Eingewechselt und sofort den wichtigen Ausgleich geköpft:
Im eisigen Petersburger Petrovski-Stadion gingen die Nürnberger zunächst in Front, sahen sich dann innerhalb weniger Minuten im Hintertreffen und schlugen schließlich noch einmal zurück. Der Club hatte den Punkt auch dringend nötig, um vor den zwei abschließenden Gruppenspielen eine realistische Chance aufs Weiterkommen zu besitzen.
Beide Mannschaften hatten zuletzt mit Erfolgen in der Liga etwas für ihr Selbstbewusstsein getan. Allerdings in völlig unterschiedlichem Ausmaß: Während den Gästen gegen Dortmund lediglich ein Dreier im Kampf um den Klassenerhalt gelang, bejubelten die von Schalke-Sponsor Gazprom beträchtlich unterstützten Petersburger den ersten Gewinn der russischen Meisterschaft seit 23 Jahren. Dass der historische Triumph schon fast drei Wochen zurücklag, schien die vom Niederländer Dick Advocaat gecoachten Hausherren nicht zu irritieren. Denn Zenit begann, wie man es von einem Favoriten erwartet und hätte durch Pavel Pogrebnyak einen frühen Vorsprung herausschießen können. Den Angriff durch das offene fränkische Abwehrzentrum vermochte der torgefährlichste Mann der Russen jedoch nicht erfolgreich abzuschließen (16.). Nach dieser Szene waren die Nürnberger wach und machten sich ihrerseits immer häufiger in die gegnerische Hälfte auf. Für die ersten gehaltvollen Gelegenheiten zeichnete sich Marek Mintal mit einem Linkschuss (19., knapp vorbei) und einem zu hohen Volleyversuch innerhalb des 16-Meter-Raums (22.) verantwortlich. Mehr Fortune im Abschluss hatte vier Minuten später Angelos Charisteas, der zunächst einen Doppelpass mit Misimovic spielte und anschließend vom linken Strafraumeck einnetzte. Teilen musste sich der griechische Nationalspieler den Treffer jedoch mit dem unglücklich abfälschenden Lombaerts sowie mit Zenit-Keeper Contofalsky, der die länger und länger werdende Bogenlampe durchaus noch aus dem langen Eck hätte fischen können. Es dauerte nur 60 Sekunden, da verlieh die Advocaat-Truppe ihrer Wut über den Rückstand in Person von Eigengewächs Arshavin, der es mit einem etwas zu druckintensiven Lupfer versuchte, Ausdruck. Wirklich in Bedrängnis geriet der bis dahin gut mitspielende Club aber erst in den letzten Minuten des ersten Durchgangs, in denen Schlussmann Jaromir Blazek einige tückische Versuche der Russen abwehrte dies aber dummerweise fast ausschließlich in die Mitte. So durften sich die Gäste äußerst glücklich schätzen, dass sowohl Pogrebnyak (37.) als auch Kim (43.) ihren Nachschüssen aus wenigen Metern Entfernung nichts Positives abgewinnen konnten.
Die Petersburger waren bemüht, die Offensive nach dem Seitenwechsel fortzusetzen. Mehr als eine Möglichkeit durch den Argentinier Dominguez, der, am zweiten Pfosten lauernd, eine Hereingabe Tymoshchuks von links mit der Innenseite vergab (55.), brachten die Anstrengungen zunächst allerdings nicht hervor. Stattdessen konnte der deutsche Pokalsieger immer wieder für Entlastung sorgen und sich selbst einige gute Chancen herausarbeiten. Die hochprozentigste besaß der bei seinem „Heimspiel“ nur eingewechselte Ivan Saenko, der nach einem Misimovic-Pass Contofalsky umdribbelte, mit seinem Schuss aber nicht am auf der Torlinie stehenden Kim vorbeifand (57.). Eine weitere nennenswerte Gelegenheit aus 16 Metern versiebte in der 69. Minute Mintal im Anschluss an den zweiten gelungenen Doppelpass zwischen Charisteas und Misimovic. Das in der Folgezeit an den Tag gelegte Abwehrverhalten auf der linken Nürnberger Seite sorgte maßgeblich dafür, dass Zenit binnen 240 Sekunden das Ergebnis drehte. Nachdem Pogrebnyak eine flache Hereingabe von Zyraniov ohne Gegenwehr aus kurzer Distanz eingeschoben hatte (76.), setzte sich der Vollstrecker im Zweikampf gegen den in dieser Phase sehr schlafmützigen Linksverteidiger Marco Engelhardt durch und legte zurück auf Arshavin. Dessen Schuss ging zwar nicht aufs Tor, dafür aber genau zum eingewechselten Aleksei Ionov 2:1 (79.). Die in Anbetracht der Chancenverteilung zweifellos verdiente Führung hielt jedoch aufgrund der vorbildlichen Moral der Gäste nur fünf Minuten: Der gerade erst für Engelhardt ins Spiel gebrachte Leon Benko nutzte eine Ecke von Misimovic und den anschließenden Patzer Contofalskys per Kopf zum Ausgleich. Trotz einer weiteren Möglichkeit für Arshavin (85., Außenpfosten) hatte dieser bis zum Schlusspfiff Bestand.
Christian Brackhagen
Zenit St. Petersburg
| Tore | |||
|---|---|---|---|
| 0:1 | Angelos Charisteas | 26. | (Rechtsschuss, Misimovic) |
| 1:1 | Pavel Pogrebnyak | 76. | (Rechtsschuss, Zyryanov) |
| 2:1 | Aleksey Ionov | 79. | (Rechtsschuss, Arshavin) |
| 2:2 | Leon Benko | 84. | (Kopfball, Misimovic) |
Aufstellung Nürnberg |
|---|
| Jaromir Blazek |
| Dominik Reinhardt |
| Andreas Wolf |
| Michael Beauchamp |
| Marco Engelhardt |
| Nicky Adler |
| Tomás Galásek |
| Peer Kluge |
| Marek Mintál |
| Zvjezdan Misimovic |
| Angelos Charisteas |
Wechsel St. Petersburg![]() |
|
|---|---|
| Aleksey Ionov für Nicolas Lombaerts |
(72.) |
| Vladislav Radimov für Alejandro Dominguez |
(81.) |
Wechsel Nürnberg |
|
|---|---|
| Ivan Saenko für Nicky Adler |
(46.) |
| Jan Kristiansen für Marek Mintál |
(75.) |
| Leon Benko für Marco Engelhardt |
(82.) |
Karten St. Petersburg![]() |
|
|---|---|
| Gelb für | Alexandr Anyukov |
| Gelb für | Martin Skrtel |
Karten Nürnberg |
|
|---|---|
| Gelb für | Michael Beauchamp |
Trainer St. Petersburg![]() |
|---|
| Dick Advocaat |
Trainer Nürnberg |
|---|
| Hans Meyer |