzlich zurückzogen, schossen sie noch das sensationelle 2:0. Verteidiger Seitaridis preschte plötzlich über den rechten Flügel in den Strafraum. Der eingewechselte Youngster Ronaldo kreuzte ihm über die Hacken, der Grieche fiel und der Elfmeterpfiff blieb nicht aus. Basinas kickte die Kugel platziert ins rechte obere Eck (51.). Inzwischen war mit Deco und Ronaldo neues Offensiv-Personal (später noch Gomez) im Spiel der Hausherren, die auch über die linke Seite einigen Wirbel verursachten. Dennoch - alle Flanken, Schüsse und Kombinationsversuche am Strafraum der Griechen waren zu hastig, ungenau oder zu wenig gradlinig. Dazu bot die Innenverteidigung des Außenseiters mit Dellas und Kapsis eine außerordentliche Leistung. Hochkarätige Chancen blieben bis in die Nachspielzeit aus, in der Ronaldo nach einer Deco-Ecke viel zu spät der Anschlusstreffer per Kopf glückte. So musste der Favorit der Gruppe A gegen effektive Griechen eine empfindliche Start-Niederlage einstecken.

Spielstatistik Portugal - Griechenland

Portugal

-

Griechenland

1:2 (0:1)

EM 2004, Finalrunde Gruppe A
12.06.2004, 18:00 Uhr
Dragao (Porto), 48.800 Zuschauer
Schiedsrichter: Pierluigi Collina (Italien)
Tore
0:1 Giorgios Karagounis 6. (Rechtsschuss)
0:2 Angelos Basinas 51. (Foulelfmeter, Ronaldo an Seitardis)
1:2 Cristiano Ronaldo 90. (Kopfball, Figo)
Aufstellung Portugal
Ricardo (3,5)
Paulo Ferreira (4,5)
Manuel Fernando Couto (3,5)
Jorge Andrade (4,5)
Rui Jorge (3,5)
Figo (2,5)
Costinha (4,0)
Rui Costa (4,5)
Maniche (3,0)
Simao (4,0)
Pedro Pauleta (4,0)
Wechsel Portugal
Cristiano Ronaldo
für Simao
(3,0)
(46.)
Deco
für Rui Costa
(2,5)
(46.)
Nuno Gomes
für Costinha
(―)
(66.)
Karten Portugal
Gelb für Costinha
Gelb für Pedro Pauleta