Herausragend im Team Uruguays: Mittelfeldmann Juan SchiaffinoKriegsbedingt konnte der FIFA-Kongress erst am 1. Juli 1946 wieder zusammentreten. Da Deutschland ausfiel, fiel beim Treffen in Luxemburg die Wahl des nächsten Veranstalters wie erwartet auf Brasilien. Der Pokal hieß nun "Coupe Jules Rimet" und wurde nicht mehr im K.o-System, sondern einsteigend mit einer Vorrunde aus vier Gruppen á vier Mannschaften ermittelt. Der Modus war so aufgebaut, dass je Gruppe eine Mannschaft gesetzt wurde und drei weitere Teams zugelost bekommen sollte. Die vier Gruppensieger sollten dann die Endrundengruppe bilden, dessen Sieger Weltmeister wäre. Innerhalb der Vor- und Endrundengruppe sollte jede Mannschaft gegen jede andere der Gruppe antreten. Überraschenderweise meldeten sich wesentlich weniger Mannschaften zur WM an als zu den beiden letzten Turnieren 1934 und 1938, nämlich ganze 29 Nationen für 16 Endrundenplätze. Endlich meldete sich auch das Mutterland des Fußballs, England, zum WM-Endausscheidung an.
Die Qualifikation
Schon in der Vorentscheidung zur WM ging einiges drunter und drüber. Reihenweise verzichteten bereits den verschiedenen Gruppen zugeordnete Nationen, sei es aus finanziellen (Österreich), sportpolitischen (Argentinien), oder sonstwelchen Gründen (Schottland, Frankreich, Belgien, Portugal, Türkei, Indien, Peru und Ekuador). Gespielt werden konnte in der Gruppe II, in der sich Jugoslawien gegen Frankreich und Israel behauptete. Nachdem sich in Gruppe I die Türkei gegen Österreich durchgesetzt hatte, aber dann verzichtete, wurde Frankreich als Gruppenzweiter eingeladen. Doch die wollten auch nicht mehr. Sieger der Gruppe III wurde die Schweiz gegen Luxemburg, da Belgien verzichtete. Spanien setzte sich gegen Portugal in Hin- und Rückspiel in der Gruppe IV durch (5:2 und 2:2). Als auch Portugal (für die Türkei) eingeladen wurde, kam von dort ebenfalls eine Absage. Schweden wurde gegen Irland und Finnland Sieger der Gruppe V. In der Gruppe VI, einer rein britischen Qualifikation, ließ England Schottland, Nordirland und Wales hinter sich. Schottland wäre als Zweiter auch dabei gewesen, verzichtete jedoch. In Mittel- und Nordamerika kamen Mexiko und die USA gegen Kuba weiter. In Südamerika kamen alle gemeldeten Teams (Chile, Bolivien, Uruguay und Paraguay) kampflos zur WM, da der Rest (Argentinien, Peru und Ekuador) nicht wollte. Indien hatte nach dem Rückzug Burmas zwar das Brasilien-Ticket in der Tasche, zog aber zurück.
Die Vorrunde
Somit traten statt der erwarteten 16 nur noch 13 Mannschaften die Reise nach Brasilien an. Zwei Gruppen á vier, eine mit drei und eine mit zwei Teams starteten das Turnier. Das Eröffnungsspiel im neu gebauten, größten Stadion der Welt, dem Maracana (Fassungsvermögen: 200.000 Zuschauer!), war gleichzeitig das erste Spiel der Gruppe I. Brasilien gewann sicher 4:0 gegen Mexiko. Ein überzeugender Anfang des Favoriten war gemacht. Etwas überheblich, mit vier Reservisten im Team, trat Brasilien gegen die Schweizer an. Überraschend holten die Eidgenossen ein 2:2. Gegen Jugoslawien (zuvor 3:0 gegen die Schweiz) wollten die Gastgeber diese Scharte wieder auswetzen. Die Gäste begannen mit zehn Spielern, da sich Mitic im dunklen Gang zwischen Kabine und Spielfeld den Kopf aufgeschlagen hatte. Als er mit einem Verband auf dem Platz erschien, stand es bereits 1:0 für Brasilien (3., Ademir). Erst kurz vor dem Abpfiff stellte Zizinho (89.) den Endstand her. Die Gastgeber waren für die Endrunde qualifiziert.
Favorit in Gruppe II waren eindeutig die Engländer. Der Einstieg gegen Chile (2:0) lief auch vortrefflich. Die USA (zuvor 1:3 gegen Spanien) im zweiten Spiel waren krasser Außenseiter. Superstar Stan Matthews saß für die Engländer auf der Tribüne und sollte für das Spanien-Spiel geschont werden. In einer der größten WM-Sensationen unterlag England gegen die Amis jedoch mit 0:1 (37., Gaetjens). Da die konsternierten Engländer auch gegen Spanien in Bestbesetzung kein Tor erzielten, aber durch Zarra (49.) eines hinnehmen mussten, war Spanien überraschend Gruppensieger.
Die Gruppe III begann mit einem Paukenschlag. Schweden besiegte den Weltmeister Italien mit 3:2 Toren. Die Skandinavier ließen sich von dem frühen Rückstand (7., Carapellese) nicht schocken und gingen danach 3:1 in Führung (Jeppson 25. und 69., sowie Andersson in der 34. Minute). Das 2:3 durch Muccinelli (76.) reichte der Squadra Azzurra nicht. Italiens Nachteil war, dass die Nationalspieler des FC Turin, die ein Jahr zuvor bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen waren, nicht gleichwertig ersetzt werden konnten. Den Schweden reichte ein 2:2 gegen Paraguay, das wiederum gegen Italien 2:0 verlor, zum Weiterkommen.
Die Gruppe IV bestand nur aus zwei Mannschaften. Uruguay und Bolivien trafen sich nur für ein Spiel, dass die Urus mit 8:0 für sich entschieden. Der Halblinke Juan Schiaffino mit insgesamt vier Treffern tat sich in dieser Partie besonders hervor.
Die Endrunde
Spätestens nach dem 7:1-Erfolg Brasiliens gegen Schweden waren die Gastgeber turmhoher Favorit der Endrundengruppe. Mit absolutem Zauberfußball faszinierten Ademir & Co. die knapp 140.000 Zuschauer im Maracana-Stadion. Wie kaum ein Team zuvor zeigten die Brasilianer Fußball par excellence. Die Innenstürmer Zizinho, Ademir und Jair wirbelten die Schweden durcheinander. Als auch die Spanier den Gastgebern mit 1:6 unterlagen, hatten die Kommentatoren kaum genug Superlativen für die wie entfesselt aufspielenden Fußball-Akrobaten vom Zuckerhut parat. Derweil krampfte sich das Team von Uruguay glücklich durch die ersten beiden Spiele. Gegen Spanien gab es ein mühsames, erst spät durch Valdanas Gewaltschuss gesichertes 2:2. Auch die Schweden konnten erst mit dem späten Tor zum 3:2 durch Miguez (85.) besiegt werden. Die Begegnung zwischen Spanien und Schweden gewannen die Skandinavier sicher mit 3:1, was Platz Drei in der Endabrechnung des Turniers bedeutete.
Während das ‚kleine Finale’ nur 8.000 Besucher in Sao Paulo anzog, fand zur gleichen Zeit vor fast 200.000 Zuschauern im vollbesetzten Maracana-Stadion das entscheidende Spiel um den Titel zwischen Brasilien und Uruguay statt. Dem hoch favorisierten Gastgeber reichte zum Erreichen des Titels gegen die Urus, dem Weltmeister von 1930, ein Unentschieden. Doch bereits im ersten Durchgang zeigten die Gäste aus Montevideo ein glänzendes Defensivverhalten. Durch das enge Markieren der brasilianischen Ballkünstler und dem agressiven Pressing konnten die Favoriten ihren gefürchteten Angriffswirbel nicht entwickeln. Aber es reichte ja schließlich ein Remis. Als kurz nach der Pause Frica nach Zizinho-Vorlage das 1:0 gelang, schien alles seinen vorgezeigten Weg zu gehen. Doch die Urus gaben nicht auf. Ein Konter über Rechtsaußen Ghiaggia landete bei Schiaffino, der volley abzog: 1:1 (66.). Es wurde plötzlich stiller in dem riesigen Stadion. Die Brasilianer brauchten nur noch das Ergebnis über die Zeit zu schaukeln, doch elf Minuten vor dem Abpfiff war wieder Ghiaggia durch und traf aus spitzem Winkel ins lange Eck von Torhüter Barbosa. Wie gelähmt agierten die Favoriten und kamen kaum mehr zu einem halbwegs vernünftigen Spielzug. Die Sensation war perfekt und Uruguay zum zweiten Mal Weltmeister. Während 200.000 Menschen mit hängenden Köpfen das Stadion verließen, feierten die Urus nach ihrer Rückkehr in Montevideo das bis dahin größte Fußballfest.
Ungleicher Wettbewerb, aber ansonsten gelungen
Die WM in Brasilien hatte seine Licht- wie auch Schattenseiten. Neben tollen sportlichen Leistungen, bewährte sich der Modus in der hier durchgeführten Form nicht. Die schrägen Gruppeneinteilungen taten dem Wettbewerb der Mannschaften nicht besonders gut. Während die Urus insgesamt vier Spiele absolvierten, musste Brasilien deren sechs bestreiten. Finanziell kamen die Brasilianer gut über die Runden, da zumindest die Heimmannschaft viele Zuschauer anzog.
| Datum | Heim | Gast | Ergebnis | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| So | 09.07. | 15:00 | Brasilien |
- | Schweden |
7:1 (3:0) | ![]() |
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| Maracanã-Stadion (Rio de Janeiro) 138.900 Zuschauer Schiri: Arthur Ellis (England) |
Ademir (17.) 1:0 Ademir (36.) 2:0 Chico (39.) 3:0 Ademir (52.) 4:0 Ademir (58.) 5:0 5:1 Maneca (85.) 6:1 Chico (88.) 7:1 |
Andersson (67.) |
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| So | 09.07. | 15:00 | Uruguay |
- | Spanien |
2:2 (1:2) | ![]() |
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| Pacaembu-Stadion (Sao Paulo) 44.800 Zuschauer Schiri: Benjamin Griffiths (Wales) |
Ghiggia (29.) 1:0 1:1 1:2 Varela (73.) 2:2 |
Basora (32.) Basora (39.) |
|||||||
| Do | 13.07. | 15:00 | Brasilien |
- | Spanien |
6:1 (3:0) | ![]() |
||
| Maracanã-Stadion (Rio de Janeiro) 152.800 Zuschauer Schiri: Reginald Leafe (England) |
Ademir (15.) 1:0 Jaja (21.) 2:0 Chico (31.) 3:0 Chico (55.) 4:0 Ademir (57.) 5:0 Zizinho (67.) 6:0 6:1 |
Igoa (71.) |
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| Do | 13.07. | 15:00 | Uruguay |
- | Schweden |
3:2 (1:2) | ![]() |
||
| Pacaembu-Stadion (Sao Paulo) 8.000 Zuschauer Schiri: Giovanni Galeati (Italien) |
0:1 Ghiggia (39.) 1:1 1:2 Miguez (77.) 2:2 Miguez (85.) 3:2 |
Palmer (5.) Sundqvist (40.) |
|||||||
| So | 16.07. | 15:00 | Schweden |
- | Spanien |
3:1 (2:0) | ![]() |
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| Pacaembu-Stadion (Sao Paulo) 11.200 Zuschauer Schiri: Karel van der Meer (Niederlande) |
Sundqvist (15.) 1:0 Mellberg (33.) 2:0 Palmer (80.) 3:0 3:1 |
Zarra (82.) |
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| So | 16.07. | 15:00 | Uruguay |
- | Brasilien |
2:1 (0:0) | ![]() |
||
| Maracanã-Stadion (Rio de Janeiro) 173.900 Zuschauer Schiri: George Reader (England) |
0:1 Schiaffino (66.) 1:1 Ghiggia (79.) 2:1 |
Friaca (47.) |
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| < Vorrunde Gruppen 1 - 4 | |||||||||