Spielbericht England - Deutschland

Das beste Team holte den Titel

Keine traf öfter als sie: Inka GringsKeine traf öfter als sie: Inka Grings

Deutschland wurde seiner Favoritenrolle auch im Endspiel gerecht. Der siebte EM-Titelgewinn war umso wertvoller, da sich England als respektabler Finalgegner erwies, der Silvia Neids Auswahl über eine Stunde lang alles abverlangte.

„Es gab in diesem Finale zwei gute Teams“, meinte Bundestrainerin Silvia Neid und lag mit dieser Einschätzung richtig. Ihre Elf war jedoch die bessere, was später im vielleicht etwas zu üppig geratenen Endresultat Widerhall fand. Zunächst jedoch begegneten sich die Finalisten auf Augenhöhe. Eine Chance von Prinz, die frei vor Englands Keeperin Brown im Sechzehner in letzter Sekunde noch vom Ball getrennt wurde, eröffnete den temporeichen Schlagabtausch einer niemals langweiligen Partie (4.). Das Team von Englands Trainerin Hope Powell, das noch nie gegen die DFB-Auswahl gewinnen konnte, verpasste die mögliche Führung hauchdünn, als ein von Williams getretener Freistoß aus gut 20 Metern Torentfernung knapp am rechten Pfosten vorbeisegelte (9.). Man (frau) ging richtig zur Sache, die Unparteiische musste das Spiel mehrfach unterbrechen. Den Pfiff aus der 20. Minute nahm die DFB-Auswahl jedoch hoch erfreut zur Kenntnis: Nach erstklassiger Vorarbeit von Laudehr und Grings vollendete Prinz aus bedrängter Position zum 1:0. Und es wurde noch besser. Nur zwei Minuten später wagte Behringer aus großer Distanz (etwa 35 Meter) einen Torschuss - vehement schlug das Leder im Kasten der Britinnen ein. Für Augenblicke schien es, als sollte eine Vorentscheidung gefallen sein. Ein Trugschluss, denn Smith fummelte sich links im deutschen Sechzehner fast auf der Torauslinie durch und passte zu Carney, die aus Nahdistanz auf 1:2 verkürzte (24.). Das war das Signal für die Engländerinnen, ihr aggressives Spiel fortzusetzen. Bis zur Pause wogte die verbissen geführte Partie hin und her.

Die deutsche Auswahl kam entschlossener aus der Kabine und wurde dafür schnell belohnt: Im Anschluss an eine Ecke knallte Laudehr das Leder an den rechten Pfosten; der Abpraller irrte so lange durch den Strafraum, bis Kulig die Pille wuchtig zum 3:1 ins Netz drosch (51.). Darauf konnten die Gegnerinnen jedoch nochmals reagieren: Die unermüdliche Carney leistete die Vorarbeit und Smith ließ mit all ihrer Routine Krahn aussteigen und platzierte die Kugel unerreichbar für Angerer im langen Eck zum 2:3 (55.). Bevor es nochmals richtig brenzlig werden konnte, führte das DFB-Team mit dem Treffer zum 4:2 eine Vorentscheidung herbei. Garefrekes schickte eine perfekt getimte Flanke zu Grings, die mit einem ebenso perfekten Kopfball traf (62.). Jetzt zeigte England Wirkung und Grings (73., nach schönem Solo) und Prinz (76., mit fulminanter Schusskraft) schraubten den Sieg auf 6:2 hoch. Inka Grings avancierte mit sechs Treffern zur besten Goalgetterin des Turniers, das die deutsche Elf zu Recht gewann - zum fünften Mal in Folge.

André Schulin