Freundschaftsspiele

Spielbericht Italien - Deutschland

Mamma mia...

Immer wieder an gefährlichen Aktionen beteiligt: Alessandro del PieroImmer wieder an gefährlichen Aktionen beteiligt: Alessandro del Piero

Was als ernsthafter WM-Test gedacht war, wurde zum ernsthaften Ärgernis. Wollte die deutsche Elf tatsächlich eine aussagekräftige Standortbestimmung, hätte sie die Italiener fordern müssen. Tat sie aber nicht, und so wurde nur klar, was ohnehin jeder wusste: Es nur mit körperlosem Spiel gegen die Azzurri aufnehmen zu wollen, ist sinnlos.

Personaldiskussion hin oder her - eine Mannschaft, die in ein Länderspiel mit der Einstellung einer zusammengewürfelten Touristengruppe geht, kann nicht erwarten, irgendetwas Vorzeigbares zu erreichen. Die Italiener nahmen den ihnen gewährten Freiraum gern an, was insbesondere beim 2:0 sichtbar wurde. Das erste Gegentor, einer Freistoßflanke Del Pieros in den vollbesetzten deutschen Sechzehner entspringend, war von der Marke, wie es immer mal passieren kann: Ein Italiener, Cannavaro, erwischte die Flanke mit dem Kopf. Lehmann wehrte reflexartig ab, aber das Leder fiel Gilardino vor die Füße, der zum 1:0 für Italien einschoss (4.). Der zweite Treffer war dann von der fehlerhaften Art. Die komplett bis auf einen Meter hinter die Mittellinie aufgerückte Viererabwehrkette war plötzlich ausgehebelt, als Deisler ein krasser Fehlpass auf Camoranesi unterlief. Der Juve-Akteur bediente Gilardino und ab ging der Konter-Express, den die deutsche Abwehr nicht mehr stoppen konnte. Auf Sechzehner-Höhe spielte Gilardino zum mitgelaufenen Luca Toni, der die Kugel zum zweiten Treffer der Gastgeber über die Linie brachte (7.). Im sicheren Gefühl geklärter Verhältnisse ließen die Italiener nun den Ball zirkulieren, wobei vor allem Del Piero über links Kostproben seiner Ballfertigkeit lieferte. Die deutsche Elf kam langsam zu mehr Spielanteilen, arbeitete sich - vorwiegend auch über die linke Seite - in des Gegners Hälfte vor. Allerdings gipfelten die Bemühungen nur in einer echten Torchance, als Deisler aus zentraler Position an Buffon scheiterte (24.). Beim dritten Treffer der Azzurri war die deutsche Mannschaft als Augenzeuge zugegen. Nach einer Vollversammlung im Sechzehner schlug Podolski den Ball zunächst aus der Gefahrenzone. Schneller als erwartet kam die Pille jedoch zurück. Camoranesi köpfte in die Mitte, wo De Rossi seinen Schädel hinhielt und aus kurzer Distanz traf (39.).

Aufmerksamer und engagierter starteten die Deutschen in die zweiten 45 Minuten. Ein schöner Angriff wurde von Schneider abgeschlossen, dessen Innenseitenschuss von der Strafraumgrenze nur hauchdünn über die Querlatte strich (56.). Fast im Gegenzug vollendeten die Italiener spielerisch das 4:0. Mit Diagonalpässen ließen sie die Deutschen ins Leere laufen; der fast bis auf die Grundlinie durchgestartete Camoranesi legte per Kopf auf Del Piero zurück, der seine starke Vorstellung ebenfalls per Kopfballtreffer (57.) krönte. Der DFB-Elf gelang nur noch der Ehrentreffer, als in der 82. Minute ein Eckstoß Deislers Huth vor die Füße fiel, den der wuchtige Abwehrspieler ins Netz donnerte. Von den vor dem Spiel gehegten Hoffnungen, endlich mal wieder einen der "Großen" des Weltfußballs zu schlagen, war die Klinsmann-Truppe weit entfernt. Der Erfolg der Azzurri war zu keiner Zeit gefährdet.

André Schulin