20.03.2013 10:22Europa League

So attraktiv wie der Intertoto-Cup

Mit den Blues ein ungewohnter Gast in der Europa League: John TerryMit den Blues ein ungewohnter Gast in der Europa League: John Terry

Mit dem Chelsea FC ist in dieser Saison zum ersten Mal ein amtierender Champions-League-Sieger in der Europa League gelandet. Aber dennoch ist der Wettbewerb so unattraktiv wie selten zuvor.

Manchester City blieb dank einer lustlosen Vorstellung im letzten Champions-League-Gruppenspiel bei Borussia Dortmunds 1B-Elf (0:1) die "Trostrunde" in der Europa League erspart. Beim FC Chelsea, als erster amtierender Champions-League-Sieger in der Europa League gelandet, darf ruhig die Frage gestellt werden, ob sie gewollt das Viertelfinale in der zweiten Liga des internationalen Fußballs erreicht oder sich gegen Sparta Prag und Steaua Bukarest nur zu dusselig fürs Ausscheiden angestellt haben. Auch in Deutschland ist die Europa League nicht sonderlich attraktiv. Bayer Leverkusen trat in sieben von acht Europapokalspielen in dieser Saison nur mit einer verstärkten B-Elf an. Im achten Spiel griff die Werkself zwar auf ihre Bestbesetzung zurück, aber das Aus in der Zwischenrunde gegen Benfica Lissabon (0:1/1:2) konnte sie nicht mehr verhindern. Der SC Freiburg, als Pokal-Halbfinalist und Tabellenneunter Europa-League-gefährdet, ließ schon mal verlautbaren, dass die Teilnahme an diesem Wettbewerb nicht unbedingt erstrebenswert sei. "Wir sind ein gebranntes Kind. Freiburg hat zweimal im UEFA-Pokal gespielt und ist in diesen Spielzeiten oder ein Jahr später abgestiegen", sagte der Sportdirektor der Breisgauer, Dirk Dufner, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Lichtgestalt Franz Beckenbauer bezeichnete den UEFA-Cup, den Vorgänger der Europa League, als "Cup der Verlierer". Und das noch zu Zeiten, als die Halbfinals im sogenannten "Verlierer-Cup" Bayern München gegen den FC Barcelona (1995/96) oder Inter Mailand gegen AS Monaco (1996/97) hießen. Im Laufe der Zeit und mit der Aufstockung der Champions League wurde der UEFA-Cup jedoch erheblich unattraktiver. Daran änderte auch die Namensänderung in Europa League und die Einführung einer Zentralvermarktung á la Champions League vor vier Jahren nichts. Zum Vergleich: In der Königsklasse erhalten die Teilnehmer jeweils 8,6 Millionen Euro Startgeld, in der Euro-League lediglich 1,3 Millionen Euro. Auch die Prämien und die Gelder aus dem Marktpool, der sich aus den Fernseheinnahmen zusammensetzt, unterscheiden sich deutlich in beiden Wettbewerben. Während sich um die TV-Rechte an der Champions League ZDF und Sat.1 ein Bieterwettstreit lieferten, bot die UEFA hierzulande die Europa League wie Sauerbier an und konnte froh sein, mit Kabel eins überhaupt einen Abnehmer gefunden zu haben. Im Stadion ist die Resonanz nicht besser. Zum Vergleich: Bayer Leverkusen begrüßte in der vergangenen Saison zu seinen vier Champions-League-Heimspielen im Schnitt 27.775 Zuschauer. Zu den vier Europa-League-Heimspielen in dieser Spielzeit kamen im Schnitt lediglich 16.950 Zuschauer. Nur bei Borussia Mönchengladbach und Hannover 96, zwei Traditionsklubs, die jahrelang vom europäischen Wettbewerb abgeschnitten waren, löste die zweite Liga des internationalen Fußballs Euphorie aus.

In der Attraktivität erinnert die Europa League an den Intertoto-Cup, den Wettbewerb, der jahrzehntelang in der Sommerpause für die nationalen Toto-Gesellschaften ausgetragen und Mitte der Neunziger Jahren von der UEFA mit Startplätzen für den UEFA-Pokal aufgewertet wurde. 1995 begann der Wettbewerb nur eine Woche nach dem Ende der Bundesliga-Saison. "Wer dort mitspielt, kann nicht Meister werden", sagte der damalige Bayern-Manager Uli Hoeneß und verzichtete darauf, seinen Verein für den Wettbewerb anzumelden, obwohl die Münchner am Ende sich nur für den UEFA-Pokal qualifizierten, weil Mönchengladbach den DFB-Pokal gewann. Es wurde sogar schlimmer, als Hoeneß es befürchtet hatte. Von den vier deutschen Teilnehmern am UI-Cup fanden sich mit Bayer Leverkusen, dem 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt gleich drei Teams in der Saison 1995/96 im Abstiegskampf wieder. Der Intertoto-Cup wurde von der UEFA mehrmals reformiert und nach dem Jahr 2008 schlussendlich beerdigt. Ein ähnliches Schicksal wird der Europa League sicherlich erspart bleiben. Eine Erhöhung der Attraktivität ist nur auf Kosten der Champions League möglich und deswegen fast schon unmöglich. Stattdessen muss sich der Wettbewerb wohl oder übel mit dem Schicksal als zweite Liga des internationalen Fußballs zufrieden geben.

Senthuran Sivananda