Freundschaftsspiele

Spielbericht Deutschland - Weißrussland

Noch viel zu tun

Sinnbild der durchwachsenen deutschen Vorstellung:
Jens LehmannSinnbild der durchwachsenen deutschen Vorstellung:

Jens Lehmann

Elf Tage vor EM-Start zeigte sich die deutsche Mannschaft von ihrer gefürchteten Turnierform noch weit entfernt. Müde im Aufbauspiel und wacklig in der Abwehr verspielte das Löw-Team eine ohnehin schale Pausenführung und erreichte gegen einen Gegner der B-Kategorie nur ein enttäuschendes 2:2. Aufschlüsse über die Streichkandidaten ergaben sich nicht.

Aus dem vermeintlichen Feinschliff für den Stamm wurde plötzlich doch wieder nur eine Testpartie, als Joachim Löw überraschend David Odonkor in die Startelf bugsierte. Unabhängig von seiner Person fand die deutsche Elf recht behäbig in die Begegnung und ließ sich von den Gästen sogar beinahe düpieren, als Vyacheslav Hleb gleich nach zwei Minuten gefährlich zum Abschluss kam. Zwar glich Thomas Hitzlsperger das Chancenverhältnis sofort wieder aus (4.), das änderte aber nichts daran, dass der DFB-Motor im ersten Durchgang nicht anspringen wollte. Die Weißrussen um den Weltenbummler Bernd Stange ließen sich wenig gefallen und stachen vor allem über die ehemaligen Bundesligabrüder Hleb immer wieder frech in die Spitze. Romashchenko etwa konnte gleich mehrfach entwischen und düpierte nicht nur die schwachen Metzelder und Hitzlsperger, sondern einmal auch Jens Lehmann (24.), der gleich darauf noch mit einem Putsilo-Distanzschuss Probleme bekam (28.). Die Unsicherheiten in der deutschen Abwehr waren insgesamt bedenklich, doch hatte nicht nur deswegen die 2:0-Halbzeitführung einen seltsamen Beigeschmack. Der erste Treffer ging zwar auf eine schöne Kombination zwischen Podolski und Klose zurück, doch stand Letzterer beim Zuspiel klar im Abseits und konnte nur deswegen recht mühelos das 1:0 markieren (9.). Elf Minuten später dann, in einer der besseren deutschen Phasen, war es ein Weißrusse, der Odonkors Flanke in Empfang nahm und reichlich ungeschickt in die eigenen Maschen bugsierte. Eigene Chancen verbuchte Deutschland durch Klose (33.) und zweimal Ballack (42./43.), der ansonsten eher wenig in Erscheinung trat.

Aus der Kabine kam der Kapitän dann nicht mehr zurück, da er ebenso wie Schweinsteiger, Klose, Podolski und Frings Platz machte für die weiteren Testkandidaten ­ Marko Marin etwa debütierte im DFB-Trikot. Der Tatendrang der Neuen wirkte grundsätzlich erfrischend, doch wurde das Gesamtgefüge zu sehr gestört, um die anhaltend frechen Weißrussen aufzuhalten. Sitko (50.) und einmal mehr Aliaksandr Hleb (59.) kamen dem Anschlusstreffer schon reichlich nah, ehe zwei Umdrehungen später Bulyga dann allein aufs deutsche Tor zulief und wie mehrfach angekündigt auch hineinschoss ­ erstmals seit 681 Minuten wurde Jens Lehmann damit wieder bezwungen. Direkt nach dieser Szene fand die deutsche Elf zu ihrer energischsten Phase, eroberte das Mittelfeld zurück und schnürte den Gegner zeitweise bedrohlich hinten ein. Nachdem Patrick Helmes und mehrfach Piotr Trochowski aber gute Chancen aufs 3:1 vergeben hatten, holte sich die Stange-Elf doch noch ihren nicht unverdienten Lohn. Rodionov, ebenfalls eingewechselt, scheiterte zunächst noch an Lehmann (84.), doch durchdrang Bulyga die deutsche Verteidigung dann ebenso leicht und bezwang den vereinslosen Schlussmann mit einem haltbaren Flachschuss zum ungemütlichen 2:2-Endstand (88.), für den am Ende weniger die Streichkandidaten als die eigentlich erfahrene deutsche Abwehr Pate stand. Vor allem Jens Lehmann und Christoph Metzelder war ihre fehlende Spielpraxis immer wieder anzusehen.

Maik Großmann