17.02.2012 13:21Europa League

Mit Sobiech kam die Wende

Seine Einwechslung machte sich bezahlt: Artur SobiechSeine Einwechslung machte sich bezahlt: Artur Sobiech

Hannover ging nach überzeugender kämpferischer Leistung als hoch verdienter 2:1-Sieger aus dem Hinspiel gegen den FC Brügge hervor. Die Belgier deuteten jedoch an, jederzeit zu gefährlichen Gegenstößen in der Lage zu sein.

In der Anfangsphase schien es so, als könnten die 96er das Spiel nach ihren Vorstellungen gestalten. Neuzugang Mame Diouf war in fast alle Vorstöße eingebunden und gefiel mit Schnelligkeit und Ballsicherheit. Auch bei der ersten richtig guten Chance stand der Senegalese im Mittelpunkt - schoss allerdings einen am Boden liegenden Abwehrspieler der Gäste an (9.). Pintos Gewaltschuss aus etwa 20 Metern, zwei Minuten später, verfehlte das Ziel auch nur knapp. Dann jedoch hatte Brügge sich formiert, blockte Hannover weit vor dem eigenen Sechzehner ab und strahlte mit schnörkellosem Spiel in die Spitze seinerseits Torgefahr aus. Zwei Situationen - als Refaelov nach Panders Fehlpass zum Abschluss kam (27., Zieler parierte) und Jordis Kopfball (28., knapp links vorbei) - überstanden die „Roten“ unbeschadet in einer Phase, in der das Spiel härter wurde und die Gäste leichte Feldvorteile verbuchten. Ende der ersten Halbzeit legten die 96er noch einen schönen Angriffszug auf den Rasen, als Schlaudraff für den heran stürmenden Rausch auflegte, dessen Außenrist-Abschluss jedoch das Tor verfehlte. Das Unentschieden zur Pause ging in Ordnung.

Hannover kam druckvoll aus der Kabine zurück. Schmiedebachs fast aus dem Stand getretenem Schlenzer fehlte vielleicht etwas Tempo, sonst wäre Kujovic nicht mehr herangekommen. Somit hielt Brügges Keeper - die nominelle Nr. 2 der Belgier, da Stammtorwart Jorgacevic nicht für die Europa League gemeldet wurde - den Gast im Spiel, der ziemlich überraschend in Führung ging. Mit dem ersten Vorstoß in der zweiten Hälfte machte Brügge das 1:0, nachdem der zentral frei stehende Lestienne eine weite Flanke Stenmans vom linken Flügel aus elf Metern per Kopf ins Tor wuchtete (51.). Was folgte, war Europapokal-Atmosphäre pur, mit diversen dramatischen Einlagen. Hannover brauchte nicht lange, um im Vorwärtsgang hoch zuschalten, wurde jedoch zunächst zweimal von den Unparteiischen ausgebremst. Dass Schlaudraff innerhalb des Strafraums gefoult wurde, und nicht wie von Schiedsrichter Sousa gesehen, knapp außerhalb (59.), war zugegebenermaßen eine schwer erkennbare Situation. Krass falsch beurteilt wurde jedoch jene Szene, als Brügges Verteidiger Jordi im Laufduell mit Stindl wegrutschte. Der Hannoveraner kam somit noch ans Leder, flankte nach innen und Donk fabrizierte ein einwandfreies Eigentor (70.). Da der Linienrichter jedoch ein Foul Stindls gesehen haben wollte, zählte der Treffer nicht. Der eingewechselte Sobiech ließ den Ärger der weiterhin anstürmenden 96er kurz darauf abebben: Nach Dioufs Kopfballvorlage drückte der Pole die Kugel aus kurzer Distanz zum 1:1 ins Netz (73.). Als Sobiech im Laufduell mit Donk dann im Gästestrafraum zu Fall kam, wählte der Schiedsrichter eine Hannover-freundliche Entscheidung: Strafstoß. Schlaudraff spekulierte frech darauf, dass der Keeper sich für eine Ecke entscheiden würde - womit er richtig lag - und lupfte den Ball einfach in die Tormitte (80.). Beim 2:1 blieb es, obwohl Diouf (90.) und Rausch (90. + 2) noch Riesenmöglichkeiten zu erhöhen hatten, aber auch Brügge hätte durch Meunier (82.) noch treffen können.

André Schulin