Super League

Spieltag

Spielbericht Young Boys Bern - FC Zürich

Meisterkrimi wieder erst in der letzten Runde aufgelöst

Sein Treffer hielt Zürich auf Kurs: Almen AbdiSein Treffer hielt Zürich auf Kurs: Almen Abdi

In einem abwechslungsreichen und zeitweise nervösen Spiel holte sich der Meister im Berner Wankdorf die drei Punkte, die er dringend brauchte, um sich die Titeloptionen offen zu halten. Die Berner machten zwar viel Druck nach vorne, waren aber weniger effizient als die Gäste.

Im zweitletzten Spiel ging es für beide Mannschaften um viel. Die Young Boys konnten sich mit einem Sieg aus eigener Kraft einen Platz im Europacup sichern. Zürich brauchte einen Sieg, um das Ziel Meisterschaft wahren zu können. Der FCZ trainierte bereits am Vortag auf dem neuen Kunstrasen der Maladière in Neuenburg. Die Erinnerung der Gäste an den 28. Oktober 06 ließ Favre offenbar etwas nervös werden. Die erste Torgefahr ging von den Einheimischen aus, welche in fast kompletter Zusammensetzung antreten konnten. Rochat musste mit unlauteren Mitteln eingreifen und erhielt schon nach acht Minuten die Gelbe Karte. Kurz darauf meldete der Totomat, dass Basel, der letzte Konkurrent um den Titel, in Luzern 2:0 führte. Nach 20 Minuten wurde es erst zweimal ansatzweise ungemütlich vor Leonis Kasten. Wölfli hatte hingegen wenig Arbeit. Vor allem Yapi und Zayatte konnten einige Akzente setzen. Für die Young Boys war es klar, dass sie nur heute die Gelegenheit erhielten, im europäischen Geschäft mitzuwirken. Nicht zuletzt, weil die Verfolger gegeneinander antreten mussten. Im Sankt Jakob Park würde es ungemein schwieriger werden. Nach einer halben Stunde fischte Leoni einen präzisen, aber zu schwach getretenen Freistoss von Varela. Nach einer kurzen Druckphase der Berner setzten diese aber zu träge zur Rückwärtsbewegung an. Santos nutzte dies, brannte links durch und schob die Kugel in die entfernte Torecke. Eine Führung, die nicht dem Spielerlauf entsprach, aber eine folgerichtige Strafe für die zu lockere Haltung der Platzherren war. Das gab dem Spiel Auftrieb. Santos und Raffael waren nun plötzlich immer wieder in der Nähe des Berner Strafraums. Die erste Halbzeit war ein Lehrstück des Meisters in Sachen Effizienz.
In der zweiten Hälfte nahm Favre überraschenderweise den Torschützen vom Platz und ersetzte ihn mit Alphonse. Auch Andermatt nahm einen Wechsel vor. Ronny Hodel, dem eine starke Halbzeit geglückt war, ging für den Stürmer Marcos. Dieser lenkte nach acht Minuten einen Schuss von Schwegler mit der Ferse ganz knapp am Zürcher Tor vorbei. Kurz darauf erhielt Yakin an der Zürcher Strafraumgrenze einen Freistoss nicht, den er wohl etwas zu offensichtlich gesucht hatte. Varela, einer der auffälligsten Spieler bei den Gelbschwarzen, lancierte von rechts Marcos, welcher Leoni mit dem Kopf bezwang. Der Jubel hatte sich noch nicht gelegt, als der andere Neue, Alphonse, auf der Gegenseite wieder die Führung herstellte. Ein Schuss aus gut 19 Meter Distanz von rechts. Wölfli hatte keine Chance. Favre wechselte kurz darauf den Passgeber zum 1:0, Rochat, gegen Schneider aus. In der 64. setzte Yakin Marcos ein. Dieser scheiterte aus nächster Distanz am reflexstarken Leoni. Nach einer Ecke der Young Boys prallte Zayatte so unglücklich mit Tihinen zusammen, dass dieser verletzt in Krankenhauspflege gebracht werden musste. Favre musste deshalb schon seinen letzten Wechsel vornehmen. Kollar ersetzte den Finnen. Zayatte wurde kurz darauf bei einem Konter wegen Alphonse nass. Der Franzose verpasste aber knapp. In der legendären YB-Viertelstunde kam auch noch der von den Fans als Top-Hoffnungsträger gefeierte Frimpong für Zayatte zum Einsatz. Er war noch nicht in der Platzmitte angekommen, als Yakin einen Freistoss zum erneuten Ausgleich versenkte. Und wieder hätte der Gegenzug fast die Führung gebracht. Die Zürcher Nerven flatterten nun. Ein Scharmützel an der Linie beendete Schiedsrichter Wermelinger mit der Gelben Karte für Christian Schwegler. Die Berner konnten den Druck nun erhöhen. Zweimal wurde Yakin in aussichtsreicher Position gebremst. Die 22.400 Zuschauer im Wankdorf erlebten Spannung pur. Fünf Minuten vor Schluss hielt Leoni einen weiteren Torschuss von Yakin. Zwei Minuten später hielt Wölfli gegen den frei zum Schuss gekommenen Inler. Der Nachschuss von Alphonse erfolgte aus dem Abseits. Dann wurde aber Abdi rechts vergessen. Raffael passte rüber, und der serbisch-schweizerische Doppelbürger sicherte seinem Team wohl den Titel. Wermelinger ließ noch fünf Minuten nachspielen, aber die Berner konnten nicht mehr reagieren. Wegen der Taktik Andermatts, der gegen Spielende alles auf den Angriff setzte, war der Sieg des Meisters nicht gestohlen. Insgesamt taten die Berner aber etwas mehr fürs Spiel.

Andreas Beck, Bern