Spielbericht Kroatien - Frankreich

Frankreich enttäuschte

Hielt die französische Abwehr in Atem: Dado PrsoHielt die französische Abwehr in Atem: Dado Prso

Nach einer langweiligen ersten Halbzeit rissen die Kroaten nach der Pause das Ruder herum und brachten die enttäuschenden Franzosen an den Rand einer Niederlage.

Kaum waren die ersten Spielzüge vorbei, offenbarte sich die defensive Taktik der Kroaten, die scheinbar total auf Konter setzten. Frankreich dominierte entsprechend, drängte unaufhörlich und versuchte, über die Flügel hinter die Viererkette zu gelangen. In der ersten Viertelstunde bissen sich "Les Bleus" an der sattelfesten kroatischen Abwehrformation die Zähne aus, auch wenn viel rochiert und schnelle Kombinationen versucht wurden. Ein Glückstor warf die Kroaten dann zurück. Zidane zog vom linken Flügel flankend einen Freistoß vors Tor. Silvestre kam mit der Stiefelspitze, ohne die Richtung zu verändern, an die Kugel. Tudor wurde irritiert, schlug mehr über als gegen den Ball, der im langen Eck landete. Unbeteiligter Zuschauer: Torwart Butina (22.). Es folgten zwei Distanzschüsse von Zidane (24., Freistoß ans Außennetz) und Rosso (26., übers Tor). Doch diese beiden Versuche konnten nicht darüber hinwegtäuschen ­ und die Folgezeit belegte dies ­ dass sich beide Teams in der Vorwärtsbewegung zu statisch bewegten. Bestenfalls über Standards kam der Ball vors Tor, und die waren selten genug und zudem ideenlos ausgeführt. Das Tor war Gift fürs Spiel, denn die Franzosen taten kaum mehr als nötig. Die schönste Aktion war in der 43. Minute zu verzeichnen, als Zidane eine Flanke mit der Hacke vors Tor weiterleitete, wo Gallas das Kunststück fertig brachte, am Tor vorbei zu köpfen. Eine Minute später durfte Barthez dann endlich den ersten Schuss halten, den Rapaic aus 25 Metern abgab.

Sensationeller Auftakt der zweiten Halbzeit: Zuerst riss Silvestre Rosso im Strafraum von hinten um und Rapaic verwandelte den Elfmeter sicher zum Ausgleich (49.). Nur fünf Minuten später schlug Desailly unter dem immensen kroatischen Druck, der folgte, über den Ball. Prso nutzte die Gelegenheit blitzschnell und hämmerte das Spielgerät unhaltbar in die Maschen (51.). Ein Resultat der lethargischen französischen Spielweise. Nun bekam das Spiel die Dynamik, die im gesamten ersten Durchgang fehlte. Doch die Zuspiele der Franzosen in die Spitze blieben weiterhin ideenlos, während das gradlinigere Spiel der Kroaten wesentlich wirkungsvoller anmutete. Doch in der 64. Minute spielte Tudor fahrlässig zurück, Trezeguet sprintete dazwischen, Butina schoss ihn an, so dass der Juventus-Stürmer freie Bahn hatte und ins leere Tor einschob. Doch dieses Tor änderte nichts an den Unzulänglichkeiten der Franzosen in Abwehr und Angriff, denn weder verhinderten sie weitere Stellungsfehler und Abstimmungsprobleme in der Defensive, noch setzten sich Henry und Trezeguet vorne entscheidend in Szene. Fünf Auswechselungen und viele kleine Fouls bremsten die Partie zudem immer wieder aus, so dass die Spannung zwar blieb, das Niveau aber nicht stieg. Die Schlussminuten wurden jedoch noch einmal hektisch. Zuerst musste Butina in der 89. Minute zweimal retten. Einmal per Hechtsprung gegen eine gefährliche Pires-Flanke und Sekunden später wehrte er einen Henry-Linksschuss aus 20 Metern ab. Aber auch Mornar hatte in der Nachspielzeit auf der Gegenseite den Siegtreffer auf dem Fuß, doch er vergab nach schöner Körperdrehung aus vier Metern. Somit blieb es bei einem 2:2, das aus vier Abwehrfehlern entstand.

Spielstatistik Kroatien - Frankreich

Kroatien

-

Frankreich

2:2 (0:1)

EM 2004, Finalrunde Gruppe B
17.06.2004, 20:45 Uhr
Estádio Dr. Magalhães Pessoa (Leiria), 29.200 Zuschauer
Schiedsrichter: Kim Milton Nielsen (Dänemark)
Tore
0:1 Igor Tudor 22. (Eigentor, Zidane)
1:1 Milan Rapaic 49. (Foulelfmeter, Silvestre an Roso)
2:1 Dado Prso 54. (Linksschuss, Rapaic)
2:2 David Trezéguet 64. (Linksschuss)
Wechsel Kroatien
Jerko Leko
für Nenad Bjelica
(―)
(68.)
Ivica Olic
für Tomislav Sokota
(―)
(73.)
Ivica Mornar
für Milan Rapaic
(―)
(87.)
Wechsel Frankreich
Robert Pires
für Sylvain Wiltord
(―)
(70.)
Benoït Pedretti
für Olivier Dacourt
(―)
(79.)
Willy Sagnol
für William Gallas
(―)
(81.)
Karten Kroatien
Gelb für Igor Tudor
Gelb für Giovani Rosso
Gelb für Robert Kovac
Gelb für Jerko Leko
Karten Frankreich
Gelb für Patrick Vieira
Gelb für Olivier Dacourt