Spielbericht Deutschland - Griechenland

Ein Füllhorn an Alternativen

Stellte umgehend die erneute Führung her: Sami KhediraStellte umgehend die erneute Führung her: Sami Khedira

Siegreich hatte die DFB-Elf schon in den Gruppenspielen agiert - gegen Griechenland zeigte sie nun zudem auch verstärkt ihr spielerisches Potenzial. Die erstmals von Beginn an eingesetzten Klose, Schürrle und Reus wiesen beim 4:2-Erfolg nach, dass der Bundestrainer tatsächlich aus dem Vollen schöpfen kann.

Joachim Löw bewies Mut: Drei neue Startelfkandidaten in der Offensive - ohne Not: eine unkonventionelle Entscheidung. Angesichts der zu erwartetenden defensiven Einstellung der Griechen, deren Dreh- und Angelpunkt Karagounis gesperrt fehlte, erschienen die spielstarken Schürrle, Reus und Klose jedoch als richtige Option. Und der Plan ging auf. Bereits in den ersten Minuten war Griechenlands Strafraum zwar eine vielbevölkerte aber auch durchlässige Zone; Kloses Treffer aus der 4. Minute wurde allerdings zurecht aufgrund einer knappen Abseitsstellung nicht gewertet. Das Konzept, die griechische Abwehr wechselnd über die Außenpositionen (links Schürrle, rechts Reus) zu verunsichern, funktionierte. Özil fungierte laufstark und überall sehr präsent als Ballverteiler; abgesehen von den Innenverteidigern hatten indes alle DFB-Akteure ihren Anteil am druckvollen Spiel der Deutschen. An Chancen mangelte es nicht, nur die Treffsicherheit ließ noch Luft nach oben. Allein Reus, der ein belebendes Element darstellte, zog mehrmals aus guter Position ab (11./24./25.) ohne zu treffen. Özil (23.), Schürrle (32.) und Khedira (36.) verpassten die in der Luft liegende Führung ebenfalls, da nahm sich der Kapitän der Sache an. Auf halblinks pflückte Lahm einen Diagonalpass Özils mit der Brust herunter, zog ins Zentrum und markierte aus 18 Metern die überfällige Führung (39.). In der Nachspielzeit hätte Schürrle den Spielverlauf noch besser ausdrücken können, traf jedoch nur ans Außennetz. Die Griechen kamen zwei Mal vors deutsche Tor, doch Neuer war schneller am Ball als Salpingidis (27.) und fing auch einen Schuss von Ninis ab (32.).

Fernando Santos nahm zur Halbzeit zwei Wechsel vor. Dass Griechenland vollkommen überraschend den Ausgleich markierte, war allerdings mehr dem gelegentlich laxen Spiel der Deutschen geschuldet, die sich doch einige unnötige Ballverluste leisteten. Ein solcher leitete Griechenlands erfolgreichen Konter aus der 55. Minute ein. Salpingidis raste rechts durch und flankte perfekt zu Samaras, der aus kurzer Distanz zum 1:1 vollstreckte (55.), ins Zentrum. Eine Zitterphase blieb den Deutschen aber erspart. Unbeeindruckt setzten sie auf ihre besseren Fähigkeiten, griffen an und wurden in der 61. Minute belohnt. Khedira krönte sein starkes Spiel mit dem Volleytreffer zum 2:1, nachdem Boateng von rechts in Griechenlands 16er geflankt hatte. Kurz flackerte der Widerstand der Hellenen auf, als Gekas aus 16 Metern zum Schuss kam, das Visier aber deutlich zu hoch eingestellt hatte (63.). Mit Kloses Kopfballtreffer zum 3:1 (68.) war dann die Luft raus. Zu deutlich dominierte Löws Team, offensichtlich fähig, immer noch einen Gang zuzulegen. Die Griechen konnten das Kombinationsspiel ihrer Kontrahenten nicht unterbinden. Schlussmann Sifakis konnte Kloses Schuss aus kurzer Distanz noch parieren, gegen den volley reingehämmerten Nachschuss von Reus war er jedoch völlig machtlos (74.). Deutschland kontrollierte die Restspielzeit sicher; dass Griechenland per Handelfmeter noch verkürzte erschreckte niemanden mehr. Boateng war von einer Flanke Torosidis‘ an der Hand getreffen worden, Salpingindis verwandelte sicher (89.). Hummels konnte kurz zuvor noch seine Klasse zeigen, als er dem durchgebrochenen Samaras im 16er den Ball vom Fuß nahm (85).

André Schulin

Die Spielstatistik Deutschland - Griechenland

Deutschland

-

Griechenland

4:2 (1:0)

EM 2012, Viertelfinale
22.06.2012, 20:45 Uhr
PGE Arena (Danzig), 38.800 Zuschauer
Schiedsrichter: Damir Skomina (Slowenien)
Tore
1:0 Philipp Lahm 39. (Rechtsschuss, Özil)
1:1 Georgios Samaras 55. (Rechtsschuss, Salpingidis)
2:1 Sami Khedira 61. (Rechtsschuss, Boateng)
3:1 Miroslav Klose 68. (Kopfball, Özil)
4:1 Marco Reus 74. (Rechtsschuss, Klose)
4:2 Dimitrios Salpingidis 89. (Handelfmeter, Handspiel: Boateng)
Wechsel Deutschland
Thomas Müller
für Andre Schürrle
(―)
(67.)
Mario Gomez
für Miroslav Klose
(―)
(80.)
Mario Götze
für Marco Reus
(―)
(80.)
Karten Deutschland
keine
Karten Griechenland
Gelb für Georgios Samaras
Gelb für Sokratis