Freundschaftsspiele

Spielbericht Deutschland - Dänemark

Dänemark wahrte die Ehre

Im ersten Länderspiel gleich eine sichere Bank: Robert EnkeIm ersten Länderspiel gleich eine sichere Bank: Robert Enke

Wie angedroht mussten die Skandinavier der deutschen Auswahl als Versuchsgegner dienen. Jogi Löw stellte ein buntes Reserveteam zusammen, in dem letztlich sechs Spieler debütierten und das entsprechend unharmonisch funktionierte. Über fast die komplette Dauer bestimmten die Gäste das Geschehen und bestraften den Etikettenschwindel kurz vor Schluss mit dem verdienten Siegtor.

Einzig Jansen und Kuranyi waren aus der Siegerelf gegen Tschechien übrig geblieben, wobei der Schalker mit 36 Länderspielen schon als alter Hase gelten musste - der Rest der Kollegen kam auf insgesamt 50 Einsätze. Simon Rolfes, Roberto Hilbert und Robert Enke waren gar zum ersten Mal dabei, und der Schlussmann aus Hannover konnte sich von Beginn an auch prächtig auszeichnen, schon nach einer Minute lenkte er einen Kopfball von Agger um den Pfosten. Als Trochowski gleich darauf noch auf der Linie klärte, drohte das deutsche Experiment schon kläglich zu scheitern. Zumindest vom Strafraum aber konnten die wütenden Dänen dann vorerst ferngehalten werden, obgleich die Gäste unvermindert und kaum überraschend das reifere Spiel zeigten. Deutschland dagegen tat sich eher durch Einzelaktionen hervor. So vergab Schlaudraff nach 20 Minuten eine erste gute Gelegenheit und prüfte bald darauf im Zusammenspiel mit Rolfes Schlussmann Sörensen aus dem Halbfeld (34.). Erheblich gefährlicher aber blieben die Dänen. Kurz vor der Halbzeit tauchte nach vielfacher Ankündigung Bendtner vor dem Tor auf, traf aber aus 13 Metern nur das Außennetz (40.). Zeitgleich zum Pausenpfiff verhinderte dann wieder Enke einen Rückstand, als er gegen Kahlenberg mit starkem Körpereinsatz den Winkel verkürzte und eine hervorragende Chance so zunichte machte. Der Rest der deutschen Abwehr machte dabei hingegen keine gute Figur.

Als mit Wiederbeginn auch noch Kuranyi in der Kabine blieb, musste schon Hitzlsperger die Kapitänsbinde tragen. Mit Stefan Kießling kam Debütant Nummer vier. Gefährlich wurde es aber wieder auf der anderen Seite, als Tomasson aus guter Lage zum Schuss kam, statt ins Tor aber den Wolfsburger Madlung traf (49.), welcher wenig später noch einen vermeintlichen Strafstoß verursachte; Andreasens Sturz nach zartem Kontakt wirkte aber zu billig (56.). Weil auch die Gäste inzwischen fünf Mal gewechselt hatten, ging der Partie einiges an Schwung verloren. Fast beliebig schenkte Joachim Löw auch noch Castro und Helmes ihre ersten Länderspiele, deren Bedeutung aber fast inflationär abnahm, zumal es längst kein Mannschaftsgefüge mehr gab, in dem sich die Neuen erproben konnten. Patrick Helmes nutzte seine Chance dennoch, um sich mehrfach in Szene zu setzen. Gleich mit dem ersten Ballkontakt vergab er die bislang gefährlichste aller deutschen Chancen, als er Freiers Zuspiel knapp neben das Tor setzte (80.). In der starken Schlussphase scheiterte der Kölner dann noch am dänischen Torwart (84.) und einmal gar am Querbalken (88.). Unterbrochen wurde der deutsche Aufschwung allerdings durch das Siegtor der Gäste: Nach 80 Minuten schloss Bendtner einen sauberen Konter ab, bei dem sich vor allem Grönkjaer mit einem Übersteiger gegen Madlung verdient machte. Zweifel über die Berechtigung kamen keine auf, zumal das Olsen-Team noch kurz vor dem Treffer zweimal fast in Führung gegangen wäre (69./71.). So löste Dänemark die undankbare Aufgabe letztlich immerhin zufrieden stellend. Aus deutscher Sicht war mehr als eine Debütantenflut kaum festzuhalten. Zumindest negativ fiel kein einziger Neuling auf, und vor allem Robert Enke empfahl sich auch für ernstere Aufgaben.

Maik Großmann