Spielbericht Frankreich - England

In der Nachspielzeit die sensationelle Wende

Drehte per Freistoß und Elfer die Partie in der Nachspielzeit: Zinedine ZidaneDrehte per Freistoß und Elfer die Partie in der Nachspielzeit: Zinedine Zidane

Erinnerungen an die Niederlage des FC Bayern gegen ManU in im CL-Finale wurden wach, als die Franzosen das Spitzenspiel der Gruppe B noch in der Nachspielzeit zu ihren Gunsten drehten.

Intensiver Beginn dieser mit Spannung erwarteten Partie zweier Hochkaräter des europäischen Fußballs. Viera (1.) und Scholes (5.) konnten nur knapp an ersten Einschüssen gehindert werden. Leichte Vorteile erspielten sich die etwas druckvolleren Franzosen in der folgenden Viertelstunde, während England nur punktuell über die rechte Seite (Beckham, Rooney) Entlastung schaffte. Durch ihre Zweikampfstärke gelang es den Briten allerdings, den Druck der Franzosen immer wieder herauszunehmen. An Torchancen mangelte es bis über die Mitte des ersten Durchgangs hinaus, da sich die Teams selbst im Mittelfeld kaum einen Zentimeter Spielraum ließen. Ein Freistoß von Beckham in der 38. Minute aus dem rechten Halbfeld kam dann scharf angeschnitten in den Spielerpulk vor das Tor von Barthez. Lampard sprang dort höher als Silvestre und wuchtete die Kugel unhaltbar zum 1:0 ins Netz. Vor der Pause kamen die geschockten Franzosen nicht mehr ins Spiel.

Dafür begannen sie unheimlich druckvoll nach dem Wiederanpfiff. Henry (46.), Zidane (49.) und nochmals Henry (49.) hatten plötzlich Chancen wie die ganze erste Hälfte nicht. Doch Torwart James hatte wenig Probleme mit den letztlich doch zu schwach platzierten Abschlüssen. Der erste heftige Schwung hielt jedoch nicht lange an, denn die Engländer stellten sich wieder besser auf die französische Offensive ein. Einige Fernschüsse der Santini-Elf gingen meist weit am Kasten vorbei und zeugten in dieser Phase von der Ideenlosigkeit Frankreichs. Dann brach plötzlich der junge Rooney mit einem Pass durch, den er an der Mittellinie aufnahm, über seinen Gegenspieler hinweg jonglierte und bis in den französischen Strafraum vorpreschte, wo ihn Silvestre schließlich unsanft bremste. Doch Barthez hielt mit toller Parade den scharfen Elfer seines ehemaligen Mannschaftskameraden von ManU (73.), David Beckham. Nach einer Wechselorgie innerhalb der nächsten Minuten rannten die Franzosen immer verzweifelter gegen das britische Abwehrbollwerk an und fanden trotzdem kaum eine Lücke. Dann foulte Heskey seinen Gegenspieler ca. 23 Meter vor dem eigenen Tor - es war bereits die erste Minute der Nachspielzeit. Zidane zirkelte den Freistoß scharf ins äußerste linke Eck. Kaum war der Ball nach dem Anstoß wieder im Spiel, geriet Gerrard im Mittelfeld etwas in Panik und spielte den Ball zum Torwart zurück. Er hatte jedoch den heransprintenden Henry unbeachtet gelassen, der etwas früher als James am Ball war und dadurch ungebremst vom Keeper mit voller Wucht ausgehebelt wurde. Auch diesen berechtigten Strafstoß schoss Zidane mit Vehemenz ins linke Toreck. Damit hatten die Franzosen das Unmögliche geschafft und - wie damals ManU im CL-Endspiel - in der Nachspielzeit innerhalb einer Spielminute die Partie in spektakulärer Art und Weise gekippt.

Spielstatistik Frankreich - England

Frankreich

-

England

2:1 (0:1)

EM 2004, Finalrunde Gruppe B
13.06.2004, 20:45 Uhr
Da Luz (Lissabon), 65.300 Zuschauer
Schiedsrichter: Dr. Markus Merk (Otterbach)
Tore
0:1 Frank Lampard 39. (Kopfball, Beckham)
1:1 Zinedine Zidane 90. (Freistoß)
2:1 Zinedine Zidane 90. (Foulelfmeter, James an Henry)
Wechsel Frankreich
Sylvain Wiltord
für Robert Pires
(―)
(76.)
Willy Sagnol
für Mikaël Silvestre
(―)
(79.)
Olivier Dacourt
für Claude Makelele
(―)
(90.)
Wechsel England
Darius Vassell
für Michael Owen
(―)
(69.)
Emile Heskey
für Wayne Rooney
(―)
(76.)
Owen Hargreaves
für Paul Scholes
(―)
(76.)
Karten Frankreich
Gelb für Robert Pires
Gelb für Mikaël Silvestre
Karten England
Gelb für Paul Scholes
Gelb für Frank Lampard
Gelb für David James
Besondere Vorkommnisse: Beckham verschießt Foulelfmeter (73.) - Barthez hält (Silvestre an Rooney)