Super League

Spieltag

Spielbericht Young Boys Bern - AC Bellinzona

Doumbia überrollt Ex-Club seines Chefs

Machte den Sack zu: Seydou DoumbiaMachte den Sack zu: Seydou Doumbia

Keine schönen Tore, ein ausgebliebener Elfmeterpfiff und eine ungewohnte Berner Startaufstellung führten zum (zu) klaren Sieg der Young Boys über die AC Bellinzona.

Vladimir Petkovic überraschte mit seiner Aufstellung gleich in zweifacher Hinsicht. Zum einen ließ er den Edeljoker Doumbia von Anfang an auflaufen, zum anderen musste Carlos Varela zunächst auf die Bank. Doumbia, der sicherste Torschütze der Berner hat erst vor einer Woche am Cup-Viertelfinalspiel gegen die Grasshoppers gezeigt, wie effizient er als Einwechselspieler sein kann. Seine erste Ballberührung war ein Zuspiel auf Hochstrasser, das zum 2:0 führte, die zweite ergab sein Tor zum 3:0 Schlussresultat. Im Cup hatte der Ivorer damit fünf Tore in vier Einsätzen zu verbuchen. Varela seinerseits hatte in der letzten Begegnung mit der AC Bellinzona auf dem Wankdorfkunstrasen die Tessiner praktisch im Alleingang geschlagen. Warum sich der Berner Coach, der mit seinem heutigen Gegner aufgestiegen war, den Effekt raubte, den Gegner durch Doumbias Einwechslung in Angst und Schrecken zu versetzen, bleib heute sein Geheimnis. Er sollte im Nachhinein aber Recht bekommen.

Angst hatten die Spieler der AC Bellinzona nicht. Aber die Limiten waren trotzdem erkennbar. Im Gegensatz zu den Gelbschwarzen wurde von Anfang an hinten durch gespielt. ACB-Trainer Schällibaum hatte seine Spieler offenbar angewiesen, es gegen seinen Ex-Verein vorsichtig angehen zu lassen. Doch Doumbias Schnelligkeit war auch mit Vorsicht nicht beizukommen. In der 11. Minute umlief er gleich zwei Tessiner auf der rechten Seite, flankte zur Mitte, wo Häberli ins Tor segelte und den Ball mit dem Kopf gleich mitnahm. Keine 10 Minuten später verletzte sich Beghetto so ernsthaft, dass er durch Lustrinelli ersetzt werden musste. Die folgenden 20 Minuten hätten die beiden Torhüter ohne weiteres beim Kaffee verbringen können. Bis zum wegen Abseits abgepfiffenen Berner Tor in der 37. Minute bekamen die 18'465 Zuschauer nur Kleinkleinspiel, mangelhafte Ballannahmen und Fehlpässe zu sehen. Kurz vor der Pause haute Raimondi aus dem Getümmel heraus auf den Ball, der vom Innenpfosten direkt in die Arme von Torhüter Zotti abprallte.

Nach der Pause mussten die Eltern die rund 4'000 am Kids Day anwesenden Kleinen wohl mit Pommes bei Laune halten. Auf dem Platz gab es wenig Erbauliches. Bis in der 66. Minute Lustrinelli durch Ghezal glasklar im Strafraum gelegt wurde und Schiedsrichter Wermelinger weiter spielen ließ. Schällibaum kochte und sprang den vierten Offiziellen an. Mit einem Anflug von Selbstbeherrschung gelang es ihm aber, die Attacke in eine Umarmung umzudeuten. Es wäre mittlerweile kein unverdienter Ausgleich gewesen. Und vielleicht wären die Gäste dadurch wieder ins Spiel gekommen. Kurz vorher hatte Petkovic schon Gegensteuer gegeben, indem er für den unauffälligen Degen endlich Varela brachte. Dieser zog nach der umstrittenen Penaltyszene über rechts los und bediente Doumbia, der nur noch einzuschieben brauchte (69.). Das einzige wirklich schöne Tor der Partie. Acht Minuten später tankte sich Doumbia mit all seiner Wucht durch die Abwehr der AC und schloss zum 3:0 ab. Dann war aber auf beiden Seiten die Luft draußen. Die unkonventionelle Taktik ging für die Berner zum Schluss mit etwas Glück doch noch auf.

Andreas Beck, Bern